Das neue Energiegesetz ermöglicht seit Anfang Jahr den Zusammenschluss von Energieverbrauchern zu einer Eigenverbrauchergemeinschaft. Bei der Überbauung «Juliehogger» in Bözen wurde daher ein neues Energiekonzept für einen eben solchen Zusammenschluss vorgestellt. Dieses Konzept wurde von der anwesenden Käuferschaft angenommen. «Damit wurde ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft getan», heisst es in einer Medienmitteilung. «Dieser Zusammenschluss ermöglicht finanzielle, ökologische und persönliche Vorteile für alle Bewohner und dient als Vorzeigeprojekt für die gesamte Region.»

Die Überbauung besteht aus zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 16 Wohnungen zwischen 2,5 bis 4,5 Zimmern mit 82 m2 bis 134 m2 Wohnfläche. Der Baustart ist bereits erfolgt und das Quartier soll bis Mitte 2019 fertiggestellt werden. «Die Häuser wurden von Anfang an umweltfreundlich konzipiert, was eine Umsetzung des beschlossenen Energiekonzepts erleichtert», heisst es weiter.

Heizen und Kühlen möglich

Das Gesamtkonzept eines Energiekonzept-Gebäudes betrachtet den Energieverbrauch und -gewinn aller Komponenten und versucht, diese intelligent zu verknüpfen. So wird die Heizung mittels Erdsondenwärmepumpe betrieben und kann im Sommer auch zur Kühlung verwendet werden. Des Weiteren sind neu Photovoltaik-Anlagen auf sämtlichen Dächern beabsichtigt, die den Stromverbrauch tagsüber abdecken sollen. Der Verbund Erdsonde und Solarenergie ermöglicht es, die Energie weitgehend selbst zu erzeugen und den Bewohnern vorwiegend autark zu leben. Überschüssige Energie kann an die ortseigene Firma Elektra verkauft werden. «Wir nehmen unsere Verantwortung in der Projektentwicklung und im Siedlungsbau dank dem Energiegesetz wahr und bieten schönes Wohnen verbunden mit modernster Energieversorgung», lässt sich Alois Grüter, CEO des Totalunternehmens IGD Grüter AG, in der Mitteilung zitieren.

Bözen hat 21 Tage mehr Sonnenschein im Jahr als beispielsweise das Aaretal. Die Häuser liegen zudem optimal ausgerichtet nach Westen und ermöglichen Sonnenschein bis in die späten Abendstunden. «Diese Lage ist prädestiniert für ein Quartier, das sich weitgehend mit Solarstrom versorgen möchte», schreiben die Verantwortlichen.

Bei der Umsetzung der Energieverbrauchergemeinschaft wurde ein Projektteam aus Spezialisten zusammengestellt. Das Projekt wird planerisch wie auch baulich von der IGD Grüter AG umgesetzt, die bereits Erfahrungen mit Eigenverbrauchergemeinschaften hat. So sind sie Projektverantwortliche beim ersten Energiequartier der Schweiz in Huttwil. Die Photovoltaik-Spezialisten der Firma Alectron AG sowie die Profis der smarten Steuerung, der smart-me AG, konzipieren gemeinsam das Energiesystem und rüsten die Überbauung mit Photovoltaik-Anlagen und einer modernen Energietechnik aus.

Sparpotenzial ist vorhanden

«Dank der intelligenten Messinfrastruktur werden sämtliche Energieflüsse im Gebäude in Echtzeit erfasst», heisst es in der Mitteilung. «Dies ermöglicht ein effizientes Energiemanagement für Bewohner, Besitzer und Verwaltung. Die Verbrauchsdaten von Elektrizität, Wärme und Wasser werden in der intelligenten Cloud-Software visualisiert, verwaltet und abgerechnet.» Damit entstehe ein Mehrwert für alle Parteien. So können die Mieter den Eigenverbrauch nachvollziehen und bei Bedarf regulieren. Entsprechend sei enormes Sparpotenzial vorhanden.

«Energie soll möglichst dann verbraucht werden, wenn diese zur Verfügung steht. Smart-me steuert automatisch Verbraucher wie Wärmepumpe, Boiler oder E-Ladestationen und optimiert den Energieverbrauch. So wird möglichst wenig Energie vom öffentlichen Netz bezogen», sagt Stefan Fischer, Head of Business Development der Firma smart-me AG. Zusätzlich zu den geplanten Photovoltaik-Anlagen und der Gebäudesteuerung sollen in einem weiteren Schritt Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge installiert werden.

Auch der Bözer Gemeinderat mit Roger Frey, Vizeammann, zeigt Interesse am Energiekonzept. Der «Juliehogger» sei ein Pionierprojekt, das dank des Einsatzes von erneuerbaren Energien und intelligenter Steuerung die Energieeffizienz so verbessert, dass die Energieversorgung deutlich günstiger wird. Beim Konzept «Juliehogger» sei der erste zukunftsweisende Schritt gemacht.