Birr
Birrer Schüler sind sich einig: Reale Freunde sind das Wichtigste

Wie schütze ich meine Privatsphäre auf Facebook und Co.? Und ab wann spricht man von Sucht? In der Schule Birr wurden diese und andere Fragen in zwei Medienkursen der Swisscom für Jugendliche und Erwachsene geklärt.

Barbara Scherer
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Der Kursleiter chattet als evi15
8 Bilder
Die Schüler können testen ob sie süchtig nach Internet oder Computerspielen sind
Die Schüler schätzen ihren Medienkonsum ein
Für manche Eltern war der Anlass eine Schocktherapie
Medienkurs in Birr
Manch einer würde auch mehr Zeit vor dem Computer verbringen wenn er könnte
Nicht jeder möchte seine Bilder mit 900 Millionen anderen Facebookbenutzern teilen
Schüler lernen wie sie ihre Privatsphäre auf Facebook schützen können

Der Kursleiter chattet als evi15

Barbara Scherer

Facebook, Twitter und MSN Messenger sind für die Jugendlichen und Kinder von heute nicht mehr wegzudenken. Deshalb hat die Schule Birr am Dienstag zwei Medienkurse für Oberstufenschüler und Eltern veranstaltet. Dabei klärte eine Fachperson von der Swisscom am Nachmittag die Schüler über Sicherheit in sozialen Netzwerken auf. Am Abend wurden die Eltern in einer zweiten Veranstaltung mit der online Welt ihrer Kinder vertraut gemacht.

Facebook hat fast jeder

«Wie viele von Euch haben Facebook?», mit dieser Frage startete Romina Babuin, Kursleiterin des Medienkurses für Jugendliche. Alle Schüler ausser einer der Oberstufenklasse streckten die Hände in die Höhe. Schliesslich sei Facebook mit rund 900 Millionen Benutzern das drittgrösste Land der Erde. Deshalb frage sich, ob man allen Bewohnern seine privaten Fotos zeigen wolle, oder ob man diese doch lieber nur mit seinen Freunden teile.

Wie genau man seine Privatsphäre schützt, wurde den Jugendlichen im Kurs gezeigt. Denn, dass ein Drittel der Facebook-Benutzer über dreissig Jahre alt ist, war für eine Schülerin ein Schock. Sie hatte erwartet, dass die meisten auf Facebook unter zwanzig seien. Auch wussten die meisten nicht, dass man einzelne Personen blockieren kann oder Inhalte mit unterschiedlichen Gruppen teilen kann.

Ebenfalls ein Thema war Sucht im Bezug auf Games oder soziale Netzwerke. «Ein typischer Gamer wird schnell aggressiv und ist unrasiert», schilderten die Jugendlichen ihre Vorstellung eines Gamers. Den Schülern wurden Filme und Studien zu dem Thema gezeigt.

Rasch waren sich die Schüler einig, dass der soziale Kontakt zu realen Freunden das Wichtigste ist, um sich nicht in der online Welt zu verlieren.

Schocktherapie für Eltern

«Ohne ein Handy zu leben, das können sich die Kinder von heute nicht mehr vorstellen», sagt Giorgio Macaluso, Leiter der Organisation und Planung bei der Swisscom. Für manche Eltern wurde der Medienkurs am Abend zu einer kleinen Schocktherapie. Denn nur ein Mausklick, und man landet auf Internetseiten mit pornografischem oder gewaltlastigem Inhalt. Doch der Fokus war die Aufklärung. Es wurde gezeigt, wo im Internet sich Jugendliche am meisten bewegen und was sie dort machen.

So loggte sich der Kursleiter in einem Internetchat als «evi15» aus Zürich ein und demonstrierte den Eltern, was ihre Kinder in Chaträumen erleben. Innerhalb der ersten zehn Sekunden hatte er bereits über fünf Chatpartner. Mit viel Witz stellte sich der Kursleiter den verschiedenen Chatgesprächen und liess dabei die Eltern mitbestimmen, was geschrieben werden soll.

Doch bereits die dritte Frage war in mehreren Gesprächen sehr intim und für manche Eltern irritierend. «Nicht gerade, das was man in der Bar jemanden nach drei Minuten fragen würde oder?», regte Macaluso die Anwesenden zum Nachdenken an. Es sei wichtig zu sehen, worüber geredet werde, und wie schnell man hier an E-Mail-Adressen komme. Denn vielen Jugendlichen sei überhaupt nicht klar, dass nicht jeder im Chat der ist, für den er sich ausgibt.

«Ich habe wirklich nicht viel Ahnung von all dem und Facebook war immer ein rotes Tuch für mich. Doch meine Kinder kennen das natürlich alles», sagt eine Mutter von zwei Jugendlichen. Für sie sei die Veranstaltung sehr lehrreich gewesen. Für Giorgio Macaluso ist aber klar, dass selten jene Eltern an den Medienkursen erscheinen, die es am meisten nötig hätten.

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