Kommentar
Brugg: Der Schuss der FDP ging nach hinten los

Die FDP wollte mit Titus Meier den neuen Stadtammann stellen. Doch es kam anders: Die Grüne Barbara Horlacher gewinnt die Wahl. Der Kommentar.

Claudia Meier
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Barbara Horlacher, Grüne, wurde als Frau Stadtammann von Brugg, gewählt.

Barbara Horlacher, Grüne, wurde als Frau Stadtammann von Brugg, gewählt.

Alex Spichale

Geschichte wurde gestern geschrieben in Brugg. Aber nicht von Historiker Titus Meier (FDP), sondern von Umweltnaturwissenschaftlerin Barbara Horlacher (Grüne). Meier stieg zwar Anfang Jahr als aussichtsreichster Kandidat ins Rennen für das Stadtammann-Vollamt. Die fast gleiche Stimmenzahl mit seiner grünen Kontrahentin im ersten Wahlgang war für den FDPler ein Schuss vor den Bug.

Während das Kopf-an-Kopf-Rennen für Barbara Horlacher Ansporn war und sich eine zehnköpfige Gruppe für sie ins Zeug legte, wirkte Titus Meier etwas auf verlorenem Posten. Er führte zwar eine geschickte Plakatkampagne (sogar in Windisch machte er Werbung an der Hauptstrasse). Dennoch war von Bruggern zu hören, dass er zu wenig fassbar, zu wenig offen sei und er etwa nicht klarmache, wo er künftig neben dem Vollamt noch überall mitmachen werde.

Dazu kam, dass seine Partei intern gespalten ist. Längst nicht alle FDP-Mitglieder haben Meier gewählt, aus welchen Gründen auch immer. Fakt ist, dass sich auch der bisherige und wiedergewählte FDP-Stadtrat Reto Wettstein für das Ammann-Amt interessierte, bei der Ausmarchung aber unterlag. Es gibt Leute, die überzeugt sind, dass Wettstein bei der Stadtammann-Wahl ebenso gut abgeschnitten hätte wie Grossrat Titus Meier.

Mit der monatelangen Kampagne der FDP gegen Vizeammann Andrea Metzler (SP), was im ersten Wahlgang zu ihrer Abwahl führte, hat sich die Partei selbst ins Bein geschossen. Dadurch gewann primär die Frauenfrage an Bedeutung, wovon Horlacher zusätzlich profitierte.

Indem die FDP nun Titus Meier bittet, doch das Stadtrats-Mandat im Nebenamt zu akzeptieren, will die Partei verhindern, dass es im März zu einer Ersatzwahl kommt und im schlimmsten Fall die Linken einen dritten Sitz holen.