Brugg
Bijoutier-Paar baut von Brand zerstörtes Haus wieder auf: «Nachts hätten wir vermutlich nicht überlebt»

Das Haus der Brugger Bijoutier-Familie Boutellier wurde vor einem Jahr ein Raub der Flammen. Nun wohnen Boutelliers in einem neuen Heim. Der Weg bis dahin war nicht immer einfach zu bewältigen. Besonders für Ehemann Georges.

Claudia Meier
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Boutelliers haben nach Brand ihres Einfamilienhauses in Brugg ein neues Zuhause
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Die Rauchsäule war weit herum sichtbar.
Die Feuerwehr Brugg wurde um 7.30 Uhr von einer Bewohnerin alarmiert.
Als die Feuerwehr am Brandort eintraf, stand das Haus bereits in Vollbrand.
Die Löscharbeiten erwiesen sich als aufwendig und langwierig.
Die Einsatzkräfte - Feuerwehr, Kantonspolizei und Regionalpolizei sowie Ambulanz - waren vor Ort.
Der Brand war schliesslich gegen 9.30 Uhr gelöscht.
Der Brand richtete grossen Schaden an.
Nach ersten Schätzungen musste der Sachschaden laut Kantonspolizei auf mehrere hunderttausend Franken beziffert werden.
Das Haus war nach dem Brand nicht mehr bewohnbar.
Zwei Frauen befanden sich bei Brandausbruch im Haus.
Die beiden Frauen wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht.
28.12.2016: Die Feuerwehr hatte Mühe, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Brand bei Familie Boutellier Am 28. Dezember 2016 brannte das Einfamilienhaus von Georges und Christina Boutellier in Brugg. So präsentierten sich das Wohn- und Esszimmer danach.
Brand bei Familie Boutellier Am 28. Dezember 2016 brannte das Einfamilienhaus von Georges und Christina Boutellier in Brugg. So präsentierten sich das Wohn- und Esszimmer danach.
Brand bei Familie Boutellier Am 28. Dezember 2016 brannte das Einfamilienhaus von Georges und Christina Boutellier in Brugg. So präsentierten sich das Wohn- und Esszimmer danach.
Brand bei Familie Boutellier Am 28. Dezember 2016 brannte das Einfamilienhaus von Georges und Christina Boutellier in Brugg. So präsentierten sich das Wohn- und Esszimmer danach.
Bijoutier Georges Boutellier und seine Frau Christina im neuen Haus Das neue Haus von Bijoutier Georges Boutellier und seine Frau Christina in Brugg, das alte Haus ist am 28. Dezember 2016 niedergebrannt. Aufgenommen am 20. Dezember 2017.
Bijoutier Georges Boutellier und seine Frau Christina im neuen Haus Das neue Haus von Bijoutier Georges Boutellier und seine Frau Christina in Brugg, das alte Haus ist am 28. Dezember 2016 niedergebrannt. Aufgenommen am 20. Dezember 2017.

Boutelliers haben nach Brand ihres Einfamilienhauses in Brugg ein neues Zuhause

Severin Bigler, AZ Archiv

Der 28. Dezember 2016 begann prächtig. Der Morgenhimmel war klar, die Luft rein. Wäre da nicht diese bedrohlich hohe Rauchsäule gewesen, die aus einem Wohnquartier am Bruggerberg aufstieg und schon vom Bözberg her zu sehen war. Das Einfamilienhaus der Bijoutier-Familie Boutellier stand in Vollbrand und wurde komplett zerstört.

Als Georges Boutellier kurz nach 7 Uhr das Haus verliess und zur Arbeit ging, schien noch alles in Ordnung. Kurz darauf ging seine Ehefrau Christina in die Küche und hörte ein eigenartiges Geräusch. Als sie die Schiebetüre zum Wohnzimmer öffnete, war dieses voller Rauch. Sofort ertastete sie die Hunde-Box, riss den Vierbeiner heraus und liess ihn ins Freie. Inzwischen kam die erwachsene Tochter nach unten, die durch den Knall des zerborstenen Fensters geweckt wurde.

Durch das Eindringen von Sauerstoff breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Christina Boutellier betätigte den Feuerlöscher, die Tochter alarmierte die Feuerwehr und gemeinsam retteten sie sich dann mit schwarzem Gesicht und im Pyjama auf die Strasse. Christina stand unter Schock und fragte sich nur noch: «Wie sage ich das meinem Mann?» Die Feuerwehr Brugg kam mit einem Grossaufgebot. Die Familie verlor innert weniger Minuten alles und war obdachlos.

