Tempo 30

«Brugg erfindet nichts Neues mit Tempo-30-Zonen» – Grünen-Fraktion widerspricht der SVP

Die Grünen kämpfen für die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen in Brugg. (Symbolbild)

Die Grünen kämpfen für die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen in Brugg. (Symbolbild)

Die Fraktion der Grünen ist überzeugt von den Vorteilen von Tempo 30 auf den Quartierstrassen und widerspricht den Aussagen der SVP.

Gegen die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen formiert sich Widerstand in Brugg: Vertreter von FDP und SVP, Gewerbeverein Zentrum Brugg sowie TCS Untersektion Brugg sammeln Unterschriften für ein Referendum, damit das Volk an der Urne über das Vorhaben abstimmen kann. Den Kredit von 272 000 Franken für die Umsetzung von Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen genehmigte der Einwohnerrat vor drei Wochen mit 25 zu 18 Stimmen.

Die Fraktion der Grünen befürwortet Tempo 30 auf den Quartierstrassen und hat das volle Vertrauen in die Arbeitsgruppen mit Vertretern aus den Brugger Wohnquartieren, Fachpersonen und Behörden, wird in einer Stellungnahme betont. «Seien wir also bereit dazu, uns nach Windisch und sämtlichen umliegenden Gemeinden auch auf den Weg zu machen und den Verkehr in unseren Quartieren zu verlangsamen!»

Auch Grüne zitieren bfu

Mehrfach habe sich die SVP auf die Unfallstatistiken der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) bezogen, halten die Grünen fest und fügen «der Vollständigkeit halber» weitere Aussagen der bfu zu Tempo-30-Zonen an: «Geschwindigkeit beeinflusst die Unfall- und die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Kollisionen massgeblich. Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 30 km/h ist die Wahrscheinlichkeit, dass der angefahrene Fussgänger überlebt, sechsmal grösser als bei 50 km/h. Tempo-30-Zonen in Quartieren sind ein wichtiger Beitrag für sichere Strassen. Die reduzierte Geschwindigkeit erhöht die Sicherheit, führt zu ruhigerem Fahrverhalten und vermindert den Durchgangsverkehr. Die Anzahl und Schwere von Unfällen nimmt ab, die Schulwege sind weniger gefährlich und die langsameren Verkehrsteilnehmenden fühlen sich sicherer. Die Wohnqualität in den Quartieren steigt.»

Es sei hervorzuheben, so die Grünen, dass sich die bfu dabei nicht auf theoretische Überlegungen stütze, sondern auf vielerorts seit langem geltende Bedingungen. «Dass die SVP der eigenen Quelle widerspricht, wenn sie von ‹unruhigerem Fahren› wegen Tempo 30 schreibt, zeigt auf, dass die SVP nicht sachlich, sondern rein ideologisch argumentiert», halten die Grünen fest.

Wie weltfremd die Haltung sei, zeige sich auch am Vergleich von Quartierstrassen und Autobahnen. «Richtig ist der Hinweis, dass Sicherheit mit der Komplexität der Verkehrssituation zusammenhängt. Deswegen ist es sinnvoll, auf Quartierstrassen das Tempolimit auf angemessene 30 km/h zu reduzieren. Ganz unabhängig von der polizeilich festgehaltenen Ursache für den Unfall wären auch bei Unaufmerksamkeit, Alkohol oder Drogen oder missachtetem Vortritt die Schäden kleiner, würde mit 30 statt mit 50 gefahren.»

Umsetzung erfolgt schrittweise

In ihrer Stellungnahme erwähnen die Grünen den Leserbrief von Peter Haudenschild, FDP-Einwohnerrat und Co-Präsident des Referendumskomitees, und die in diesem angesprochene Problematik der Fussgängerstreifen, die mit der Einführung von Tempo 30 ausradiert würden.

Die Grünen zitieren aus der Antwort des Bundesrats auf eine Anfrage von SP-Nationalrätin Margaret Kiener Nellen: «Fussgängerstreifen können in Tempo-30-Zonen aber dort angebracht werden, wo ein besonderes Bedürfnis nachgewiesen ist. Dies kann in der Nähe von Schulen und Heimen, aber auch bei grossen Fussgängeraufkommen im Bereich von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs der Fall sein.»

Die SVP rechne vor, dass die Lärm- und Abgas-Emissionen mit Tempo 30 zunehmen würden, nenne dazu aber keine Quelle, fahren die Grünen fort. «Dies aus gutem Grund: Diese Behauptungen lassen sich – genau gleich wie eine relevante Reduktion der Emissionen – nicht nachweisen. Diesbezüglich wird sich also auch mit Tempo 30 nichts ändern.»

Schrittweise Umsetzung

Kurz: «Die Initianten versuchen offensichtlich zu insinuieren, dass die Tempo-30-Zonen sofort, absolut flächendeckend und von oben herab verordnet würden», stellen die Grünen fest. «Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Umsetzung schrittweise erfolgt, die Mitsprache aus verschiedenen Gremien mit einbezogen und in einer Arbeitsgruppe sorgfältig ausgearbeitet worden ist.»

Erstaunt äussert sich die Fraktion darüber, «dass mit solchen Falschaussagen die Brugger Bevölkerung nun zum Referendum aufgerufen wird». Denn: «Brugg erfindet mit der Einführung der Tempo-30-Zonen absolut nichts Neues.» Es handle sich um ein Konzept, das anderorts tausendfach erprobt worden sei und sich bewährt habe.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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