Brugg
Für die Stadtbibliothek schlägt die Stunde der Wahrheit

Glücksfall für die Einen, absurde Idee für die Anderen: Die Brugger Einwohnerratsfraktionen äussern sich zu den anstehenden Geschäften.

Michael Hunziker
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Geplant ist der Umzug der Stadtbibliothek an den temporären Standort Effingerhof.

Geplant ist der Umzug der Stadtbibliothek an den temporären Standort Effingerhof.

Claudia Meier
(23. März 2018)

Zum geplanten Umzug der Stadtbibliothek Brugg an den temporären Standort Effingerhof gehen die Meinungen auseinander bei den Einwohnerratsfraktionen. Die Mitte freut sich «über die grosse Chance, die sich durch diese vom Stadtrat sorgfältig und speditiv erarbeitete Vorlage der gesamten Bevölkerung der Stadt bietet». An der prominenten, sehr gut erreichbaren Lage könne sich die Bibliothek zu einem lebendigen Kulturzentrum und Treffpunkt entfalten.

Die SP spricht von einem klugen Entscheid. Eine Stadtbibliothek erfülle einen grossen gesellschaftlichen Nutzen, sie diene dank des kostengünstigen Angebots der Integration aller Bevölkerungsschichten, führt die Fraktion aus. Die geplante Vergrösserung des Raumangebots mit der angegliederten Cafeteria ermögliche es allen Generationen, zu verweilen, zu studieren, zu diskutieren, sich zu treffen und literarische Veranstaltungen zu besuchen.

EVP ist sich sicher, dass sich Investition auszahlen wird

Die GLP bezeichnet die Stadtbibliothek als Ort der Begegnung und des Austausches, als eine Visitenkarte der Stadt. Entsprechend wichtig sei es, ein klares Bekenntnis abzugeben.

Der temporäre Standort Effingerhof sei wegen des grossen Platzangebots ein Glücksfall, hält die EVP fest. Auch wenn die Überführung der Stadtbibliothek in die städtische Verwaltung die Brugger Bevölkerung einen beträchtlichen Betrag koste, werde sich diese Investition zigfach auszahlen, ist sich die Fraktion sicher.

Kritisch ist die FDP, «zumal die Stadt noch immer keine Finanz- und Immobilienstrategie präsentiert hat». Die Fraktion räumt zwar ein, dass die heutigen Räumlichkeiten im Zimmermannhaus und der Standort in der Vorstadt nicht geeignet seien. Dennoch sei das neue Konzept sehr grosszügig. Einmal mehr fehle der Vorlage eine Kosten-/Nutzen-Betrachtung. Eine Mehrheit werde der Vorlage zustimmen, «auch im Hinblick darauf, dass das Volk im Herbst die Möglichkeit haben wird, darüber abzustimmen».

Überhaupt nicht anfreunden mit der Vorlage kann sich dagegen die SVP. Das Coronajahr habe gezeigt, wo die Zukunft liege: nämlich in der Digitalisierung, teilt die Fraktion mit. «Es ist kaum zu verstehen, wie sich die Bibliothek zu einem Anbieter ohne Nachfrage entwickelt, in Zeiten, wo tatsächlich Wissen und Information von anderen Orten geholt wird.» Berücksichtige man ferner, dass die Schulen zusätzlich eigene Bibliotheken hätten, ebenso der Fachhochschul-Campus, stelle man sich die Frage, «wie man auf die absurde Idee kommt, rund 400'000 Franken Steuergelder für die Bibliothek auszugeben», so die SVP. «Wir weisen darauf hin, dass unsere Stimmbürger ein solches Projekt niemals durchwinken werden.»

FDP begrüsst, dass Planung vorangetrieben wird

Auch den Planungskredit für die «Gebietsentwicklung Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch» lehnt die SVP «mit aller Deutlichkeit» ab. Die Fraktion verweist auf das Quartier mit 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie 3000 Arbeitsplätzen, das entstehen soll im Zentrum. Es scheine, dass der Stadtrat nicht besonders an der Lebensqualität der Bürger interessiert sei, wenn er aktiv ein weiteres Bevölkerungswachstum in ohnehin schon völlig überlasteten Zonen fördere.

Postulat

Gegen eine oberirdische Strasse

Der Brugger GLP-Einwohnerrat Markus Lang fordert den Stadtrat auf, sich für eine vollständig unterirdische Oase-Zentrumsentlastung – im Bereich des Bahnhofs bis zur Südwestumfahrung – ohne Anschlusskreisel einzusetzen. Das südlich des Bahnhofs gelegene Industriequartier werde in weiterer Zukunft für eine Neugestaltung zur Verfügung stehen, begründet er in seinem Postulat. «Damit besteht die einmalige Chance, an bevorzugter Lage mitten im Zentrum Brugg/Windisch und in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ein neues Quartier mit vielfältiger Nutzung für Wohnen, Leben, Arbeit und Bildung zu schaffen.» Mit der geplanten oberirdischen Linienführung der Strasse würde im westlichen Teil des Entwicklungsgebiets aber ein Sperrriegel entstehen, der nicht nur die beanspruchte Fläche jeglicher Aufwertung entziehe, sondern das Areal als Ganzes durch den Eintrag von Emissionen massiv abwerte, stellt Lang fest. «Um die Gebietsentwicklung nicht zu beeinträchtigen, muss die geplante Linienführung der Zentrumsentlastungsstrasse deshalb vollständig unterirdisch und ohne Anschluss an das Quartier geführt werden.» (mhu)

Die FDP dagegen heisst den Planungskredit einstimmig gut und begrüsst, «dass alle Beteiligten zusammen die Zukunftsplanung in diesem für Brugg, Windisch und die Region so wichtigen Gebiet vorantreiben».

Die SP ist überzeugt, dass eine echte Partizipation mit der Bevölkerung «bei diesem wegweisenden, die Zukunft unserer Stadt verändernden Projekt» ein Gewinn für alle Beteiligten darstellt. Die Oase-Zentrumsentlastung, fügt die Fraktion an, tangiert den Perimeter. Die SP verlangt, dass die Untertunnelung bis zur Südwestumfahrung weitergeführt wird und der Anschluss Kabelwerk obsolet wird.
Die Fraktion wünscht sich eine proaktive, zeitnahe und offene Informations- und Kommunikationsstrategie.

Die Fraktion der Mitte wird dem Planungskredit zustimmen, ebenso die EVP und die GLP. Erstere erinnert an die Einweihung des Fachhochschul-Campus. Nun sei der nächste Schritt zur weiteren Planung des Herzstücks der Region in absehbare Nähe gerückt. Die EVP befürwortet das Partizipationsverfahren. «Besonders freuen würden wir uns aber, wenn die Arbeitsplätze der Brugg Kabel auch in ferner Zukunft bestehen blieben.»

Für Brugg und Windisch, schreibt die GLP, ergebe sich die einmalige Gelegenheit, mit der Zentrumsentwicklung städtebauliche Massstäbe zu setzen und bei der Standortattraktivität einen grossen Sprung nach vorne zu machen.

Einwohnerrat Freitag, 25. Juni, 19 Uhr, Campussaal.