Tempo 30 in den Quartieren können sich die Brugger durchaus vorstellen, eine flächendeckende Einführung aber nicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage, die von der FDP-Stadtpartei lanciert worden war. Präsident Titus Meier freut sich über das Echo. Gegen 400 Bogen seien ausgefüllt und zurückgeschickt worden. Das Verdikt nach der Auswertung der Antworten, fügt er an, sei klar: 70 Prozent befürworten Tempo 30 in den Quartieren. Für eine Geschwindigkeitsreduktion im Zentrum sprechen sich 60 Prozent aus. Genauso viele aber lehnen eine flächendeckende Einführung ab.

Dieses Ergebnis habe in seiner Deutlichkeit zwar überrascht, die FDP aber in ihrer Haltung «bezüglich einer differenzierten Betrachtung bestärkt», sagt Meier. Offenbar müsse die Situation von Fall zu Fall abgeklärt werden. Auf den kleinen Quartierstrassen, gibt er zu bedenken, fahre schon heute selten jemand schneller als mit Tempo 30. Es stelle sich also die Frage, wo eine Temporeduktion konkret etwas bringe. Eine solche gelte ebenfalls für die E-Bike-Fahrer, die auf diesen Strassen oft schneller unterwegs seien – und dann eine Busse riskieren. Für Meier steht fest: «Im Vordergrund stehen muss der Sicherheitsaspekt.»

Viele wussten es nicht

Rückblick: Ab November des letzten Jahres wurde in Brugg der Kommunale Gesamtplan Verkehr zur öffentlichen Mitwirkung vorgelegt. Mit diesem ist vorgesehen, auf dem gesamten Gemeindegebiet – mit Ausnahme der Kantonsstrassen – Tempo 30 einzuführen. Bei sechs Gemeindestrassen soll die Geschwindigkeitsreduktion individuell geprüft werden: Bad-, Schönegg-, Reiner-, Ländi-, Aufeld- und Fröhlichstrasse südlich des Altersheims.

Im Dezember startete die FDP der Stadt Brugg eine Umfrage, um der Bevölkerung den Puls zu fühlen. Denn: Entscheide auf kommunaler Ebene, sagt Präsident Meier, hätten eine unmittelbare Auswirkung auf die Bürgerinnen und Bürger. Beigelegt wurden die Umfragebogen der Regionalzeitung «General-Anzeiger», um alle Haushalte in der Stadt zu erreichen und um eine niederschwellige Möglichkeit zu schaffen, sich zu beteiligen.

Auch wenn die Entscheidung am Schluss beim Stadtrat liege, seien sich viele Einwohner offenbar nicht bewusst gewesen, dass sie sich im Mitwirkungsverfahren äussern können, erklärt Meier.

Gegen bauliche Massnahmen

Die FDP hat sich in ihrer Vernehmlassung zum Kommunalen Gesamtplan Verkehr gegen Tempo 30 auf dem gesamten Gemeindegebiet ausgesprochen, befürwortet aber die Einführung einer Geschwindigkeitsbeschränkung in den Wohnquartieren. Diese soll jedoch, betont Meier, individuell ausfallen «und einhergehen mit der gleichzeitigen Aufhebung von bestehenden Verboten und dem Verzicht auf bauliche Verkehrsberuhigungsmassnahmen».

Auf breiten und übersichtlichen Erschliessungsstrassen soll dagegen nach Ansicht der FDP auf Tempo 30 verzichtet werden. Als Begründung nennt Meier unter anderem die Gewerbebetriebe in der Stadt, «die auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen sind». Als weiteren Grund erwähnt er die Feuerwehrleute, die bei einem Alarm möglichst rasch zum Feuerwehrmagazin gelangen müssen. Betroffen wären von der Temporeduktion, ergänzt Meier, auch der Bus sowie jeder einzelne Autofahrer.

Neben der erfreulichen Zahl von ausgefüllten und eingesandten Antwortkarten habe die FDP der Stadt Brugg viele Rückmeldungen und Anregungen erhalten, sagt der Präsident. Das Thema Tempo 30 beschäftige und interessiere. Die FDP wertet die Umfrage als Erfolg und will auch künftig aktiv auf die Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zugehen. Weitere Umfragen sind laut Meier geplant. «Es ist wichtig, verschiedene Meinungen abzuholen und zu hören, was die Leute zu sagen haben. Das wird geschätzt.»