Bezirk Brugg
Corona verschärft die Probleme für gewisse Familien – und für andere löst es sie

Die Jugend- und Familienberatung ist Teil der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg. Geschäftsführerin Claudia Fries erklärt, was Eltern und Kinder seit Pandemiebeginn neu beschäftigt.

Maja Reznicek
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Die Jugend- und Familienberatung der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg kümmert sich um 18 Gemeinden im Bezirk. (Symbolbild)

Die Jugend- und Familienberatung der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg kümmert sich um 18 Gemeinden im Bezirk. (Symbolbild)

Christof Schuerpf / Keystone

Corona, Corona, Corona. Small Talk über das Virus gehört mittlerweile zum Alltag. Auch in den Gesprächen der Jugend- und Familienberatung des Bezirks Brugg ist die Pandemie und deren Auswirkungen Thema. Claudia Fries, Geschäftsführerin der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg, ergänzt: «Es kommt jedoch sehr auf die Ressourcen und die Problemlage innerhalb der Familie an.»

Der Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg wurde 2016 gegründet.

Der Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg wurde 2016 gegründet.

Bild: Claudia Meier

Beispielsweise bei Eltern mit Kindern, die bereits finanziell belastet sind oder mit konfliktiven Beziehungen zu kämpfen haben, verschärfe sich die Situation tendenziell. So steht das Virus bei der Beratung mehr im Fokus. Corona könne aber genauso zu einer Abnahme der Problemlage führen. Fries sagt:

«Während des Lockdowns erhielten wir Rückmeldungen von Familien, die zu Hause weniger Konflikte mit ihren Kindern hatten, da die zuvor belastenden schulischen Pflichten während dieser Zeit abnahmen.»

Ausserdem konnten gewisse Familien ihre Beziehungen «anders entdecken, weil sie auf sich zurückgeworfen wurden». Was sich aber grundlegend zeige, ist, dass die Gesellschaft den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen nach Freizeit und dem Gestalten von Freundschaften aktuell nicht wirklich gerecht werden könne.

Fachpersonen mussten sich mit «Haltungsfragen» auseinandersetzen

Seit Pandemiebeginn tauchten in den Gesprächen der Jugend- und Familienberatung neue Themen auf. Claudia Fries führt aus: «Bei Fragen des persönlichen Verkehrs, etwa in Trennungsfamilien, kam hinzu, wie beispielsweise mit Absagen wegen Covid-19 umgegangen werden muss oder dass die Erwartungen bezüglich der Umsetzung der Empfehlungen des Bundes innerhalb der Familie geklärt werden.»

Die Fachpersonen seien gefordert gewesen, sich selbst mit diesen Haltungsfragen auseinanderzusetzen. Die Coronamassnahmen würden in den Beratungen nur am Rande angesprochen.

Die Soziale Dienstleistungen Region Brugg befinden sich an der Schulthess-Allee 1 in Brugg.

Die Soziale Dienstleistungen Region Brugg befinden sich an der Schulthess-Allee 1 in Brugg.

Bild: Michael Hunziker (15. Dezember 2019)

Der Bedarf nach «Krisenintervention» ist gemäss der Geschäftsführerin der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg im letzten Jahr nicht gestiegen. «Auf Familien mit möglichen Problemlagen – bei denen wir eine Verstärkung dieser Probleme durch die Covid-19-Situation vermuteten – sind wir bereits im Lockdown aktiv zugegangen.»

So habe man den Unterstützungsbedarf geklärt und die «Arbeitsbeziehung» gefestigt, damit die Betroffenen sich bei Bedarf möglichst früh melden.

Eine Veränderung, die eine Chance für die Zukunft ist

Auch insgesamt konnte Claudia Fries keine erhöhte Nachfrage nach dem Angebot der Jugend- und Familienberatung infolge der Pandemie feststellen. Sie sagt:

«Tatsächlich haben wir eine sehr geringfügige Fallzunahme im Mai bis Juli 2020. Es handelt sich um eine Zunahme wie in anderen Jahren.»

Was sich verändert habe, sei der Arbeitsalltag der Mitarbeitenden der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg. «Wo möglich und gewünscht, bieten wir vermehrt Telefon- oder Videoberatungen an.»

Diese Veränderung kann gemäss Fries eine Chance für die Zukunft sein. Man prüfe, ob man das Angebot nach der Pandemie weiterhin anbieten wolle.

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