Nagra
Bruderer hässig: «Erklärung der Nagra ist unbefriedigend und voller Widersprüche»

Ein internes Papier nennt zwei Standorte für Atommüll-Lager. Dabei handle es sich nicht um Planung, sondern um eines von vielen Szenarien, behauptet die Atommüll-Gesellschaft Nagra. Die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer glaubt das nicht.

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Ständerätin Pascale Bruderer glaubt der Nagra nicht. Az-Archiv

Ständerätin Pascale Bruderer glaubt der Nagra nicht. Az-Archiv

Die Atomabfall-Genossenschaft Nagra nennt in einem internen Papier zwei Standorte für Atommüll-Endlager: das Zürcher Weinland für hochradioaktive Abfälle und Jura-Ost (Bözberg) für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Für die beiden Standorte würde gemäss Bohrprogramm ein Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht. Nach ein paar Bohrungen wieder gestoppt würde hingegen die Untersuchung der Standorte Nördliche Lägern AG/ZH und Südranden SH. Gar keine Erwähnung finden die Standorte Wellenberg NW und Jura-Südfuss (AG).

«Eines von vielen Szenarien»

Die Nagra will das Papier als eines von vielen möglichen Szenarien verstanden wissen, welches die Basis für die Berechnungen der nötigen personellen und finanziellen Ressourcen darstelle. Es beschreibe jedoch nicht die Planung.

Die Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer zweifelt allerdings an dieser Darstellung. Gegenüber «Radio Argovia» bezeichnet sie die Erklärung der Nagra als «unbefriedigend» und «voller Widersprüche». «Einerseits sagen sie, es gehe nur um eine generelle Kostenschätzung. Handkehrum nehmen sie aber ganz konkrete Standorte und rechnen an Hand von diesem Standort, während sie andere Standorte fallenlassen», so Bruderer. Sie stellt die Glaubwürdigkeit der Nagra infrage.

Regionalkonferenz nur Alibiübung?

Auch an den anderen – scheinbar fallengelassenen – Standorten ist die Verunsicherung nach der Veröffentlichung des Dokuments gross. «Dieses Papier verunsichert, ja verärgert die Bevölkerung in unserer Standortregion», meint Hanspeter Lienhart, Präsident der Regionalkonferenz Nördlich Lägern. «Wir haben die aufwändige und belastende Arbeit im Rahmen der Partizipation mit der Regionalkonferenz auf uns genommen im Vertrauen darauf, dass für die verantwortlichen Bundesbehörden wie für die Nagra das Resultat ergebnisoffen ist.»

Mit dem vorliegenden Papier werde der Verdacht geschürt, dass die Regionalkonferenzen eine reine Alibiübung seien. Damit fühlten sich alle daran Beteiligten für ein politisches Manöver missbraucht. „Die Nagra muss sich nun unverzüglich und mit grosser Transparenz erklären, um das verloren gegangene Vertrauen in den Prozess der Partizipation wieder zu gewinnen», fordert Hanspeter Lienhart