Birr/Lupfig
Beim neuen Werkhof entsteht ein regelrechtes Energiekraftwerk

Der Wärmeverbund Naturenergie Eigenamt in Birr und Lupfig wird konkret und soll auf die Heizsaison 2023 bereit sein.

Michael Hunziker
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Die Energieversorgerin IBB – hier der Geschäftssitz in Brugg – realisiert den Wärmeverbund.

Die Energieversorgerin IBB – hier der Geschäftssitz in Brugg – realisiert den Wärmeverbund.

mhu

Heimische Holzschnitzel liefern wohlige Wärme in Birr und Lupfig: Geplant ist ein Wärmeverbund Naturenergie Eigenamt. Realisiert werden soll eine Heizzentrale sowie ein Verteilnetz mit Leitungen zu den Haushalten. An einem – rege besuchten – Informationsanlass im vergangenen Herbst hat die Brugger Energieversorgerin IBB das Projekt vorgestellt.

Die Planung ist mittlerweile vorangeschritten, weitere Details sind geklärt. Das Interesse sei sehr gross, stellt die IBB auf Nachfrage fest. Es seien viele positive Rückmeldungen eingegangen. Erfreut ist die Energieversorgerin darüber, dass die Bevölkerung von Birr und Lupfig offen ist für das Vorhaben und aktiv mitwirkt. Auch Unternehmen setzen vermehrt auf CO2-neutrale Energie und suchen das Gespräch mit der IBB.

Die Anzahl der Anschlüsse ist noch nicht klar

Wie viele Kunden bereits gewonnen werden konnten, lässt sich noch nicht genau beantworten, heisst es auf Nachfrage. «Die definitive Anzahl der Anschlüsse wird erst mit der Unterzeichnung der Verträge klar.» Gerechnet wird zum aktuellen Zeitpunkt aber mit einer hohen Anschlussbereitschaft von bis zu 70 Prozent von Kundinnen und Kunden mit mittlerem und grossem Wärmebedarf. Die IBB nennt eine der Herausforderungen:

«Damit ein Fernwärmeverbund korrekt dimensioniert, detailliert geplant und langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann, braucht es eine verbindliche Anzahl Anschlüsse. Die Eigentümerinnen und Eigentümer können aber den Entscheid, dem Verbund beizutreten, erst fällen, wenn eine verbindliche Offerte respektive Vertragsgrundlage vorliegt.»

Ausserdem werde mit dem Projekt ein ambitionierter Zeitplan verfolgt. Die ersten Kundenverträge sollen ab Herbst abgeschlossen werden. Dann ist auch die Baueingabe für die Heizzentrale vorgesehen. Im Frühjahr 2022 sollen die Ausschreibung und die Auftragsvergabe für die Heizungszentrale und das Leitungsnetz erfolgen.

Heizzentrale wird versehen mit einer Fotovoltaikanlage

Realisiert wird die Heizzentrale beim Standort des neuen Werkhofs Birrfeld von Birr und Lupfig im Gewerbegebiet Bachtele. Sie liefert die erneuerbare Wärme für die Raumheizung und das Warmwasser. Verwendet für die Heizkessel wird das Holz aus dem Forstbetrieb Birr-Lupfig.

Definiert worden ist, dass die Heizzentrale mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach sowie an der Süd- und Westfassade versehen werden soll. Die weiteren Fassadenflächen des Gebäudes, lautet die Absicht, werden mit Holz aus dem einheimischen Forst verkleidet.

Das Verteilnetz kann etappenweise erweitert werden.

Das Verteilnetz kann etappenweise erweitert werden.

zvg

Das neue Verteilnetz im Zentrum der beiden Gemeinden Birr und Lupfig bringt die Wärme über isolierte, erdverlegte Fernleitungen zu den Haushalten. Erweiterungen können etappenweise umgesetzt werden. Über einen Wärmetauscher gelangt die Wärmeenergie schliesslich in die Häuser.

Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen

Kurz: «Das Projekt schreitet planmässig voran», führt die IBB aus. «Wir rechnen mit dem Baustart im zweiten Quartal 2022 und der Aufnahme der Wärmeversorgung ab Beginn der Heizsaison 2023.»

Für die IBB liegen die Vorteile des Projekts auf der Hand. Genannt werden als Stichworte die lokale Wertschöpfung – mit den Holzschnitzeln aus der Region – sowie die Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes. Denn die fast vollständig CO2-neutrale Wärmeproduktion leiste einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen.

Die Kunden ihrerseits, fügt die IBB an, erhalten ein Komplettpaket inklusive 24-Stunden-Service und hoher Versorgungssicherheit. Die Wärmekosten seien sowohl attraktiv als auch langfristig stabil.