Bözberg/Effingen
Rettung Sagimülitäli: «Es ist nicht das Ende eines Bauwerks, sondern der Anfang eines Naturparks»

Aus Freude über die Rettung des Naturjuwels haben damals involvierte Persönlichkeiten nun zwischen Linn und Gallenkirch eine neue Stätte der Erinnerung eingeweiht. Warum sich der Autobahnbau zwischen Frick und Birrfeld für das Täli später auch als Glücksfall entpuppte.

Claudia Meier
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Einweihung der Stätte der Erinnerung mit (v. l.) Landammann Stephan Attiger, Gemeindeammann Therese Brändli von Bözberg, Geschäftsleiterin Christine Neff vom Jurapark Aargau und alt Baudirektor Ulrich Siegrist.

Einweihung der Stätte der Erinnerung mit (v. l.) Landammann Stephan Attiger, Gemeindeammann Therese Brändli von Bözberg, Geschäftsleiterin Christine Neff vom Jurapark Aargau und alt Baudirektor Ulrich Siegrist.

Claudia Meier
(19. Oktober 2021)

Es war ein fröhliches Wiedersehen am Dienstagabend beim neuen Rastplatz auf dem Bözberg. Ein Vierteljahrhundert nach der Eröffnung der N3 und des Bözbergtunnels kamen damals involvierte und engagierte Persönlichkeiten zusammen, um eine neue Stätte der Erinnerung zur Sagimülitäli-Rettung einzuweihen.

Gemeindeammann Therese Brändli von Bözberg bei ihrer Ansprache.

Gemeindeammann Therese Brändli von Bözberg bei ihrer Ansprache.

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Gemeindeammann Therese Brändli von Bözberg sagte, dass der Nutzen und Mehrwert für Mensch und Natur heute offensichtlich seien. Sie dankte allen, die es möglich machten, dass die Autobahn nicht ­– wie ursprünglich geplant – über das Land zwischen Linn und Gallenkirch führte.

Gar von einem historischen Anlass sprach Landammann Stephan Attiger. Er weihe zum ersten Mal eine Stätte für etwas ein, das nicht stattgefunden habe, sagte der Vorsteher des Baudepartements mit einem Schmunzeln.

Landammann Stephan Attiger ist Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt.

Landammann Stephan Attiger ist Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt.

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Man könne sich jedoch auch nicht vorstellen, wie es wäre, wenn die Autobahnlücke nicht geschlossen worden wäre. Aus der Rettung des Sagimülitälis habe man Lehren ziehen können. Attiger betonte:

«Die Mitwirkung von Leuten aus der Region ist wichtig.»

Die gelte es entsprechend aufzunehmen, um die Projekte zu verbessern. Heutzutage seien Tunnels schon fast Standard, sogar bei Ortsumfahrungen. Der Baudirektor verwies auf die wunderbare Landschaft, die nun das Herzstück des Juraparks Aargau bildet. Sehr dankbar sei er zudem für die Weitsicht und die Hartnäckigkeit des damaligen Baudirektors Ulrich Siegrist, sagte Attiger.

Auch viele Aargauer kannten das Sagimülitäli damals nicht

Unter den Gästen waren neben Ulrich Siegrist auch die ehemaligen Regierungsräte Peter C. Beyeler und Silvio Bircher. Letztgenannter war Landammann, als der Bözberg-Autobahntunnel 1996 eingeweiht wurde.

Unter den Gästen sind Juraprk-Vertreter, ehemalige Regierungsräte und Projektbeteiligte.

Unter den Gästen sind Juraprk-Vertreter, ehemalige Regierungsräte und Projektbeteiligte.

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Mit zahlreichen Anekdoten gespickt erinnerte Ulrich Siegrist daran, dass damals nicht nur der Bundesrat, sondern auch viele Aargauer (Grossräte) das Sagimülitäli nicht kannten. Höchstpersönlich habe er damals bei Bundesrat Leon Schlumpf in Bern vorgesprochen, um ihn über die Bedeutung dieses Naturjuwels zu in-formieren.

Alt Regierungsrat Ulrich Siegrist setzte sich als Baudirektor mit grosser Leidenschaft für das Sagimülitäli ein.

Alt Regierungsrat Ulrich Siegrist setzte sich als Baudirektor mit grosser Leidenschaft für das Sagimülitäli ein.

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Eines Tages soll sich dann Schlumpf tatsächlich selbst ein Bild vor Ort gemacht haben. Danach sei alles sehr schnell gegangen und das Sagimülitäli sei kein Gegenstand der Einsprachen mehr gewesen. «Es ist nicht das Ende eines Bauwerks, sondern der Anfang eines Naturparks», rief Siegrist in Erinnerung.

Das Gebiet im und um das Sagimülitäli präsentiere sich heute als Jurapark im Kleinformat mit vielen Anknüpfungsprojekten zu den Projekten des regionalen Naturparks, sagte Geschäftsleiterin Christine Neff vom Jurapark Aargau. Die altehrwürdige Linde biete einen idealen Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise.

Geschäftsleiterin Christine Neff vom Jurapark Aargau hat ihren Arbeitsplatz in Linn.

Geschäftsleiterin Christine Neff vom Jurapark Aargau hat ihren Arbeitsplatz in Linn.

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Neff hob Trockenwiesen und Amphibiengebiete von nationaler Bedeutung hervor, die Hochstammbaum-Pflege, das Wildrosenförderprojekt sowie den kleinen Wasserfall, der im Aargau der grösste ist.

Das Autobahnprojekt hat sich als Glücksfall entpuppt

Dass die erwähnten Lebensräume noch in dieser Ausprägung vorhanden seien und gepflegt werden, habe auch mit dem Autobahnprojekt zu tun, betonte Christine Neff. «Viele Flächen sind im Eigentum des Kantons und der Unterhalt ist entsprechend gewährleistet. Er hatte die verschiedenen Parzellen damals vorsorglich erworben, was sich nun als Glücksfall entpuppt.»

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