Schinznach-Dorf
Bootsverein Aaretal feiert das 20-jährige Bestehen – für Nachwuchs ist gesorgt

1998 wurde der Bootsverein Aaretal von einigen Fischern gegründet – dieses Jahr feiert er sein 20-jähriges Jubiläum.

Andrina Wiggli
Merken
Drucken
Teilen
Der Präsident Beat Liechti ist immer mit viel Leidenschaft auf der Aare unterwegs – auch im Winter, versteht sich.AND

Der Präsident Beat Liechti ist immer mit viel Leidenschaft auf der Aare unterwegs – auch im Winter, versteht sich.AND

Ein grosser Schritt und dann wirds wackelig. Voller Stolz und Erleichterung setzt sich die Journalistin ins Boot, den Einstieg hat sie ohne Sturz gemeistert. Inzwischen hat Beat Liechti, Präsident des Bootsvereins Aaretal (BVA), die Seile am Bug und Heck gelöst, die Zündung eingeschaltet und dann gehts bereits los. Sanft tuckert der kleine Katamaran von Liechti über die Aare.

«Wir möchten auch in Zukunft die Kleinschifffahrt auf der Aare erhalten», erzählt Liechti. Um dies möglich zu machen, ist der Verein in aktiver Zusammenarbeit mit den Umwelt- und Naturschutzvereinen. Im Oktober werden bei möglichst tiefem Wasserstand die Ufer vom Boot aus gereinigt. Sogar Taucher sind mit am Werk und werfen den gefundenen Abfall in die Boote der Vereinsmitglieder. «Wir haben schon Velos und Mofas aus der Aare gefischt», berichtet Liechti. Die Vereinsmitglieder verhalten sich korrekt auf der Aare und unterlassen jegliche Rasereien. Es herrscht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h. So werden die Ufer durch den geringeren Wellenschlag geschont. «Diese Zusammenarbeit funktioniert gut und im Verein finden sich immer genügend Freiwillige», so Liechti.

Gründungsziel umgesetzt

1998 wurde der Verein von einigen Fischern gegründet. Mit einem klaren Ziel: einen Steg am Aareufer auf der Seite von Schinznach-Dorf. Die Fischer hatten ursprünglich auf der anderen Aareseite in der Rechtskurve einen Steg. Der Standort war allerdings alles andere als optimal. Sand, Geröll und Holz wurden immer wieder in die Kurve gespült und der Steg verlandete. Der neue Steg wurde vom frisch gegründeten Verein in Freiwilligenarbeit erstellt. Seit der Jahrtausendwende wird der 120 Meter lange Steg benützt. Von den 20 verfügbaren Plätzen sind alle an Vereinsmitglieder vermietet. Es besteht sogar eine vereinsinterne Warteliste. «Es ist ein Privileg, sein Boot hier zu haben», sagt der Präsident. Im Reglement des Vereins wurde daher auch vereinbart, dass bei einem Todesfall der Anspruch auf den Platz nicht verfällt, sondern dass Familienmitglieder aus dem Verein den Platz übernehmen können. Die Aare bleibt den Mitgliedern ohne Anlageplatz aber nicht vorenthalten. So hat jedes Mitglied Zugang zur Einwasserungsrampe neben dem Bootssteg in Schinznach-Dorf. Flussaufwärts kann der Bieler-, Neuenburger- oder Murtensee erreicht werden. Flussabwärts kommt der Rhein.

In den letzten 20 Jahren ist der Verein gewachsen, inzwischen zählt er rund 80 Mitglieder im Alter von 16 bis 78 Jahren. «Wir haben keine Nachwuchsprobleme», erzählt Liechti erfreut. Die Erklärung dafür ist relativ simpel: Es gibt ganze Familien, die im BVA ihr Hobby pflegen. Das «Böötle-Gen» haben auch die Kinder von Liechti, beide sind Mitglieder im Bootsverein. Der BVA hat weder mit Nachwuchs- noch mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Durch den Steg als Immobilie erhält der BVA regelmässig Mieteinnahmen. Der Steg wird jeweils im September von den Vereinsmitgliedern gepflegt, der Weg wird neu eingekiest, das Gras gemäht und die Bäume geschnitten.

