Bezirk Brugg
Durch Birr und Lupfig geht ein tiefer Impfgraben – das sind die möglichen Ursachen

Bei der Impfquote gibt es nicht nur im Kanton grosse Unterschiede, sondern auch innerhalb des Bezirks Brugg ­– insbesondere im Eigenamt. Apothekerin Martina Sigg aus Schinznach-Dorf erzählt, wie sie mit der grossen Nachfrage nach Covid-19-Impfungen umgeht und was auch bei den Jungen gut ankommt.

Claudia Meier
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Die Grenze zwischen Birr (links) und Lupfig ist kaum auszumachen.

Die Grenze zwischen Birr (links) und Lupfig ist kaum auszumachen.

Bild: Claudia Meier
(25. August 2015)

Im Kanton Aargau sind 354,502 Personen zweifach gegen Covid-19 geimpft, was 51,1% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Vergleicht man die Impfquoten der einzelnen Gemeinden, gibt es jedoch grosse Unterschiede – auch im Bezirk Brugg. Von einem eigentlichen Impfgraben kann man zwischen den beiden Nachbargemeinden Lupfig und Birr sprechen.

René Grütter ist Gemeindeammann von Birr.

René Grütter ist Gemeindeammann von Birr.

Bild: zvg

In der letztgenannten Gemeinde mit 4610 Einwohnern sind nur gerade 36,5% der Gesamtbevölkerung doppelt geimpft, das entspricht etwas mehr als der halben Impfquote von 62,8% in Lupfig. Gemeindeammann René Grütter von Birr sagt:

«Die tiefe Impfquote liegt an unserem hohen Ausländeranteil von 45%.»

Die grösste ausländische Bevölkerungsgruppe mit etwa 580 Personen stamme aus dem südöstlichen Balkan. Schon im vergangenen Jahr macht René Grütter die Erfahrung, dass die ausländische Bevölkerung den Coronaschutzmassnahmen gegenüber eher skeptisch eingestellt sei. Das gelte auch für die Covid-19-Impfkampagne, bei der Grütter ebenso ein defensives Verhalten feststellt. Zwingen könne man bekanntlich niemanden.

In Birr kann der Seniorenausflug stattfinden

Aus den vielen Gesprächen, die der Gemeindeammann in Birr mit den Einwohnerinnen und Einwohnern führt, schliesst Grütter, dass die ältere Bevölkerung ähnlich wie im kantonalen Durchschnitt geimpft sein dürfte. Deshalb halte man am Seniorenausflug fest, der am Dienstag mit rund 65% der Teilnehmerzahl der Vorjahre stattfindet.

Die anderen Gemeinden im Birrfeld haben folgende Impfquote: Genau im Kantonsdurchschnitt präsentiert sich Birrhard (51,1%), etwas höher liegt sie in Mülligen (51,7%), Habsburg (53,8%) und Hausen (57,4%).

Anteil über 65-Jährige ist in Lupfig überdurchschnittlich

Richard Plüss ist Gemeindeammann in Lupfig.

Richard Plüss ist Gemeindeammann in Lupfig.

Bild: san

Dass die Impfquote in Birrs Nachbargemeinde Lupfig mit 62,8% die höchste im Eigenamt ist, erklärt sich Gemeindeammann Richard Plüss mit dem überdurchschnittlichen Anteil an über 65-Jährigen, die tendenziell eine hohe Impfbereitschaft hätten. In den Kategorien der 65- bis 79-Jährigen sowie der über 80-Jährigen liegt der Anteil in der Lupfiger Bevölkerung mindestens 24% höher als in den Nachbargemeinden Hausen und Birr. Zwar ist der Ausländeranteil in Lupfig in den letzten Jahren gestiegen. Mit 20,4% ist er aber deutlich tiefer als in Birr.

Die mit Abstand höchste Impfquote im Bezirk Brugg hat die Gemeinde Schinznach mit 81,8%. Gemeindeammann Urs Leuthard sagte in der Samstagsausgabe: «Offenbar ist man sich bei uns bewusst, was passieren kann, wenn man sich nicht impfen lässt.» Er wisse von ein paar Erkrankten, die auf die Intensivstation eingeliefert wurden.

Apothekerin Martina Sigg.

Apothekerin Martina Sigg.

Bild: asp

Für diese Rekordimpfquote hat Apothekerin Martina Sigg keine Erklärung, weil ihr der Vergleich zu anderen Orten fehle. Sie weiss nur, dass sie und ihr Team in der Apotheke sowie die Familienpraxis Schneider in Schinznach-Dorf sehr viele Gespräche führen zur Impfaufklärung und Motivation.

Nachfrage bei Jungen und Migranten ist gross

Im Aargau dürfen die Ärzte seit Mai impfen, die Apotheken seit Juli. Am Anfang hat die Apotheke in Schinznach-Dorf mit der Arztpraxis zusammengespannt. Denn die Administration und Organisation ist sehr aufwendig. Zusammen ging es besser. In dieser Zeit wurden in der Arztpraxis 93 Personen doppelt geimpft. Seit Juli impft nur noch die Apotheke Personen ab 16 Jahren. Martina Sigg sagt:

«Ich habe jetzt den 100. Kunden vollständig geimpft.»

Die Nachfrage sei gross und beschäftige sie sehr. Vielen komme es entgegen, dass sie sich in der Nähe und so unkompliziert impfen lassen können. «Wir haben jetzt auch viele Junge, Migranten und ältere Menschen», fährt die Apothekerin fort. «Ich denke, viele schätzen es sehr, dass es bei uns nicht so ‹unpersönlich› ist wie in einem Spital.» Sie versuche, Anmeldungen so schnell wie möglich abzuarbeiten.

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