Brugg
Der Einwohnerrat entscheidet über die Zukunft der Stadtbibliothek

Stadtrat Brugg beantragt, die Stadtbibliothek in die städtische Verwaltung und örtlich in den Effingerhof zu überführen. Der Botschaft ist zu entnehmen, was das für finanzielle Folgen hat.

Claudia Meier
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Der neue Standort der Stadtbibliothek ist links im Erdgeschoss des Effingerhofs vorgesehen.

Der neue Standort der Stadtbibliothek ist links im Erdgeschoss des Effingerhofs vorgesehen.

Janine Müller
(17. September 2019)

Lange wurde in den letzten Jahren über die Zukunft der Stadtbibliothek Brugg diskutiert. Mehrere Varianten wurden geprüft, teilweise verworfen und schliesslich eine Botschaft ausgearbeitet, über die der Einwohnerrat nun am 25. Juni entscheiden wird. Genau genommen stimmen die Stadtparlamentarier über zwei Anträge ab.

Einerseits geht es um einen Schritt, der auf Vereinsstufe bereits vorbereitet wurde. Nämlich um die Überführung der Stadtbibliothek Brugg in die städtische Verwaltung. Für 250 Stellenprozente müssten jährlich wiederkehrende Personalkosten in der Höhe von durchschnittlich 263'600 Franken sowie für den Betrieb jährlich wiederkehrende Kosten von durchschnittlich 203'600 Franken bewilligt werden. Sagt der Einwohnerrat Ja, so findet darüber im Herbst eine Urnenabstimmung statt.

Andererseits werden im Zusammenhang mit dem geplanten Umzug der Stadtbibliothek an den temporären Standort Effingerhof und der Umrüstung der Medien auf RFID (Technologie für drahtlose Erkennung) einmalige Investitionskosten von 175'000 Franken beantragt.

Stadt unterstützt Verein mit 180'000 Franken pro Jahr

Die einmalig anfallenden Investitionskosten für die baulichen Massnahmen im Effingerhof in der Höhe von 175'000 Franken werden buchhalterisch über die Investitionsrechnung abgewickelt, danach in der Bilanz aktiviert und linear abgeschrieben.

Rückblick: Die Stadtbibliothek Brugg wird seit 1864 vom gleichnamigen Verein betrieben, bei dem auch das Bibliothekspersonal angestellt ist. Die Stadt Brugg unterstützt die Stadtbibliothek durch die mietfreie Überlassung der Bibliotheksräume auf zwei Etagen im Zimmermannhaus sowie, gemäss Beschluss des Einwohnerrates vom 25. Januar 2019, durch einen jährlichen Beitrag von aktuell 180'000 Franken.

Mit dem vor Jahren eingeleiteten Entwicklungsprozess wurden das Bibliotheksangebot gezielt ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert. In einem Konzept wird dargelegt, was es für eine zeitgemässe Bibliothek braucht. Stichworte sind: Leseförderung, Treffpunkt, Zugang zu Informationen und kulturelle Bildung. Da die Integration einer grösseren Stadtbibliothek in das Projekt «Zentralisierte Verwaltung» an der Schulthess-Allee wegen Einsprachen gegen den Gestaltungsplan «Alte Post» für längere Zeit blockiert ist, brauchte es eine Alternative.

Erweiterte Öffnungszeiten und Selbstausleihe

Das Erdgeschoss im Effingerhof erwies sich als geeignet für eine temporäre Nutzung. Neben dem Raum für die Bibliothek, der für fünf Jahre gemietet werden kann, steht viel Fläche für Veranstaltungen zur Verfügung, die man sich mit Partnern teilt. Die Bibliothek ist über den Haupteingang respektive das Foyer sowie von der Seite Stadtkirche direkt über eine Treppe erreichbar. Es besteht die Möglichkeit einer Mietverlängerung.

Vorgesehen ist, die bisherigen Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek zu übernehmen und bei der Stadt anzustellen. Um die Personalkosten bei erweiterten Öffnungszeiten möglichst tief zu halten, wird eine Selbstausleihe eingerichtet. Mit dem neuen Angebot steigen die Jahresgebühren für die Kunden. Nach der Herleitung der künftigen Personal- und Betriebskosten hält der Stadtrat fest:

«Entsprechend verdoppeln sich ab 1. Januar 2022 die Kosten für die Stadtbibliothek, wobei sich mit dem Standortwechsel ein erheblicher Mehrwert in Bezug auf die Nutzungsfläche, das Medienangebot und die Öffnungszeiten ergibt.»