Brugg

Bis zum Jahr 2025 braucht es in dieser Region 200 neue Pflegeplätze

Die Pflege im Alter ist ein Thema, das vielen unter den Nägeln brennt.

Die Pflege im Alter ist ein Thema, das vielen unter den Nägeln brennt.

Die Diskussionsrunde von «region brugg jetzt» wirft Fragen zu alternativen und bezahlbaren Wohnformen für Senioren auf und thematisiert eine bessere Koordination in Sachen Kostenregulierung zwischen Kanton und Gemeinden.

Fragen rund um die Lebensgestaltung im Alter bewegen offenbar viele Menschen, was sich auch am Grossaufmarsch zur jüngsten Veranstaltung des überparteilichen Vereins «region brugg jetzt» im Brugger Salzhaus zeigte. Rund 250 Personen verfolgten die Ausführungen der Podiumsteilnehmer zum Thema «Wo lassen wir uns im Alter pflegen?».

Aufgrund der demografischen Entwicklung rechnen offizielle Stellen damit, dass im Kanton Aargau der heutige Bestand von 6000 Pflegeheimplätzen bis ins Jahr 2025 um gegen einen Drittel erhöht werden muss. Dies würde allein für die Region Brugg-Eigenamt die Schaffung von rund 200 neuen Pflegeplätzen bedeuten – eine grosse Herausforderung für die in Sachen Infrastruktur verantwortlichen Gemeinden. Der Bedarf hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Genaue Prognosen sind kaum zu stellen.

Ältere Paare haben andere Bedürfnisse

In seinem einleitenden Referat präsentierte der Horgener Soziologe-Professor François Höpflinger statistisch belegte Fakten, welche relevante Veränderungen in der Demografie der Schweiz aufzeigen. Bekanntlich steigt die Lebenserwartung der Menschen in unserem Land kontinuierlich, und so gibt es zum Beispiel auch mehr ältere Paare, welche andere Bedürfnisse in Bezug auf das Wohnumfeld haben als Einzelpersonen.

«Für intensiver pflegebedürftige Senioren braucht es professionell betriebene stationäre Einrichtungen. Andererseits führt gezielte Gesundheitsförderung zu weniger Pflegebedarf und geringeren Kosten. Viele Senioren möchten in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Hindernisfreie Wohnungen erlauben in solchen Fällen eine längere ambulante Hilfe und Pflege zu Hause. Betreutes Wohnen hat zweifellos Zukunft», so das Fazit des renommierten Altersforschers und Autors.

Grosse Diskussionsrunde

Die nachfolgende Podiumsdiskussion unter der Leitung von Monika Merki Frey zeigte die Palette vom voll selbstständigen Leben im Alter über Möglichkeiten wie Angehörigenpflege, Nachbarschaftshilfe, Spitex, betreutes Wohnen bis hin zum Aufenthalt im Pflegeheim auf. Die Podiumsteilnehmer Karsten Bugmann, Präsident der Spitex Region Brugg AG; Hans Bürge, Leiter Stiftung Gesundheit Region Brugg; Nationalrätin Ruth Humbel Näf; Urs Niffeler, stellvertretender Leiter Gesundheitsversorgung, Departement Gesundheit und Soziales Kanton Aargau; Guido Reber, Verwaltungsratspräsident Sensato AG (Begleitung des Alters- und Pflegeheims Sanavita AG in Windisch); und Grossrätin Martina Sigg waren sich generell darin einig, dass ambulante Betreuung vor stationärer Pflege stehen müsse.

Adäquate Alternativen fehlen oft

Hans Bürge zeigte sich jedoch überzeugt, dass der geplante Pflegeheim-Neubau in Brugg trotzdem einem Bedürfnis entspreche und nicht zu einer Überkapazität an Pflegebetten in der Region führe. Guido Reber erwähnte die Wichtigkeit der zentralen Lage für das Wohnen und Leben im Alter. Karsten Bugmann wies auf die zunehmende Bedeutung und Beanspruchung der Spitex auch in unserer Region hin.

Martina Sigg regte bezüglich der Regulierung der Kostenfrage eine bessere Koordination zwischen Kanton und Gemeinden an und setzte sich dafür ein, dass mit der Beseitigung von Stolpersteinen noch verstärkt dafür gesorgt werden sollte, dass es den Senioren zu Hause wohl ist. Ruth Humbel Näf wies darauf hin, dass viele Betagte auch deshalb möglichst lange in ihrem eigenen Haus bleiben möchten, weil sie kaum eine adäquate, respektive ähnlich günstige Wohnform finden würden. Urs Niffeler betonte, der Kanton trage mit Ergänzungsleistungen und Hilflosenentschädigungen wesentlich zur Finanzierung des Lebens im Alter bei.

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