Villnachern
Blues-Hexenmeister Philipp Gerber jagte in der Badi seine Riffs in die Menge

Die Mittwochsmusig-Saison 2013 geht dem Finale entgegen. Das drittletzte Konzert mit dem Bluesrock-Hexenmeister Philipp «Bluedög» Gerber war virtuos und lebte von spontanen Momenten, wie sie nur im intimen Rahmen der Badi Villnachern entstehen.

Ursula Burgherr
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Blueshexenmeister Philipp Gerber (Mitte), Bassist Jean-Claude Wirth und Schlagzeuger Freddy Steady in Aktion.

Blueshexenmeister Philipp Gerber (Mitte), Bassist Jean-Claude Wirth und Schlagzeuger Freddy Steady in Aktion.

Ursula Burgherr

Der Star des Abends kam aus Solothurn, hatte von Villnachern noch nie etwas gehört und spielte das erste Mal in einer Badi. «Das ist ja traumhaft hier», meinte Philipp Gerber vor seinem Auftritt mit Bassist Jean-Claude Wirth und Drummer Freddy Steady begeistert.

Der Kahlkopf mit dem langen Bart hat sich mit seiner Hardcore Bluesband im In- und Ausland einen Namen gemacht. Das Trio, in dem er an der Mittwochsmusig auftrat, besteht erst seit einem Dreivierteljahr.

Die «Mannen» mit langjähriger Konzerterfahrung haben sich dem rauen, erdigen Bluesrock verschrieben mit einer unverkennbaren Leidenschaft für die 70er-Jahre.

«Ich mache seit über vier Jahrzehnten Musik und habe erst jetzt das Gefühl, wirklich zu spielen», meinte Steady, der mit Krokus und Gianna Nannini schon auf den grössten Bühnen der Welt hinter den Drums sass, «diese Musik hat ganz viel Seele!» Und er versprach nicht zu viel.

Vom ersten Song an hatten die Drei das Publikum in der Tasche. Beim zweiten Lied stand Gerber bereits auf den Tischen der Zuhörer und liess seine Gitarre jaulen. Er liebkoste und quälte das Instrument; entlockte ihm aufwühlende Klänge, die zusammen mit seiner rauchigen Stimme und den treibenden Rhythmen von Schlagzeug und Bass mitten in den Solarplexus zielten.

Das ganze Programm lebte von Improvisationen. Oft zeigten sich die Musiker selber überrascht über die gegenseitigen Inputs – und strahlten. Mit ihrer Spielfreude steckten sie die Gästeschar an, die sich von Eigenkompositionen wie «True Tube Boogie» und «I’m still going wild» mitreissen liess.

«Ihr seit hueregeil», rief Gerber immer wieder und jagte die nächsten Riffs in die Menge.

Als Supplement traktierte er die Saiten mit einem Vibrator und forderte Mittwochsmusig-Drahtzieher Robbie Caruso zum Mitspielen auf. Diesem war es mit Philipp «Bluedög» Gerber einmal mehr gelungen eine musikalische Perle nach Villnachern zu bringen.

Mit zehn wunderbaren Konzerten (ohne Eintritt, es gibt eine Kollekte) wird die Mittwochsmusig-Saison 2013 in die Geschichte eingehen. Bei der Show von Marc Sway platze die Lokalität mit 500 Besuchern aus allen Nähten. Ein Highlight war US-Sängerin Lisa Dolby – für viele eine Newcomerin – mit magischer Bühnenpräsenz und hühnerhauterzeugenden Stimme.

Die intime Atmosphäre der kleinen Badi mit Strandbar, die Caruso auf der Bühne als «grössten Kiosk zwischen Göteborg und Kalabrien» bezeichnete, wird trotz den Auftritten grandioser Künstler beibehalten. Denn diese Kombination ist unvergleichlich und macht die spezielle Stimmung aus. Das soll auch 2014 so bleiben.

Die letzten beiden Konzerte der Mittwochsmusig 2013 finden am 28. August und am 11. September statt.

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