Bootsvereins Aaretal Alle Plätze am Steg sind vermietet.
7 Bilder
Bootverein Aaretal Schnappschuss von der Jubiläums-Fahrt nach Biel.
Bootverein Aaretal Übersetzen am Kraftwerk.
Bootverein Aaretal Gemeinsames Nachtessen in Biel.
Bootverein Aaretal Die Saisoneröffnung am Steg war gut besucht.
Bootsverein Aaretal Beat Liechti ist seit fünf Jahren als Präsident tätig.
Bootsverein Aaretal Der Steg in Schinznach-Dorf.

Bootsvereins Aaretal Alle Plätze am Steg sind vermietet.

Andrina Wiggli

Bis heute ist rund die Hälfte der Mitglieder aktiv in einem Fischerverein. Die Ufer sind so dicht bepflanzt, dass Fischen mit einem Boot mehr Sinn macht. Zu den Fischereivereinen besteht eine gute Freundschaft. «Wir gehen auch an die Fischessen», erzählt Liechti.

Attraktives Vereinsleben

Nicht nur das Alter der Vereinsmitglieder ist durchmischt, in beruflicher Hinsicht sind die Mitglieder genauso verschieden. So sind Handwerker und Banker gleichermassen mit dem «Bootsvirus» infiziert. «Mein Vorgänger gehört zum oberen Bankkader», erzählt Liechti, der selbstständig ist. Liechti ist seit fünf Jahren im Amt als Präsident. Er gestaltet das Vereinsleben aktiv und abwechslungsreich. Heute finden fünf bis sechs Vereinsanlässe pro Jahr statt. Die Saison wird Ende April mit einem Grillieren beim Bootssteg eröffnet, in diesem Jahr waren rund 70 Personen dabei. Die Mitglieder treffen sich auch individuell zum Brunchen oder Grillieren auf den Booten. Der Abschlusshock wird im November gemütlich in der Waldhütte durchgeführt. Der harte Kern des Vereins ist ganzjährig auf der Aare anzutreffen. «Winterpause» gehört nicht in deren Wortschatz, der Präsident gehört natürlich auch dazu. «An Silvester fahren wir jeweils bis zur Inselspitze in Auenstein und stossen auf das neue Jahr an», erzählt Liechti.

Um das 20-jährige Bestehen des Vereins zu feiern, ging es am letzten Wochenende mit den Booten bis nach Biel. «Es war ein abenteuerlicher Ausflug mit vielen Eindrücken», berichtet Liechti. In den ganzen 20 Jahren blieb der Verein stets unfallfrei – auch nach der Jubiläums-Tour sind alle wieder gesund zurückgekehrt.

Engagierter Vorstand

Die Aare bietet im Sommer eine super Abkühlungsmethode. Hochbetrieb herrscht in der warmen Jahreszeit auf der Aare aber noch lange nicht. «Es bleibt ruhig und idyllisch», erzählt Liechti. Ausser an warmen Sonntagen, da muss man sich manchmal einen Weg zwischen den vielen Schlauchbooten suchen. Obwohl er Präsident des Vereins ist, hat er noch Zeit, um zu entspannen. «Wir haben einen aktiven Vorstand, der sehr engagiert ist», berichtet Liechti stolz. Auch hier ist die Alters-Diversität sichtbar: Der 32-jährige Aktuar ist mit dem 75-jährigen Vizepräsident im Vorstand.

Ein Vorstandsmitglied wird jeweils in die Begleitkommission der Kraftwerkumbauten eingeladen, um die Interessen der Kleinschifffahrt zu vertreten. Dadurch hat der BVA die Chance, auch politisch etwas zu bewegen. Aktueller Fall ist das Kraftwerk Rupperswil. Der Kanton wurde ebenfalls auf den BVA aufmerksam. So fragt der Kanton regelmässig an für eine Zusammenarbeit. Mehrere Mitglieder des BVA sind dann mit Ingenieuren des Kantons auf dem Fluss unterwegs. Für die geplanten Arbeiten – Brücken flicken, Probebohrungen, Bestandsaufnahmen – eignen sind die offenen Boote bestens und sind sehr praktisch.