1967 hatte die Gemeinde Windisch das aus dem Jahr 1801 stammende Bossarthaus an der Dorfstrasse samt Umschwung für 1,1 Mio. Franken erworben. Der zur Liegenschaft gehörende wunderschöne Spycher aus dem Jahr 1687 fiel der Friedhoferweiterung zum Opfer. Was mit dem Ökonomieteil des Bossarthauses geschehen sollte, darüber gingen die Meinungen von Anfang an weit auseinander.

Zunächst waren die Eröffnung eines Ortsmuseums oder eines Trachtenmuseums und die Umwandlung in ein Jugendhaus im Gespräch. Die Baukommission setzte sich an mehreren Sitzungen mit dem Verwendungszweck auseinander. Ihr Fazit, 1973 im Badener Tagblatt vorgestellt: im Parterre von Scheune und Stall ein Foyer, eventuell auch ein Café, mit Garderoben, im 1. Stock ein Kleintheater mit rund 150 Plätzen, im Estrich über dem Mitteltrakt eine Galerie.

Das Kleintheater auf der Ebene der früheren Heubühne mit offener Balkenkonstruktion «erhielte ein besonders stimmungsvolles Cachet». Dazu der Zeitungskommentar im BT: «Seit Jahren fehlt in der Region Brugg ein Kleintheater. Windisch könnte die Lücke schliessen und das kulturelle Leben befruchten.» An einer vom BT 1977 veranstalteten Podiumsdiskussion der Gemeinderatskandidaten mochte sich keiner auf eine genaue Zweckbestimmung festlegen. Wichtig sei punkto Kultur im Dorf die Privatinitiative. Vorerst solle man, so der Tenor, eine Aussenrenovation vornehmen und erst anschliessend über das «Innenleben» befinden. Unbestritten war der Erhalt der Wohnungen.

Restaurant wünschenswert

1979 befasste sich der Einwohnerrat gleich an zwei Sitzungen mit dem Thema und mit einem Bericht der Baukommission und eines Architekten. Nun war eine andere Variante in den Vordergrund gerückt: «Für Scheune und Stall eröffnen sich nach der Schliessung des gegenüberliegenden Restaurants Fischerstube neue Aspekte, da eine Wirtschaft in der Nähe von Friedhof und Kirche wünschenswert wäre.»

Der Gemeinderat schloss sich dieser Überlegung an. Da eine baldige Renovation des Hauses dringlich sei, beantragte er einen Projektierungskredit von 50 000 Franken. Eine Woche später fand die zweite Sitzung statt. Gemeindeammann Aldo Clivio bat den Einwohnerrat um einen Grundsatzentscheid bezüglich Nutzung des Ökonomieteils. Denkbar wären auch ein Mehrzwecksaal im ganzen Dachgeschoss der Liegenschaft und ein Restaurant im Bereich Scheune/Stall, so Clivio. Ein Kulturzentrum lasse sich aus räumlichen Gründen wohl ebenso wenig realisieren wie ein Trachtenmuseum.

Der Einwohnerrat hielt sich mit Meinungsäusserungen zurück. Ein Ratsmitglied bezweifelte, ob ein Restaurant von der Grösse her hier oder im Wohnteil Platz fände, ein anderes würde ein Beizli sehr begrüssen. Schliesslich wurde der Gemeinderat einstimmig beauftragt, zusammen mit der Objektbaukommission das Bauprojekt, inklusive Variante Restaurant, auszuarbeiten.

Ausführung in zwei Etappen

Ende 1980 stimmte der Einwohnerrat der Vorlage klar zu mit dem Konzept, in einer ersten Etappe nur den Wohnteil sowie die Fassade des Ökonomieteils zu renovieren. Da die Kreditsumme von 960 000 Franken nahe an der Kompetenzlimite des Einwohnerrats lag, wurde eine Volksabstimmung als sinnvoll erachtet. Kommentar des Zeitungs-Berichterstatters: «Der Verwendungszweck des Ökonomieteils bleibt somit auf viele Jahre hinaus offen.» Die Stimmbürger hiessen die Vorlage ebenfalls gut.

Schliesslich kristallisierte sich doch das Projekt Schaffung einer «Kulturscheune» heraus. 1986 erfolgte ein sorgfältiger Umbau zu einem Kleintheater mit Galerie, wobei die Räume in ihrer wertvollen Substanz weitgehend erhalten blieben. Die Stimmberechtigten zeigten Mut und Weitsicht, denn die Finanzlage der Gemeinde war auch damals sehr angespannt. Es entstand ein eigentliches Bijou, das noch heute prägend ist für das kulturelle Leben im Dorf, ja es wirkt vor allem dank dem Kulturkreis als lokales und regionales kulturelles «Leuchtfeuer» und als gesellschaftlicher Treffpunkt.

Es ist denn auch nicht erstaunlich, dass sich reger Widerstand bemerkbar macht gegen einen Verkauf des Bossarthauses und der Bossartschüür. Denn es gibt in der Gemeinde kein Lokal, das diesen stimmungsvollen Ort auch nur ansatzweise ersetzen könnte. Eine Veräusserung wäre etwa vergleichbar, wie wenn Brugg das Salzhaus verkaufen würde, so eine oft gehörte Meinung. Und: «Der Campussaal ist zwar für die Region wichtig, weshalb eine Unterstützung sinnvoll ist. Doch die Bossartschüür ist für die Kultur im Dorf weitaus wichtiger.» Oder, wie ein Leser im Internet zum AZ-Artikel «Windischer kämpfen gegen Bossarthaus-Verkauf» kommentierte: «Überall soll das Tafelsilber verkauft werden.»

Offenes Schüürtor Sonntag, 17. September, 15 bis 18.30 Uhr, mit Kinderzirkus und Konzert.