«Wir haben das schon mal gemacht», stellte Gemeindeammann Ueli Müller im vollbesetzten Saal des Zentrums Lee zum Infoanlass zur Bohrung der Nagra fest. «Es sind aber Fragen an den Gemeinderat herangetragen worden – auch durch das «Attraktive Riniken» (ARI) – welche der Gemeinderat nur zum Teil beantworten kann. Der Aufmarsch zeigt jetzt, dass der Entscheid für eine weitere Info richtig gewesen ist.»

«Der Gemeinderat hat seit je die gleiche Haltung», betonte Ueli Müller. «Er wünscht sich kein Tiefenlager in der Region. Aber er stellt sich dem Verfahren für die Standortsuche. Sicherheit ist jedoch nicht verhandelbar.» Die Behörde möchte keine Bohrung, verschliesse sich aber der Notwendigkeit nicht. Ueli Müller verwies auch auf die Einsprache des Gemeinderates, die Massnahmen gegen die Emissionen der Bohrung verlangt. Und diese Emissionen wecken in der Bevölkerung Befürchtungen. Zudem bestehen Vorbehalte zum Bohr-Standort. Das jedenfalls kam am Informationsanlass deutlich zum Ausdruck.

Bewilligung noch dieses Jahr

Stefan Jordi (Leiter regionale Partizipation im Bundesamt für Energie) orientierte über das Sachplanverfahren und den Stand des Bewilligungsverfahrens für die Sondierbohrungen, für das vor einem Jahr die Auflage stattgefunden hatte. In den nächsten Wochen würden die Einsprecher aus den Gebieten Jura Ost und Zürich Nordost die Akten einsehen und ihre Schlussbemerkungen anbringen können. Der schrittweise Erlass der Bewilligungsverfügungen werde ab Sommer 2018 erfolgen. Inhaltliche Aussagen wollte er zum laufenden Verfahren keine machen.

Im Gegensatz zu den Tiefenbohrungen, so Stefan Jordi, würden die Quartärbohrungen der Charakterisierung der Lockergesteinszone dienen. In Riniken sind die Quartärbohrungen, die auf eine Tiefe von 40 Meter abgeteuft worden sind, bereits abgeschlossen. Die Bewilligung für die Quartärbohrungen im Gebiet Roost in Untersiggenthal sei erteilt. Die Bewilligungen, für die Bohrstandorte in Gebenstorf (Brüel und Vogelsang) würden im Mai erwartet.

«Grundlagen für fairen Vergleich»

Ziel der Sondierbohrungen auch im Gebiet Jura Ost sei es, ein geologisches Modell zu erstellen, erklärte Markus Fritschi von der Geschäftsleitung der Nagra. Die Bohrungen würden dazu beitragen, die möglichen Standorte für die Tiefenlager einem fairen Vergleich unterziehen zu können. Er stellte auch fest, dass man nicht davon ausgehe, dass alle Bohrungen, für die um Bewilligung ersucht wird, auch zwingend ausgeführt würden.

Jürg Neidhardt (Senior Projektleiter Tiefenbohrkampagne Nagra) legte die Gründe dar, weshalb nach der Bohrung von 1983 (Bohrung Riniken 1) jetzt eine weitere Bohrung (Riniken 2) geplant sei. «Wir wollen optimale Daten zusammentragen», betonte er. «Mit der neuen Bohrung soll der südöstliche Teil des Perimeters von Jura Ost abgedeckt werden.»

Meinert Rahn (Leiter Geologie beim Ensi) wies darauf hin, dass neue Untersuchungsmethoden neue Daten erfordern würden. Das Ensi werde die Bohrungen begleiten. Zudem werde eine Begleitgruppe gebildet, in der Kanton und Gemeinde vertreten sind. Edith Beising (Projektleiterin Geologische Tiefenlager und Raumplanung beim BVU des Kantons) wies auf die Stellungnahme des Regierungsrates hin. Das Primat liege bei der Sicherheit, betonte sie. Der Entscheid für ein allfälliges Tiefenlager müsse für den Kanton nachvollziehbar sein.

«Blankocheck für die Nagra»

Mit der Bewilligung für die Bohrung erhalte die Nagra einen Blankocheck wurde aus dem Publikum moniert. «Hat der Souverän nicht das Recht zu intervenieren, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben?», fragte der Votant und spielte auf die nicht abschliessend definierte Zahl der Bohrungen oder auch das ausstehende Lärmgutachten an. Dem hielt Markus Fritschi entgegen, dass man sich eine gewisse Flexibilität bewahren und den allfälligen Vorwurf einer «Salamitaktik» ersparen möchte. Auf die Fragen zu den Emissionen versicherten die Vertreter der Nagra, dass die Bestimmungen der Lärmschutzverordnung eingehalten würden. Gegenüber der ARI betonte Markus Fritschi mehrmals die Bereitschaft der Nagra zum Gespräch.