Brugg
Das Hospiz Aargau zählt im Coronajahr über 6000 Besucher und 89 Todesfälle

An- und Zugehörige können die Sterbenden an der Fröhlichstrasse 7 rund um die Uhr besuchen. Die Dankbarkeit gegenüber dem Pflegeteam ist gross. Geschäftsführer Dieter Hermann sagt, ob und wie die Institution von der Pandemie betroffen ist.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Im Hospiz in Brugg ist Dieter Hermann der Geschäftsführer.

Im Hospiz in Brugg ist Dieter Hermann der Geschäftsführer.

Bild: Chris Iseli
(16. November 2020)

Auf der Hospiz-Aargau-Website ist die Bettenbelegung im stationären Bereich an der Fröhlichstrasse 7 in Brugg jederzeit einsehbar. Kaum ist eines der zehn Betten frei, wechselt die Farbe wieder auf Rot.

Ziel der Palliative-Care-Station ist es nicht nur, die betreuenden Angehörigen zu entlasten, sondern vor allem auch die Lebensqualität der sterbenden Menschen zu verbessern. Sie sollen ohne Angst, möglichst schmerzfrei und in Würde leben und Abschied nehmen können – auch in Zeiten von Corona.

Im letzten Jahr hat das Hospiz Aargau im stationären Bereich 101 Menschen begleitet. «Insgesamt hatten wir 89 Todesfälle und 3 Austritte», sagt Geschäftsführer Dieter Hermann auf Nachfrage der AZ. Im Jahr zuvor waren es 81 Todesfälle und 7 Austritte. Und 2019 registrierte das stationäre Hospiz 77 Todesfälle sowie 3 Austritte. Dieter Hermann betont:

«Sowohl die 25 Angestellten, 65 Freiwilligen als auch alle Patienten sind coronafrei durch die Zeit gekommen.»

In der Regel sind es Krebspatienten, die ihren letzten Lebensabschnitt im Hospiz verbringen. Und dieser wurde in den vergangenen Jahren immer kürzer, was dazu führt, dass insgesamt mehr Patienten begleitet werden können.

Eine junge Frau im Abendkleid und der Jäger in Tracht aufgebahrt

Während die Pflegeheime während des ersten Lockdowns für alle externen Personen geschlossen wurden, gingen im Hospiz Angehörige und Freiwillige immer ein und aus. Dieter Hermann sagt: «Wir hatten ein passendes Pandemieschutzkonzept, welches durchgängig ein uneingeschränktes Besuchsrecht ermöglichte – sieben Tage pro Woche à 24 Stunden.» Im letzten Jahr seien gut 6000 Besuchende auf der Station gezählt worden, so der Geschäftsführer.

Das stationäre Hospiz in Brugg verfügt über zehn Zimmer.

Das stationäre Hospiz in Brugg verfügt über zehn Zimmer.

Bild: AZ-Archiv
(10. Oktober 2017)

Die Verstorbenen werden im Hospiz-Zimmer noch etwa während dreier Tage aufgebahrt. «Sodass Hinterbliebene in dem Lebensraum Abschied nehmen können, in dem der Verstorbene final gelebt hat», erklärt Dieter Hermann. Dabei trägt der Verstorbene die Kleidung, welche von ihm oder den Angehörigen bestimmt wurde. «Wir haben auch schon den Jäger in Tracht aufgebahrt, die junge Frau im Abendkleid mit frisch mani- und pedikürten Nägeln und den Fussballer im Vereinstrikot», so der Geschäftsführer.

Manchmal muss noch eine Kühlplatte unterlegt werden

Für Beisetzungen gelten derzeit starke Einschränkungen. Die Abschiedsrituale und die Frequentierung von Abschiednehmenden im Hospiz haben sich hingegen kaum verändert, da es bisher keine Covid-19-Fälle gab. Dieter Hermann ergänzt: «Je nach Zustand des Verstorbenen oder klimatischen Verhältnissen wird – wie zuvor – eine Kühlplatte untergelegt, damit keine Gerüche entstehen.»

Auch dem Pflegeteam wird laut Hermann von den An- und Zugehörigen eine nochmals gesteigerte Dankbarkeit entgegengebracht für den uneingeschränkten Zugang zum Hospiz.