Bözberg
Bettina Märki ist die jüngste Rinderzüchterin im Aargau – mit nur 13 Jahren

Ihr Hobby ist für eine 13-Jährige ziemlich ungewöhnlich: Seit zwei Jahren züchtet Bettina Märki aus Bözberg Kühe.

Daniel Vizentini
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Auf dem Hof ihrer Eltern hat Bettina Märki ihre eigene Rinderzucht.
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Bettina Märki
Jede der 18 Kühe erkennt sie an ihren Flecken.
Bettina kümmert sich um ihre beiden Kühe, fachsimpelt mit ihrem Vater und vergleicht, wer die besseren Kühe hat.     

Auf dem Hof ihrer Eltern hat Bettina Märki ihre eigene Rinderzucht.

Chris Iseli

Fragt man 13-Jährige nach ihren Hobbys, wird man üblicherweise Dinge hören wie Musizieren, Dinge sammeln, Reiten oder vielleicht Fussball spielen. Bei Bettina Märki aus Bözberg lautet die Antwort aber überraschend: Rinder züchten.

Stiersamen auslesen und diese perfekt auf ihre Kühe abstimmen, damit gesunde und leistungsfähige Kälber geboren werden – das ist ihre Leidenschaft. Während ihre Altersgenossinnen das «Bravo» lesen, kennt Bettina Märki die Schweizer Zeitschrift für Rindergenetik «Toro» jeweils in- und auswendig. Im mitgelieferten Katalog sucht sie jeweils nach den besten Samen für ihre Kühe. Schon ihr Götti staunte nicht schlecht, als sie von ihm eine Lieferung «Rindersamen» auf den Geburtstag wünschte.

Die Schülerin Bettina Märki mit ihren Kühen.     

Die Schülerin Bettina Märki mit ihren Kühen.     

Chris Iseli

Bettina Märki schlägt eine Seite des «Toro» auf und erklärt: 85 Franken kosten zum Beispiel Samen, bei denen man zu 90 Prozent sicher gehen kann, dass danach ein weibliches Kalb geboren wird. Bei der Standard-Version für 50 Franken stehen die Chancen 50:50. Da ihre Familie auf Milchproduktion setze, seien gute Kühe das Ziel. Kämen männliche Kälber auf die Welt, würden diese gemästet.

Fachsimpeln mit dem Vater

Schon als Kind hatte sie grosse Freude am Landwirtschaftsbetrieb ihrer Familie. Während ihre beiden Schwestern andere Interessen verfolgen, sei sie nach der Schule jeweils gleich in den Kuhstall gegangen. 18 Milchkühe der Rasse Holstein hält die Familie heute im Stall beim Oberen Hafen. Mit zwei Kühen ist sie aufgewachsen, darunter ihre Lieblingskuh Elvira.

Diese hat sie sich selbst gekauft, nachdem sie jahrelang dafür gespart hatte. «Bettina träumte davon, mal ein weisses Kalb zu haben», erzählt ihre Mutter Kathrin Märki. Vor zwei Jahren konnte sie sich diesen Traum erfüllen und mit ihrem Vater Stephan bei einem Züchter Elvira abholen gehen. Dies war ihr Start in die Rinderzucht. Heute kümmert sich Bettina um ihre beiden Kühe, fachsimpelt mit ihrem Vater und vergleicht, wer die besseren Kühe hat.

Als wir im Stall vorbeikommen, streichelt Bettina Elviras Kopf liebevoll. Jede der 18 Kühe erkennt sie an ihren Flecken. Während ihr Vater und ihr Grossvater jeweils frühmorgens nach den Kühen schauen, hilft sie nachmittags nach der Schule im Stall mit und manchmal auch auf dem Ackerfeld.

Bettina kümmert sich um ihre beiden Kühe, fachsimpelt mit ihrem Vater und vergleicht, wer die besseren Kühe hat.     

Bettina kümmert sich um ihre beiden Kühe, fachsimpelt mit ihrem Vater und vergleicht, wer die besseren Kühe hat.     

Chris Iseli

Bei der Berufswahl ist bei Bettina Märki der Fall klar: Sie folgt ihrer Berufung und wird nach der Bezirksschule in eineinhalb Jahren eine Lehre als Landwirtin beginnen. Die Stelle auf dem Bächlihof in Oberflachs hat sie bereits auf sicher. Dort widmet sich Landwirt Stefan Käser bereits seit einiger Zeit der Rinderzucht (die AZ berichtete). Ideal also, um ihre Leidenschaft auszuleben. Letztes Jahr ist sie auch dem Aargauer Jungzüchter-Verein beigetreten. «An der letzten GV war ich klar die Jüngste», sagt sie. Das einzige Mädchen aber nicht.

Mutter Kathrin Märki schätzt dabei besonders, dass ihre Tochter ihre Berufung auf so natürliche Weise entdeckt habe. «Wir haben unsere drei Töchter nie dazu gedrängt, Landwirtinnen zu werden oder einst unseren Hof zu übernehmen. Bei Bettina war die Freude an der Landwirtschaft aber klar, seit sie ein Kind ist», sagt sie.

Höchstens Tierärztin wäre als Beruf noch infrage gekommen, sagt Bettina Märki. Wer aber so eine klare Leidenschaft hat, kann gar nicht anders, als diese zu verfolgen. Und von ihren Schulkolleginnen werde sie jedenfalls nie schräg angeschaut wegen ihres vermeintlich unüblichen Hobbys.