Wenn sich die rund 70 Mitglieder (von insgesamt 1760) zur jährlichen Vereinsversammlung von Pro Bözberg in einer Turnhalle im oberen Fricktal oder auf dem Bözberg treffen, läuft vieles wie bei einem Ritual ab. Präsident Otto H. Suhner begrüsste die Anwesenden dieses Mal in der mit Fahnen geschmückten Turnhalle Linn und illustrierte seine Ausführungen mit Dutzenden Folien über zwei Hellraumprojektoren.

«Wer erinnert sich noch an die denkwürdige Versammlung vom 26. April 2006 in der knallvollen Turnhalle Effingen, als uns Herr Regierungsrat Beyeler über die Steinbruchpläne in unserer Region orientierte? Und unser Vorstandsmitglied Werner Hunziker im Namen von Pro Bözberg eine hiesige Gesteinsprobe in der Form eines ‹Vogelbädlis› unserem damaligen Baudirektor überreichte?», fragte Suhner rhetorisch.

Regelmässige Freundschaftstreffen

Der Verein Pro Bözberg wehrte sich erfolgreich bis vor Bundesgericht gegen die Probebohrungen im Zusammenhang mit dem Steinbruchprojekt Bözberg. Das Projekt wurde daraufhin definitiv begraben. Selbst während der intensivsten Kampfphase trafen sich der damals zuständige Regierungsrat, Peter C. Beyeler, und Präsident Otto H. Suhner einmal im Jahr im Engadin zum gemeinsamen Essen.

Dass er jetzt als Gastreferent nach Linn eingeladen wurde, war ein freudiges Wiedersehen zu einem völlig anderen Thema. Beyeler kam als Präsident der IG Aargauer Altstädte. Der Titel seines Vortrags lautete: «Die Entwicklung in den Innenstädten geht auch das Land etwas an». Zum Auftakt sagte Beyeler: «Es stimmt vieles auf dem Bözberg.» Zwei Wochen zuvor hatte er sich mit dem Motorrad einen Überblick in der weitläufigen und dünn besiedelten Gemeinde verschafft. Er stiess auf eine schöne Landschaft, viel Ruhe und fast keine Bautätigkeit. Natürlich weiss er, dass die Themen Kalkabbau, Nuklearabfall, Fluglärm und Adressen-Streit im Zusammenhang mit der Fusion die Gemeinde stark beschäftigt haben und dies teilweise noch immer tun.

Wille zur Veränderung gefordert

Als Präsident der IG Aargauer Altstädte kennt Beyeler die Herausforderungen der 13 Aargauer Altstädte. Klar ist: Die gesellschaftlichen Veränderungen wie Individualisierung, Digitalisierung, zunehmende Mobilität und den Druck auf den urbanen Raum lassen sich nicht aufhalten. Die Frage ist nun allerdings, wie man darauf geschickt reagiert. Wie sollen leer stehende Läden umgenutzt werden? Beyeler zeigte sich überzeugt, dass der Markt nicht alle Wertverluste dieser Veränderungen in den Innenstädten korrigieren kann und es auch von politischer Seite ein Konzept braucht. Wenn die Entwicklung unklar ist, kann das für eine Stadt zum Problem werden. «Ein gutes Image ist wichtig, sonst kommen die Investoren nicht», betonte Beyeler.

Eine Stadt wie Brugg werde von der Region getragen. «Brugg ist eine spezielle Stadt. Das hohe Vermögen stellt eine Ausnahme dar», sagte der IG-Präsident. Wie sich die Fusion mit der Gemeinde Schinznach-Bad auf die Attraktivität von Brugg auswirke, werde sich noch zeigen. Grossen Handlungsbedarf ortete Beyeler bei der Zusammenarbeit zwischen Brugg und Windisch. «Sie muss unbedingt intensiviert werden, wie übrigens auch zwischen Baden und Wettingen.» Brugg müsse Charakter bekommen und für die umliegenden Gemeinden attraktiv sein. Dazu brauche es neben genügend Wohnraum Aussenplätze, wo sich die Leute treffen können.

Beyeler fragte: «Wo sind die Politiker, die sich für die nötigen Investitionen engagieren?» Er verglich die Herausforderung mit einem Unternehmer, der auch keinen Gewinn macht, wenn er nicht investiert. Es ist gut möglich, dass Brugg und Zofingen zu den Pilotstädten im Aargau gehören, die mit der IG ein Entwicklungskonzept erarbeiten werden, das zeitnah umgesetzt werden soll. «Es geht Sie auf dem Land etwas an, was in Brugg passiert», schloss Beyeler sein Referat und verwies auf den Erfolg des Juraparks, indem auch neue Erlebnisräume entstanden sind.