Grossratswahlen

Bezirk Brugg verliert einen Sitz – wer springt über die Klinge?

SPler Paul Bitschnau aus Windisch, SVP-Frau Doris Iten aus Birr und Roland Frauchiger (EVP, Thalheim)

SPler Paul Bitschnau aus Windisch, SVP-Frau Doris Iten aus Birr und Roland Frauchiger (EVP, Thalheim)

Alle bisherigen Grossrätinnen und Grossräte treten wieder an. Bereits klar ist: Eine oder einer von ihnen schafft die Wiederwahl nicht.

Sämtliche elf bisherigen Grossrätinnen und Grossräte aus dem Bezirk Brugg treten wieder an. So weit,so unspektakulär. Was die Ausgangslage aber spannend macht, ist der Umstand, dass der Bezirk einen Sitz im Grossen Rat verliert. Bereits jetzt ist klar, dass jemand von den Bisherigen die Wiederwahl nicht schafft. In den Fokus gerät dabei die SVP. Bei den letzten Wahlen 2016 verlor sie 3,3 Prozentpunkte. Aufgrund des Doppelten Pukelsheim profitierte die Partei aber vom guten Abschneiden in anderen Bezirken und konnte trotz schlechterem Wahlresultat im Bezirk Brugg einen Sitz dazugewinnen – auf Kosten des einzigen Sitzes der GLP. So starteten Martin Wernli (Thalheim), Tonja Kaufmann (Hausen), Maya Meier (Auenstein) und Dominik Riner (Schinznach) in die neue Legislatur. Bereits nach einem halben Jahr trat Letzterer aber aufgrund einer parteiinternen Finanzaffäre zurück. Den Sitz erbte Doris Iten aus Birr. Und genau dieser dürfte gefährdet sein.

Das sieht Iten überhaupt nicht so: «Wir haben alle die gleiche Ausgangslage und jemand wird es nicht schaffen. Über eine Wiederwahl entscheidet nicht die Listenposition.» Viel wichtiger sei, dass die besten Vertreterinnen und Vertreter in Aarau sind, die «unseren Bezirk und unseren Kanton optimal vertreten», sagt Iten. Eine vielfältige Parteilandschaft sei wichtig und sie sei überzeugt, dass die Wählerinnen und Wähler die richtige Entscheidung treffen. Nicht gerade einfach ist die Ausgangslage für den Thalner Gemeindeammann Roland Frauchiger (EVP). Er zeigt sich hinsichtlich der Wahlen aber gelassen. Das zweistufige Verteilverfahren berge grosse Überraschungen, sagt er. «Man kann nicht vorausschauen, wer im Bezirk Brugg den Sitz verliert», ergänzt Frauchiger.

«Ausserdem wird die Abwahl wenig mit der Person an sich zu tun haben, sondern mit den Parteiresultaten im Kanton und den anderen Bezirken», ist er überzeugt. Heisst: Wenn die GLP noch von der grünen Welle profitieren kann und im ganzen Bezirk Brugg und im Kanton ähnlich erfolgreich ist wie an den letzten Einwohnerratswahlen in Brugg und Windisch, dann ist es allenfalls möglich, dass sich die GLP den verlorenen Sitz zurückholt– möglicherweise auf Kosten der EVP oder der SVP. Frauchiger aber ist überzeugt, dass die EVP ihre sechs Sitze im Kantonsparlament und «höchstwahrscheinlich auch denjenigen im Bezirk Brugg» wird halten können. Dies, indem sie auf die Themen Menschenwürde, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit setzt. «Als Mittepartei dienen wir auch als Brückenbauer zwischen den linken und rechten Positionen», sagt Frauchiger. Dafür wolle er sich weiterhin einsetzen. Zudem sind ihm die kleinen Gemeinden ein Anliegen. Dass er Gemeindeammann und Grossrat ist, sieht er keineswegs als Problem. «Als Gemeindeammann habe ich die Umsetzbarkeit von Entscheiden im Grossen Rat im Auge», argumentiert der Thalner.

Markus Lang, Präsident der GLP Bezirk Brugg, zeigt sich optimistisch, dass seine Partei den verlorenen Sitz zurückholt. «Die letzten Wahlerfolge haben gezeigt, dass unsere Botschaften bei immer mehr Wählenden ankommen. Entscheidend werden die Listenstimmen sein.» Das Problem 2016: Die GLP konnte die Wähler auf dem Land nicht überzeugen. Die Nationalratswahlen im Herbst zeigten nun ein anderes Bild: Die GLP konnte auf dem Land zum Teil massiv zulegen. Als Beispiel führt Lang Lupfig an, wo die Parteistimmen von 355 auf 917 zunahmen. Und: Als Nächstes steht die Gründung der GLP-Sektion Hausen an.

Zu einer Veränderung kommt es möglicherweise bei der SP: Der Windischer Dieter Egli kandidiert auf Listenplatz 1, gleichzeitig tritt er aber als Regierungsratskandidat an. Macht er dort das Rennen und die SP kann ihre zwei Sitze halten, dann könnte der Windischer Paul Bitschnau profitieren und nachrutschen. Auf Listenplatz 2 ist der bisherige Brugger SP-Grossrat Martin Brügger aufgelistet.

Kaum zu einer Überraschung dürfte es bei der CVP, bei der FDP und bei den Grünen kommen. Jürg Baur (Brugg, CVP) dürfte genauso vom Bisherigen-Bonus profitieren wie Titus Meier (FDP, Brugg) – bestgewählter Grossrat im Bezirk Brugg 2016 –, Martina Sigg (FDP, Schinznach) und Robert Obrist (Grüne, Schinznach).

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