Über eine Woche ist vergangen: Ein Familienvater aus Brugg bleibt verschwunden. Der 54-Jährige hat seinen Wohnsitz am 5. Februar verlassen und wollte laut den Schilderungen seiner Angehörigen eine Person in der Nähe besuchen. Dort kam er aber nie an. Neue Erkenntnisse lagen der Kantonspolizei Aargau auch am Freitagabend nicht vor.

Für diese gehören Vermisstmeldungen zum Alltag. Laut Mediensprecher Bernhard Graser tauchen die Vermissten meistens innerhalb von bis zu zwei Tagen wieder auf. Es gibt allerdings andere Fälle: Für Aufsehen sorgte in der Region derjenige von Markus Staudenmann, der im April 2009 seinen Wohnort Windisch verliess und angab, mit dem Zug nach Zürich fahren zu wollen – und verschwand. Verwandte des Fachhochschuldozenten halfen bei der Suche, fuhren nach Zürich und brachten im Hauptbahnhof Flugblätter an. Bei der Polizei gingen auf die Vermisstmeldung nur wenige Hinweise ein. Eine konkrete Spur, so war in den Zeitungsartikeln zu lesen, gab es nicht.

Im Mai 2014 erschien im Amtsblatt ein Aufruf des Bezirksgerichts Brugg betreffend Verschollenerklärung. Angesetzt wurde eine Frist bis 16. Mai dieses Jahres, innert der das Bezirksgericht Meldungen zum verschwundenen Markus Staudenmann entgegennimmt. Gehen innert dieser Frist keine Hinweise ein, so wird er als verschollen erklärt gemäss Artikel 38 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches.

Bei einer Verschollenerklärung handle es sich um ein langes Verfahren, das Jahre dauern könne, sagt Gabriele Kerkhoven, Gerichtspräsidentin in Brugg, und verweist auf die rechtliche Situation. Laut Gesetz ist klar: Ist der Tod einer gesuchten Person höchst wahrscheinlich, kann das Gericht diese für verschollen erklären – und zwar auf ein Gesuch derer, «die aus ihrem Tode Rechte ableiten». Dies kann unter anderem also ein Ehepartner sein, erklärt Gerichtspräsidentin Kerkhoven. Eingereicht werden kann das Gesuch nach mindestens einem Jahr nach der Todesgefahr oder sonst nach fünf Jahren seit der letzten Nachricht. Alle, die Hinweise über den Verschwundenen oder Abwesenden machen können, werden dann vom Gericht öffentlich aufgefordert, sich innert einer Frist von mindestens einem Jahr zu melden.

Treffen während der angesetzten Frist keine Meldungen ein, so wird der Verschwundene oder Abwesende für verschollen erklärt. Es können gemäss Zivilgesetzbuch «die aus seinem Tode abgeleiteten Rechte geltend gemacht werden, wie wenn der Tod bewiesen wäre». Die Verschollenerklärung löst die Ehe auf. (mhu)

Nachtrag: Der Leichnam des Vermissten aus Brugg wurde Mitte April in der Aare gefunden.