Brugg
Ein spannender Einblick in die Vergangenheit ‒ und die Zukunft ‒ des Effingerhofs

Am 25. Juni stimmt der Stadtrat über die temporäre Verlegung der Stadtbibliothek ins Erdgeschoss des Effingerhofs. Rundgänge und Diskussionen boten am Kulturwochenende einen Einblick in das geschichtsträchtige Gebäude.

Irene Hung-König
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Das Podiumsgespräch fand in jenem Raum statt, in den die Stadtbibliothek einziehen soll.

Das Podiumsgespräch fand in jenem Raum statt, in den die Stadtbibliothek einziehen soll.

Irene Hung-König

Die Gelegenheit und Chance beim Schopf packen: Dieses Bild der Figur «Kairos» mit dem langen Haarzopf aus der griechischen Mythologie, steht für das Anliegen der initiativen Bruggerinnen und Brugger, welche das Kulturwochenende im Effingerhof organisiert haben. Hintergrund dieses Anliegens ist die temporäre Verlegung der Stadtbibliothek in die Erdgeschossräume des Effingerhofs.

Mehr Platz für die Bedürfnisse und Ausrichtungen einer modernen Bibliothek, aber auch ein Treffpunkt inmitten der Altstadt ist geplant. Der Einwohnerrat stimmt am 25. Juni in seiner Sitzung nicht nur darüber, sondern auch über den Wechsel vom Trägerverein in die Stadtverwaltung ab.

Zeitzeugen berichten aus den Anfängen des Effingerhofs

Durch das Effingerhof-Gebäude führte am Samstagmorgen der Theaterschaffende Walter Küng. Die zahlreichen Gäste erhielten einen Einblick in die frühe Zeit des Effingerhofs, aber auch was hier durch den Umbau mit Wohnungen und einem öffentlichen Teil geschehen soll.

Das Spannende auf dem Rundgang war: In verschiedenen Räumen warteten Zeitzeugen, die hier gearbeitet und gewohnt hatten. So auch Peter Berthelé: vor über 60 Jahren habe er hier als Schriftsetzerlehrling angefangen. «Das Spektrum, um hier zu lernen, war absolut spektakulär», so Peter Berthelé.

Peter Berthelé (Zweiter von rechts) erzählt aus seiner Zeit als Schriftsetzerlehrling im Effingerhof.

Peter Berthelé (Zweiter von rechts) erzählt aus seiner Zeit als Schriftsetzerlehrling im Effingerhof.

Irene Hung-König

Er erwähnte unter anderem das Jubiläumsbuch der Kabelwerke aber auch das 12'000 Seiten starke Ragionenbuch mit Firmenhinweisen. Dies sei jeweils ein Jahresauftrag gewesen.

Weniger begeistert berichtete Rolf Kretzdorn über seine Arbeit im Effingerhof. Er wohnte mit seiner Familie hier, der Vater arbeitete im Effingerhof, also begann auch Rolf Kretzdorn mit der von ihm beschriebenen «ungeliebten» Schriftsetzerlehre.

Als Zeitungsjunge startete Architekt Walter Tschudin seine Karriere

Mit Architekt Walter Tschudin wartete ein bekanntes Gesicht auf dem Rundgang. Er hatte sich aus einem speziellen Grund vor dem ehemaligen Schalter postiert. «Ich war 1970 einer der Zeitungsjungen, die das Brugger Tagblatt verteilten», sagte Walter Tschudin. Hier am Schalter habe er seinen Lohn abholen können. Er zeigte auch gleich, wofür er die 30 Franken einsetzte: für neue Eisenbahnmodelle.

Architekt Walter Tschudin steht vor dem Schalter, wo er als Zeitungsjunge jeweils seinen Lohn abholte.

Architekt Walter Tschudin steht vor dem Schalter, wo er als Zeitungsjunge jeweils seinen Lohn abholte.

Irene Hung-König

Um die Stadtbibliothek in den Erdgeschossräumen ging es im Podiumsgespräch. Daran teil nahmen sechs Mitglieder des Einwohnerrats aller Parteien – mit Ausnahme der SVP, Bibliotheksleiterin Cécile Bernasconi sowie Frau Stadtammann Barbara Horlacher.

Brugger Stadtrat sei von «riesengrosser Chance» überzeugt

Gesprächsleiterin Claudia Meier, Redaktionsleiterin Brugg der «Aargauer Zeitung», brachte unter anderem die Themen Effingerhof-Bezug, Erfahrungen mit der Stadtbibliothek im Zimmermannhaus aber auch die Kosten der Neuausrichtung aufs Tapet.

Das Podiumsgespräch mit Gesprächsleiterin Claudia Meier (von links), David Hunziker, Barbara Horlacher, Markus Lang und Titus Meier.

Das Podiumsgespräch mit Gesprächsleiterin Claudia Meier (von links), David Hunziker, Barbara Horlacher, Markus Lang und Titus Meier.

Irene Hung-König

Barbara Horlacher sagte hierzu, dass der Stadtrat von der riesengrossen Chance überzeugt sei. Für Angelika Curti, Die Mitte, wäre die Bibliothek im Effingerhof ein Geschenk für die Bevölkerung. Markus Lang, GLP, sprach dagegen von einer konsequenten Fortsetzung des Bildungsauftrags, dieser sei zwingend.

Bibliotheksleiterin Cécile Bernasconi erklärte, dass ihr flexible Abtrennungen im Raum für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern und Eltern vorschweben. Während in einer Ecke die «Verslizyt» abgehalten werden könnte, schmökern die Eltern in einer anderen Ecke des Raumes in den Büchern.