Wie wohl keine zweite Religion steht der Islam aktuell im Fokus. Was passiert in Moscheen? Was wird dort gepredigt? Hass gegen westliche Werte? Die Unterdrückung der Frau? In Brugg öffnete sich am Samstag die Moschee auch für Nicht-Muslime. Diese konnten die fremden Rituale kennen lernen, Hintergründe erfahren und mit den örtlichen Vertretern bei Tee und Kuchen ins Gespräch kommen.

Nachdem sie zuvor in Umiken zu Hause gewesen seien, betreibt der Brugger Ableger des Verbands der islamischen Kulturzentren seit 2012 an der Aarauerstrasse eine eigene Moschee, übernommen von einer bosnischen Gemeinde. Und ist mit dem Platzangebot – in Umiken waren es nur 40 Quadratmeter – glücklich. Türken, Albaner und Gläubige aus arabischen Staaten kommen dorthin, um zu beten. Streng genommen fünfmal pro Tag. So schreibt es der Koran vor. Die Gebete müssen nicht unbedingt in der Moschee verrichtet werden, dazu reicht ein sauberer Ort. «Im muslimischen Glauben erfährt das Gemeinschaftsgebet jedoch eine besonders hohe Wertschätzung», sagt Vorstandsmitglied Hüseyin Gürsoy.

«Aufs Gebet konzentrieren»

Die Besucher erfahren, dass der Imam, am Samstag war es Ismail Sey aus Albanien, erst bei mindestens drei Betenden mitmacht. Das sei unter der Woche selten, am Freitag aber, vergleichbar mit dem Sonntag für die Christen, sei die Moschee immer voll. Dann kämen sie aus der gesamten Region nach Brugg. Während sich Jungen und Männer im Erdgeschoss versammeln und in Richtung Mekka orientieren, beten die Frauen und Mädchen separat ein Stockwerk darüber. Erhan Gürsoy, Hüseyins Sohn, hier aufgewachsen und in der Schweiz und Deutschland ausgebildeter Imam: «Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun. Zusammen in einem Raum mit Frauen kann sich ein Mann einfach nicht auf das Gebet konzentrieren.»

Erhan Gürsoy erklärt weiter, dass der Islam weit mehr sei als nur Religion. Er bilde auch einen Verhaltenskodex. Dass man zum Beispiel nicht im Stehen trinken und essen soll. Dass Reinlichkeit das oberste Gebot ist. Dass sich Männer in der Moschee von den Knien bis zum Bauchnabel bedecken müssen, Frauen aber vom Fussknöchel bis zum Hals.

Zwei Schweizer als Brückenbauer

Die Brugger Moschee hat weder Minarett noch Halbmond. Das zweigeschossige, gemietete Gebäude ist unscheinbar und kaum als muslimisches Gotteshaus auszumachen. Ist das der Grund, weshalb die Zahl der nichtmuslimischen Besucher am Tag der offenen Moschee überschaubar bleibt? Fehmi Yildiz, ebenfalls im Vorstand des Brugger Trägervereins, widerspricht: «Mit der Lage hat das nichts zu tun, das geringe Interesse spüren wir auch an den anderen Moschee-Standorten im Aargau.» Das Interesse sei in den letzten Jahren eher gering gewesen, bestätigt eine Bruggerin, die als Schweizerin mit ihrem Mann zum Islam konvertiert ist.

Beide sollen schon allein der Sprache wegen Brücken zur nicht-muslimischen Welt bauen. Der eine oder andere Besucher findet am Samstag doch den Weg in die Brugger Moschee – mit kritischen Fragen. «Was macht ihr, wenn bei euch einer mit radikalen Ansichten kommt?» Die Antwort: «Bis jetzt ist das nicht vorgekommen, aber wenn doch, würden wir sicher etwas dagegen unternehmen.»