Brugg
«Ein dritter Lockdown wäre katastrophal» – Ladenbetreiber erzählen, wie es ihnen geht

Eine Neu- und zahlreiche Wiedereröffnungen: In der Brugger Altstadt ist diese Woche wieder mehr los. Was die Kunden auch noch suchen, findet sich nicht nur in den Ladenlokalen.

Claudia Meier
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Luzia Vogel vom gleichnamigen Mode- und Pelzgeschäft weiss, dass viele Kunden in der Krise die sozialen Kontakte vermissen.

Luzia Vogel vom gleichnamigen Mode- und Pelzgeschäft weiss, dass viele Kunden in der Krise die sozialen Kontakte vermissen.

Bild: Claudia Meier

Es ist ein schönes, aber noch ungewohntes Bild: Am Dienstagmorgen säumen frische Blumen die Hauptstrasse in der Brugger Altstadt. «Heute Eröffnung Blütenmeer» steht auf einer Tafel vor der Liegenschaft mit der Nummer 20.

Der Blumenladen Blütenmeer feiert am 2. März 2021 Eröffnung.

Der Blumenladen Blütenmeer feiert am 2. März 2021 Eröffnung.

Bild: cm

Cynthia Maurer ist im Element und sagt: «Obwohl ich mit meinem Blumenladen nicht vom Lockdown betroffen war, bin ich froh, dass ich ihn zusammen mit den anderen Läden erst heute eröffne.» Das sei ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Schon am Montag hätten Kunden ans Fenster geklopft und gefragt, ob sie etwas kaufen dürften, oder einfach einen guten Start gewünscht, erzählt die 24-jährige Geschäftsinhaberin.

Am Dienstagmorgen gleich mit Blumen eingedeckt hat sich Luzia Vogel vom gleichnamigen Mode- und Pelzgeschäft gegenüber. «Ich bin sehr glücklich, dass wir wieder öffnen dürfen», sagt Vogel, während sie für eine Kundin ein Kleidungsstück als Geschenk einpackt. Die Schliessung kurz vor Weihnachten hat Luzia Vogel völlig überrascht. Auch vom kalten Januar hätte die Geschäftsinhaberin gerne profitiert. Stattdessen musste sie ihre Angestellten bis Ende Februar in Kurzarbeit schicken. Mit der Nachfrage zum Wochenauftakt ist sie nun zufrieden.

Der Sondereffort am Montag war ein Flop

Weniger zufrieden ist Andreas Küng vom Fachgeschäft Leder Küng mit dem Start. Montags ist sein Geschäft normalerweise geschlossen. Doch nach dem langen Lockdown braucht Küng keinen Ruhetag mehr und öffnete am Montagmorgen. «Das war ein schöner Flop und hätte ich mir sparen können», erzählt er.

Andreas Küng vermisst die Nachfrage nach Rollkoffern.

Andreas Küng vermisst die Nachfrage nach Rollkoffern.

Bild: cm

Am Dienstagmorgen kommen die Kunden zurück, sie verlangen Schirme, Schultheken, Gürtel und Handtaschen. Küng sagt: «Sie wollen alles ausser Reisegepäck, deshalb habe ich nun bei vielen Koffern den Preis runtergeschrieben.»

Auch wenn der Geschäftsführer während des Lockdowns via Schaufenster an der Hauptstrasse einige Taschen verkaufen konnte, so ist er doch froh, dass er mit Härtefallgeldern unterstützt wurde. «Hier hat der Kanton souverän gehandelt», stellt Küng fest. Er trägt eine braune Stoffmaske mit beigen Taschenmotiven, die er passend zu seinem Kerngeschäft hat anfertigen lassen.

Die Minigolfanlage steht nur bei schönem Wetter offen

Seit Montag darf man auf der Anlage im Dägerli in Windisch wieder Minigolf spielen. Auch kalte und heisse Getränke, Glace oder Süsses gibt es am Kiosk zu kaufen für Spaziergänger oder zum Mitnehmen auf die Anlage. Da derzeit keine Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen, ist die Anlage bei schlechtem Wetter zu. (cm)

Auf ziemlich viel warmer Wolle ist Hildegard Burgener von der benachbarten Wollboutique sitzen geblieben. Ein Teil davon geht ins Lager und einige Knäuel werden mit Rabatt verkauft.

Farbige Hennen gestrickt für Schaufensterdekoration

«Hoffentlich müssen wir nicht nochmals schliessen», sagt Hildegard Burgener, kurz nachdem eine Kundin den Laden verlassen hat und aufs Velo gestiegen ist. Für sie steht fest: «Ein dritter Lockdown wäre katastrophal.»

Hildegard Burgener führt die Wollboutique seit 13 Jahren.

Hildegard Burgener führt die Wollboutique seit 13 Jahren.

Bild: cm

Am Telefon durfte sie zwar regelmässig Auskunft geben, aber verkauft hat sie während des Lockdowns fast nichts. «Dabei wäre der kalte Januar ideal zum Stricken gewesen», fügt sie an. Jetzt stapeln sich die Frühlings- und Sommergarne in den Regalen. Die Ladeninhaberin hat ihre freie Zeit oft mit Handarbeiten verbracht. So sind allein am vergangenen Wochenende noch farbige Hennen entstanden. Sie zieren jetzt das Schaufenster neben dem Ladeneingang. «Doch Warteschlangen vor den Geschäften wie in Zürich wird es in Brugg nicht geben», fasst Burgener zusammen.

Das sieht Georges Boutellier, Inhaber des gleichnamigen Uhren- und Schmuckgeschäfts im Neumarkt 2, ähnlich. Von den ersten Kunden nach dem Lockdown brauchten viele eine neue Batterie für ihre Uhr. Am Mittag füllt sich der Platz, die Leute wollen die Sonne geniessen.