Der "Tele M1"-Bericht vom 28. Dezember 2016:

Jetzt, ein Jahr später, sitzen Christina und Georges Boutellier auf dem Sofa in ihrem neuen Haus und sagen: «Wir sind glücklich und dankbar, dass wir wieder hier sind.» Zum ersten Mal seit jenem Schicksalstag sind sie bereit, einer Journalistin zu erzählen, wie sie dieses Jahr gemeistert haben. Schon wenige Tage nach dem Brand stand für die Ermittler fest, dass sich höchstwahrscheinlich ein Mehrfachstecker entzündet hatte. Der Familie könne keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, betonte die Polizei. Eine Busse gab es deshalb nicht.

Sie bekamen Kleider und Obdach

Noch bevor die Branduntersuchung abgeschlossen war, hatte Familie Boutellier sich entschieden, dass sie ihr Einfamilienhaus wieder aufbauen will. Georges Boutellier kontaktierte Beat Klaus von der Brugger Architheke und fragte ihn, ob er sie dabei unterstützen würde. Klaus überlegte nicht lange und sagte zu. Auch die Solidarität in der Nachbarschaft war gross. Boutelliers bekamen Kleider, ein Dach über dem Kopf und moralische Unterstützung.

Ein feuerfester Safe mit Schmuck und Dokumenten hatte den Brand unbeschadet überstanden. Von einer spezialisierten Firma wurden einige intakte Kleidungsstücke und Gegenstände gereinigt. Doch das Allermeiste war zerstört. «Dass wir alle Fotos und Erinnerungen an unsere beiden Kinder verloren haben, schmerzt mich sehr», sagt Christina Boutellier. Die Nacht vor dem Brand war die erste, die Tochter Laura nach einem WG-Aufenthalt wieder im Elternhaus verbracht hatte. Überhaupt sei die 25-Jährige ihnen in diesem Jahr eine grosse Stütze gewesen, betont die Mutter.

«Das Schönste war, dass wir erfahren durften, was es heisst, eine Familie, ehrliche Freunde und gute Nachbarn zu haben», bilanziert Georges Boutellier (74). Ein Geschenk sei es gewesen, dass ihre nächsten Nachbarn sogar das Schlafzimmer des Sohns räumten, damit Boutelliers vorübergehend dort wohnen konnten. Später stellte ihnen ein anderer Nachbar einen möblierten Hausteil zur Verfügung, wo sie nun bis zum 6. Dezember wohnten und so in ihrem Quartier bleiben konnten.

Christinas grösster Wunsch war es, an Weihnachten wieder zu Hause zu sein. «Wir hatten vorwiegend Handwerker aus der Region, die an unserem Schicksal Anteil nahmen und alles daransetzten, dass sie uns diesen Wunsch erfüllen konnten», erzählt die 64-Jährige. Das alte Haus wurde in den 1950er-Jahren vom Brugger Architekten Ernst Strasser entworfen. Ziel war es, die Liegenschaft im gleichen Stil wieder aufzubauen. «Die markanteste Änderung ist, dass wir jetzt eine offene Küche und modernere Bäder haben», sagt Georges Boutellier.

Schlaftabletten halfen nicht

Nach dem Brand hatte sich Georges Boutellier stark zurückgezogen. Er hatte keine Lust auf die immer gleichen Fragen. Auch an die Klassenzusammenkunft mochte er nicht gehen.

Obwohl das Erlebnis die Familie zusammengeschweisst hat, so ist jedes Mitglied anders mit diesem Schicksalsschlag umgegangen. In der Nacht wachte Georges Boutellier oft auf und hatte stets den gleichen Film vor Augen: Er sah, wie sein Haus brannte. Da Schlaftabletten das Problem nicht lösten, suchte er einen Psychologen auf. «Dies hat mir sehr geholfen, das Erlebte zu verarbeiten», sagt Georges Boutellier. «Meinem Mann ging es wirklich schlecht», räumt Christina Boutellier ein. Im Gegensatz zu ihm verarbeitete sie das Erlebte bei den vielen schönen Begegnungen mit Freunden und Bekannten.

«Wäre der Brand nachts ausgebrochen, hätten wir vermutlich nicht überlebt», sagt Christina Boutellier und streichelt ihrem Mann über den Arm. Ihr Fazit lautet: «Wir haben es gut gemacht und gelernt, loszulassen. Das Leben ist das Wichtigste. Nicht der Besitz.» Im neuen Haus gibt es keine Steckerleisten mehr. Boutelliers haben vorgesorgt und viele Steckdosen einbauen lassen.

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