Windisch
Big Zis rappt mit Windischer Schülern

120 Jugendliche proben für das neue Kunstprojekt «leise brüllen»: Im Mai ist Premiere in der Klosterkirche Königsfelden.

Elisabeth Feller
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Workshop mit Rapperin: Big Zis (Franziska Schläpfer) bereitet die Schüler auf ihren Auftritt vor.

Workshop mit Rapperin: Big Zis (Franziska Schläpfer) bereitet die Schüler auf ihren Auftritt vor.

Alex Spichale Fotografie

Was ist, wenn es im Innern eines Menschen kocht und brodelt; wenn die Spannung sich brüllend Bahn brechen will, jedoch nur ein leises Brüllen herauskommt? «Wänns da ine brüllt, ghörsch dusse fascht nüt», bringt die Winterthurer Rapperin Big Zis (Franziska Schläpfer) diesen Seelenaufruhr auf den Punkt und fordert deshalb auf: «Chum use, chum use, brüll liislig; chum ine, chum ine, brüll liislig; gang use, gang use, brüll liislig; gang ine, gang ine, brüll liislig.» Brigitta Luisa Merki, Tänzerin, Choreografin und Künstlerische Leiterin von Tanz & Kunst Königsfelden, empfindet den Refrain von Big Zis’ neuem Song als bewegend: «Tanzen», sagt sie, «ist nichts anderes als leise brüllen.»

Wie viele Künstlerinnen und Künstler haben schon leise gebrüllt? Das Numerische interessiert Brigitta Luisa Merki nicht. Wohl aber das Zusammenführen von Menschen aus unterschiedlichsten Kunstsparten. Gegensätze ziehen sich an, heisst es, doch das hat Reibungen zur Folge. Die Kulturmenschen dürften somit «leise brüllen», dabei aber die Erfahrung machen, welch unerhörte Energien freigesetzt werden.

Projekt «leise brüllen»

Im Rahmen von Tanz & Kunst Königsfelden kreieren 120 Schülerinnen und Schüler aus Windisch gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten ein Kunstwerk (Künstlerische Leitung: Brigitta Luisa Merki). Das Resultat unter dem Titel «leise brüllen» ist in öffentlichen Aufführungen mit Film-, Foto- und Rauminstallationen vom 27. Mai bis 1. Juni, jeweils 20.30 Uhr, in der Klosterkirche Königsfelden zu sehen. Der Vorverkauf beginnt am 31. März 2016 bei Info Baden, Bahnhofplatz 1, Baden; Telefon: 056 200 84 84 oder www.ticket-baden.ch. (SaS)

Genau dies will Brigitta Luisa Merki 120 Schülerinnen und Schülern der Mittel- und Oberstufe aus Windisch vermitteln. «Babel.überall» war das erste pädagogische Königsfelder Kunstprojekt, das 2014 mit Schülern aus Neuenhof stattfand, nun steht das zweite bevor. «‹Leise brüllen› wird natürlich völlig anders sein als ‹babel.überall›», betont Brigitta Luisa Merki. Anders auch deswegen, weil das Projekt diesmal stark vom Hip-Hop geprägt ist und: Die Rapperin Big Zis und ihre dreiköpfige Live-Band werden in die Klosterkirche Königsfelden einziehen. Was sich dort – im Verbund mit Film-, Foto- und Rauminstallationen – abspielen wird, ist für Aussenstehende vorläufig noch ein Buch mit sieben Siegeln. Brigitta Luisa Merki lächelt: Sie nimmt an sämtlichen Proben und Workshops teil, um aus dem Gezeigten eine Choreografie zu gestalten. Die Neugier auf Big Zis ist gross: Was wird die Rapperin am Gründonnerstag im Workshop mit 25 Jugendlichen erarbeiten?

In der Aula des Schulhauses Chapf werden Stühle weggeräumt, um Platz zu schaffen: Bahn frei für Big Zis, die ein voluminöses blaues Tuch um den Hals gewickelt hat. Sie ist «mega erkältet», strotzt aber gleichwohl vor Power. Sie ist freundlich und bestimmt, gerade zu Beginn, als sie in die Runde blickt und alle auffordert: «Legt euch kurz auf den Boden hin.» Ob dieser nicht ...? Nein, winkt sie ab, dieser sei nicht schmutzig. Also: «Seid ganz still. Atmet genau an jener Stelle ein, wohin ihr eure Hände gelegt habt. Atmet danach durch den Bauchnabel aus.» Wie soll das gehen? «Es ist möglich, ich sag’s euch. Hat das jemand geschafft?» Eine Schülerin hebt die Hand. «Prima.»

Welche Übungen danach auch immer folgen, Big Zis hat ein einziges, grosses Anliegen: «Ihr alle habt einen Körper. Ihr seid ein Körper.» Doch wie mit diesem ausdrücken, was in einem vorgeht? Big Zis weiss, wie schwierig das ist. Sie weiss aber auch, wann der Moment gekommen ist, um ihren eigens für das Königsfelder Projekt geschriebenen Song «leise brüllen» vor diesem jungen, kritischen Publikum vorzustellen. Manches von dem, was ihr die Schüler erzählt haben, hat darin Eingang gefunden – und das schweisst zusammen.

Ohne ihre Band steht Big Zis im Kreis, vertraut auf ihre Stimme und rappt den Song so, dass einem heiss und kalt wird. «Und? Hat sich jemand wiedererkannt?», will sie wissen. Einige nicken. «Gut. Was meint ihr zum Song?» Für einen Schüler «dürfte das Tempo schneller sein». Big Zis nickt, gibt aber zu bedenken: «Wäre er schneller, würde man den Text in der Klosterkirche nicht mehr verstehen. Und wir haben mit ‹Wott nur tanze› und ‹Party› schnelle Stücke, da darf es schon einmal etwas langsamer sein.» Langsamer, damit «brüll leise» umso mehr Gewicht bekommt? Und an den Aufführungen so erklingen wird, dass das Publikum spürt: Auch in ihm kocht und brodelt es.