Brugg
Ausserordentliches Jahr: Energieversorgerin IBB kann Ertrag trotz Corona halten

Die Brugger IBB bekommt die Coronakrise zu spüren. Die Energieversorgerin setzt auf den Ausbau von lokalen erneuerbaren Energien, die Stärkung der Energieeffizienz sowie die Nutzung der alternativen Mobilität.

Michael Hunziker
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Martin Sacher, Präsident des Verwaltungsrats (links), und Eugen Pfiffner, CEO IBB Holding AG, vor dem Geschäftssitz.

Martin Sacher, Präsident des Verwaltungsrats (links), und Eugen Pfiffner, CEO IBB Holding AG, vor dem Geschäftssitz.

mhu (2. Juni 2021)

Auch wenn es die Zahlen nicht vermuten lassen: Das Geschäftsjahr 2020 war ein ausserordentliches für die IBB. Die Coronakrise traf die Brugger Energieversorgerin stark. Mit dem Lockdown ging die Nachfrage nach Strom und Gas markant zurück, die Umsatzzahlen sanken beträchtlich, sagte Verwaltungsratspräsident Martin Sacher bei der Präsentation des Geschäftsergebnisses diese Woche vor den Medien.

Zu spüren gewesen sei, dass vor allem die Betriebe aus dem Freizeitbereich ihre Aktivitäten einstellen mussten, ergänzte Eugen Pfiffner, CEO IBB Holding AG. «Was nicht abgesetzt werden kann, lässt sich später im Jahr nicht mehr aufholen.» Gefragt gewesen seien stattdessen andere Dienstleistungen, weil einige Kunden die Zeit nutzten für Umbauarbeiten.

Zum Glück habe sich die Lage im Herbst nicht noch einmal verschärft, hielten Sacher und Pfiffner fest. Der Betrieb habe sich wieder stabilisiert und – was die Zahlen betreffe – normalisiert. Der Betriebsertrag konnte im Vergleich zum Vorjahr beinahe gehalten werden, beläuft sich auf 64,62 Mio. Franken. In 2019 waren es 64,92 Mio. Franken. Die IBB erzielt in 2020 einen Jahresgewinn von 9,72 Mio. Franken. Im Vorjahr betrug dieser 10,01 Mio. Franken.

Mit Alpiq-Beteiligung steigt die Versorgungssicherheit

Ein ausserordentliches Ereignis gewesen sei im vergangenen Geschäftsjahr ebenfalls die Beteiligung an der Alpiq, hob Sacher hervor. Die IBB übernahm vom Kanton Solothurn ein Aktienpaket von rund 26 Mio. Franken. Mit der Beteiligung am Wasserkraftproduzenten kann die Versorgungssicherheit langfristig wesentlich gestärkt werden, führte der Verwaltungsratspräsident aus. «Wir sind froh, dass wir diese Gelegenheit wahrnehmen konnten, und sind überzeugt von einer erfreulichen Ent­wicklung.»

Die IBB kauft vom Kanton Solothurn das verbleibende Alpiq-Aktienpaket (von links): Regierungsrat Roland Heim, Vorsteher Finanzdepartement Kanton Solothurn, Lilian Heimgartner, CFO IBB Holding AG, Eugen Pfiffner, CEO IBB Holding AG, Martin Sacher, Verwaltungsratspräsident IBB Holding AG.

Die IBB kauft vom Kanton Solothurn das verbleibende Alpiq-Aktienpaket (von links): Regierungsrat Roland Heim, Vorsteher Finanzdepartement Kanton Solothurn, Lilian Heimgartner, CFO IBB Holding AG, Eugen Pfiffner, CEO IBB Holding AG, Martin Sacher, Verwaltungsratspräsident IBB Holding AG.

zvg

Die IBB, zeigten Sacher und Pfiffner auf, setzt auf den Ausbau und die Nutzung der lokalen erneuerbaren Energien, auf die Erhöhung der Energieeffizienz, befasst sich mit den Speicher- und Umwandlungstechnologien. Die Dekarbonisierung – also die Abkehr von Kohlenstoff – stehe im Fokus.

Nächste Woche wird der neue Elektrobus eingeweiht

In Bözen wurde die öffentliche Beleuchtung auf moderne LED-Technik mit intelligenter Steuerung umgestellt und in Brugg konnte nach rund 60 Jahren die neue Weihnachtsbeleuchtung in Betrieb genommen werden, die energetisch und in Sachen Design überzeugt.

In Brugg wurde die neue Weihnachtsbeleuchtung in Betrieb genommen.

In Brugg wurde die neue Weihnachtsbeleuchtung in Betrieb genommen.

mhu

Entwickelt werden im Versorgungsgebiet Nahwärmeverbünde. Ebenfalls ein Thema ist die alternative Mobilität. Am Bahnhof Brugg wird nächste Woche ein neuer Elektrobus der Postauto AG eingeweiht, der dann zwischen Brugg und Windisch unterwegs ist. Der Strom stammt mehrheitlich von der neuen Fotovoltaikanlage auf dem Perrondach. Solche Projekte seien wichtig, sagte Pfiffner, und werden deshalb von der IBB als einer der Partner unterstützt.

Im Quartier Bilander ist eine moderne Wohnüberbauung geplant.

Im Quartier Bilander ist eine moderne Wohnüberbauung geplant.

zvg

Auch mit der geplanten Überbauung im Quartier Bilander in Brugg wird das Ziel verfolgt, eine energetische Vorzeigelösung zu realisieren. Entstehen soll eine moderne, attraktive Wohnsiedlung mit 30 Mietwohnungen, sagte Pfiffner. Das bereits erfolgte Wettbewerbsverfahren – im Herbst wurde das Siegerprojekt gekürt – sei zwar aufwendig gewesen. Aber: «Wir überlegten uns sehr genau, wie wir vorgehen wollen.» In der nächsten Phase gilt das Augenmerk dem Gestaltungsplan.

Für innovative Lösungen – auch zusammen mit der Fachhochschule – ist die IBB offen, stellten Pfiffner und Sacher fest. Weiter vorangetrieben wird ebenfalls die Digitalisierung. Das Coronajahr 2020 habe gezeigt, wie wichtig diese Auseinandersetzung sei. Der ganze Betrieb habe – Stichwort Homeoffice – neu organisiert werden müssen. Die Umsetzung habe trotz Herausforderungen rasch und gut funktioniert. Gross sei die Disziplin gewesen bei der Einhaltung der Schutz- und Hygienemassnahmen.

Ende Jahr beschäftigte die IBB 89 Mitarbeitende, davon drei Lehrlinge. Die 1892 gegründete Energieversorgerin beliefert die Region mit Strom, Erdgas und Wasser und unterhält ebenfalls ein Kommunikationsnetz.