Bözberg
Mit negativen Folgen: Wenn im Wald die Praxis von der Theorie abweicht

Flächenhiebe und rüder Maschineneinsatz beschäftigen weiterhin: Der Verein Pro Bözberg hat 40 Teilnehmende auf einer Exkursion an Beispielen vor Ort zum Thema Waldbewirtschaftung informiert.

Dieter Minder
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Theo Sonderegger (r.) informiert über den Flächenhieb Uelbach/Homberg. Der einzelne Baum zeigt, wie gross der Wald vor dem Hieb war.

Theo Sonderegger (r.) informiert über den Flächenhieb Uelbach/Homberg. Der einzelne Baum zeigt, wie gross der Wald vor dem Hieb war.

Dieter Minder

Für die Waldwirtschaft in der Schweiz und auf dem Bözberg hat Jürg Keller nicht gerade sehr viel Lob übrig: «Die aktuelle Bewirtschaftung folgt blind einer Mode, die sich weder von der Ökonomie noch von der Ökologie beeindrucken lässt.»

Der in Rheinfelden wohnhafte Keller ist in Umiken aufgewachsen, verbrachte aber viel Zeit auf dem Bauernhof der Familie in Ursprung, kennt also das Hochplateau. Er ist Biophysiker, war als Agrobiologe tätig und Rektor des Gymnasiums Muttenz. Er referierte am Informationsanlass der Pro Bözberg, zu der rund 40 Personen gekommen waren. Bei Rundgängen wurden den Besucherinnen und Besuchern Beispiele für das kritisierte Vorgehen der Förster gezeigt. Witterungsbedingt fanden die Referate unter Zeltblachen im Binzacher statt.

Rodungen und Wegbau gefährden Inventarobjekte

Eingangs des Anlasses erläuterte Präsident Otto Suhner von Pro Bözberg die verschiedenen Schutzvorgaben für den Wald. Da ist die Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (VBLN). Als mögliche Gefährdungen für die Inventarobjekte gelten Rodungen, Aufforstungen, Waldrandbegradigungen, Waldwegbau oder kahlschlagähnliche Nutzungsschläge.

Otto Suhner begrüsst unter den Blachen die Gäste des Rundgangs.

Otto Suhner begrüsst unter den Blachen die Gäste des Rundgangs.

Dieter Minder

Auf aargauischer Ebene gibt es die Landschaften von kantonaler Bedeutung (LKB). Darin wird unter anderem festgehalten: «Die Schönheiten und Eigenarten der Landschaft sind zu bewahren.» Spezifisch zum Wald gilt: Der Wald dient der Holznutzung, als Erholungsraum und als Naturraum. «Er ist somit integraler Bestandteil der schützenswerten Landschaft.» Für den Bözberg gelten zudem die Regeln des Juraparks. All die Sorgfaltsvorgaben werden nur bedingt eingehalten, wie Pro Bözberg feststellte.

Bäume werden vor ihrem Altersstadium gefällt

«Im Prinzip haben wir gute Waldgesetze, aber diese werden nur unzureichend kontrolliert», sagte Jürg Keller. Der heutige Wald sei kein naturnaher Wald mehr, sondern ein Försterwald. Flächenhiebe führen zu Plantagenbetrieben, die sich nur auf die Holzproduktion konzen­trierten. Die Bäume würden deutlich vor ihrem Altersstadium gefällt. Die Arbeiten werden meist mit grossen Maschinen durchgeführt, was den Boden verdichtet und damit schädigt.

Jürg Keller informiert über die Waldwirtschaft.

Jürg Keller informiert über die Waldwirtschaft.

Dieter Minder

Was die Folge solcher Einsätze sind, zeigte der Verein Pro Bözberg am Informationsanlass auch in seiner ausführlichen Dokumentation. Die Politik verhalte sich, so Keller, passiv, anstatt die Vorschriften durchzusetzen. Sie gehe beim Wald den Subventionsweg nach dem Vorbild der Landwirtschaft.

Kostendruck wird auf Forstbetriebe abgewälzt

Ein grosser Teil des Walds im Kanton Aargau gehört den Ortsbürgergemeinden. Der Forstbetrieb ist bei vielen der dominierende Teil der Jahresrechnungen. Sie soll möglichst positiv, aber zumindest ausgeglichen schliessen. Der dadurch entstehende Kostendruck wird auf die Forstbetriebe abgewälzt, was zu negativen Folgen führen kann. Die Forstbetriebe hätten nur noch die Aufgabe, den Eigentümern schwarze Zahlen zu liefern.

Um Gegensteuer zu geben, erwartet Pro Bözberg «von den zuständigen kantonalen und Gemeindebehörden eine zielgerichtete Intervention bei entsprechenden Waldbesitzern und den zuständigen Forstverwaltungen, diese Art der Flächenhiebe verbunden mit rüdem Maschineneinsatz zu unterbinden».

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