Seengen

Bewegliche Bücher für neue Räume im Schloss

Marion Andrea Menziger legt beim Bühnenbild im Schloss Hallwyl auch selbst Hand an.

Marion Andrea Menziger legt beim Bühnenbild im Schloss Hallwyl auch selbst Hand an.

Die aus Brugg stammende Marion Andrea Menziger ist Bühnenbildnerin bei der Schloss-Hallwyl-Oper. Die gelernte Hochbauzeichnerin BMS wirkte schon an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen und leitet das Bühnenbildatelier am Theater Basel.

Rossinis «Il Barbiere di Siviglia», die vierte Open-Air-Oper im Schloss Hallwyl, ist eine internationale Produktion, doch für das Bühnenbild ist eine Aargauerin verantwortlich: Marion Andrea Menziger, aufgewachsen in Brugg. Die gelernte Hochbauzeichnerin BMS wirkte schon an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen und leitet seit einiger Zeit das Bühnenbildatelier am Theater Basel. Selbst für eine routinierte Fachfrau bildet eine Freiluft-Produktion eine besondere Herausforderung.

Erinnerungen an Schulreise

Eine Herausforderung, die Menziger nach kurzer Nachdenkfrist gerne annahm: «Ich habe mich sehr über die Stückwahl gefreut und dann auch über den Spielort.» Sie habe schon lange einmal im Freien ein Bühnenbild gestalten wollen und dann gleich im Seetaler Wasserschloss. «Schloss Hallwyl kannte ich natürlich; ich verbinde Schulreiseerinnerungen mit diesem Ort.»

Inzwischen sind weitere Eindrücke dazugekommen: «Es ist sehr angenehm zum Arbeiten. Wir wurden vom gesamten Schlossteam gut aufgenommen. Die Leute sind sehr motiviert und scheinen sich auf die Oper zu freuen.»

Gekannt hat Menziger nicht nur die Spielstätte, sondern auch Regisseurin Regina Heer, mit der sie schon früher zusammenarbeitet hat. Man sei «ein Regieteam ohne Einzelkämpfer» und so ist das Konzept für den Hallwyler «Barbiere» ein Gemeinschaftswerk. Man könne sich die Entstehung vorstellen wie «ein Pingpong der Gedanken». Konkretisiert werden diese Ideen in Etappen. «Es gab einige Nachtschichten zum Modellbauen», verrät Menziger.

Mit zum Kern zählt die Bühnenbildnerin neben Heer auch den Kostümdesigner Bernhard Duss. Ihn «und seine Ästhetik» hat sie – natürlich, ist man versucht zu sagen – ebenfalls schon von früheren Kooperationen gekannt.

Bücher bilden «Schluchten»

Wie aber gestaltet man im Hof von Schloss Hallwyl ein Bühnenbild zu einer Rossini-Oper? «Das Schloss Hallwyl ist bereits ein Stück Kulisse, das man in seiner Pracht respektieren muss», hält Marion Menziger grundsätzlich fest. Als «Gegenpol» habe sie «eine Räumlichkeit mit einer gewissen Enge gesucht».

Geschaffen werden diese neuen «Räume» mit überdimensionalen Büchern, die eine Anlehnung an den Bildungshaushalt des alternden Doktors Bartolo darstellen sollen. Durch ihre Beweglichkeit auf der diesmal speziell planerstellten Spielbühne ergeben sich durch diese Elemente immer wieder neue Situationen: «So kann man mit ‹Schluchten› spielen», hält Menziger fest. Bartolos Mündel Rosina, von ihren Gefühlen oft hin- und hergerissen, «weiss oft nicht, wer hinter der nächsten Ecke steht», so die Bühnenbildnerin.

Die Arbeit von Marion Andrea Menziger ist mit dem Aushecken des optischen Konzepts nicht beendet. Beim Aufbau im Schlosshof legte sie selbst Hand an und war sich nicht schade, selbst zum Pinsel zu greifen und das Innere jenes Buches, in dem ein Cembalo steht, schwarz zu streichen. «Wegen des Wetters hatten wir einen halben Tag verloren.» Schlimmer als der Regen sind für sie jedoch zu starke Sonne und Temperaturwechsel.

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