Windisch

Bis zur Gotthard-Trilogie wars ein steiniger Weg

«Es lohnt sich, dranzubleiben», gab Buchautor und Verleger Rolf Jeker seinen Zuhörern mit auf den Weg.

«Es lohnt sich, dranzubleiben», gab Buchautor und Verleger Rolf Jeker seinen Zuhörern mit auf den Weg.

Rolf Jeker (74) musste einige Hürden überwinden, um sein Buch über den Bau des Gotthard-Basistunnels zu verwirklichen. In einem Vortrag im Diesellokal erzählte er darüber.

Fast 17 Jahre nach dem Tunnelanstich wird in etwas mehr als einer Woche der Gotthard-Basistunnel feierlich eröffnet. Mit dabei: Rolf Jeker, ein Mann aus Windisch. Sein Werk, eine Buch-Trilogie zum Bau dieses mit 57 Kilometer längsten Eisenbahn-Tunnels der Welt, wird an der Feier am 1. Juni den geladenen Gästen überreicht, darunter Polit-Promis wie Angela Merkel oder François Hollande.

Im Diesellokal im Kunz-Areal in Unterwindisch, unweit von seiner Wohnung entfernt, erzählte Rolf Jeker über sein Buch und über die vielen Hindernisse, die er überwinden musste, bis dieses zustande kam.

Enkelin als Inspirationsquelle

Die Idee zur Trilogie hatte er am 4. November 1999. Rolf Jeker sah im TV den Bericht über den Spatenstich des Gotthard-Basistunnels. Er war gerade Grossvater geworden und stellte sich vor, wie er einst, wenn der Tunnel fertig gebaut ist, mit seiner dann jugendlichen Enkelin in nur zweieinhalb Stunden mit dem Zug nach Mailand fahren würde. «Und sie wird zum Tunnel Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann», dachte er sich. «Als ich zum dritten Mal durch den Kanaltunnel nach England reiste, war dies bereits Alltag.» Beim Schweizer Jahrhundertbauwerk wollte er verhindern, dass der Weg dieses Bauwerks in Vergessenheit geraten und der Tunnel als selbstverständlich betrachtet wird.

«Ich habe mir also gesagt: Ich muss diesen Bau publizistisch begleiten», erzählt Rolf Jeker. Der Journalist nahm Kontakt auf mit dem damaligen Vorsitzenden der Alp Transit Gotthard AG, Peter Zbinden, zu dem später eine Freundschaft entstand. Ihm sei es zu verdanken, dass das Buchprojekt in Bundesbern nicht nach drei Monaten Arbeit bachab geschickt wurde. «Alles, was die Beamten versichert haben wollten, war, dass auch sie mit einem Bild im Buch erscheinen würden», sagt Rolf Jeker scherzend dazu. Apropos Foto: Moritz Leuenberger wollte auf keinen Fall neu fotografiert werden. Nur seine offiziellen Pressebilder sollten benützt werden, etwas anderes käme nicht infrage. «Ich musste ihn überzeugen, dass sein Wunsch nicht mit meinem Konzept übereinstimmt.»

Solche Hintergründe offenbarte Rolf Jeker in seinem Vortrag – und das Publikum staunte, lachte oder empörte sich. Letzteres zum Beispiel dann, als er von seinem Streit mit dem Verlag erzählte, der Druck und Vertrieb übernahm. 2002 brachte dieser den ersten Band der Trilogie heraus mit dem Namen «Die Zukunft beginnt». Die Bücher verkauften sich gut, «doch der Verlag weigerte sich, mit mir abzurechnen und die italienische Fassung zu produzieren», sagt Jeker. «Ich machte die italienische Fassung dann selber, obwohl ich kein Italienisch konnte.» Die Folge war ein langjähriger juristischer Streit.

Mit Willenskraft und Herzblut

Heute besitzt Rolf Jeker die Rechte für den ersten Band der Trilogie, der 2012 in einer überarbeiteten Auflage bei einem neuen Verlag erschien. Auch dazu offenbarte er Anekdoten: 2007 übernahm Renzo Simoni die Geschäftsleitung der Alp Transit von Peter Zbinden. «Auf seinen Wunsch wurde mit meinem Inhalt eine Neuauflage des ersten Bands produziert. So kam der neue Chef zu seinem Vorwortsauftritt», erzählt er. Später erschien Band zwei. Der dritte Teil feiert am 1. Juni mit dem Tunnel Premiere.

Rolf Jeker bezeichnet die Arbeit zu seinem Buch als einen «sehr steinigen Weg mit Höhen und Tiefen». Der Überzeugungskampf mit den Behörden, die Finanzierung des Buchs und der Knatsch mit dem ersten Verlag sei nur mit viel Willenskraft und Herzblut möglich gewesen – ähnlich wie der Tunnelbau selber, an dem über 2500 Mitarbeitende tätig waren und den 13 Arbeiter mit dem Leben bezahlten. In Band zwei der Trilogie werden diese auf den ersten Seiten mit Namen aufgeführt.

Am Ende des Vortrags gab Rolf Jeker seinen Zuhörern noch einen Tipp: «Wir waren alle schon in einer Situation, in der wir fast verzweifelten. Ich sage euch: Wenn man an die Sache glaubt, lohnt es sich, dranzubleiben.»

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