Brugg

Betten statt Armeefahrzeuge, Sicherheitszaun statt Parkplatz: Am Montag ziehen erste Asylbewerber ein

So sieht das neue Bundesasylzentrum in Brugg aus. Ein Bericht von TeleM1.

So sieht das neue Bundesasylzentrum in Brugg aus. Ein Bericht von TeleM1.

In den militärischen Hallen in Brugg geht ein neues Bundesasylzentrum für maximal drei Jahre in Betrieb: 40 Männer machen den Anfang. Insgesamt können bis zu 230 alleinreisende Männer untergebracht werden.

In den vergangenen Monaten hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) rund 700'000 Franken in die Vorbereitungen für das neue Bundesasylzentrum (BAZ) an der Ländistrasse in Brugg investiert. Am Montag ziehen hier die ersten 40 Asylbewerber ein. Die jungen Männer werden aus der Region Zürich in den Aargau verlegt. Sie stammen ursprünglich aus Afghanistan, Syrien, der Türkei oder Nordafrika.

Aktuell sind die Kapazitäten der 16 über die ganze Schweiz verteilten BAZ durchschnittlich zu über 90 Prozent ausgeschöpft. Ansteigende Asylgesuchszahlen und geltende Empfehlungen des Bundes zum Schutz vor einer Covid-19-Ansteckung machten zusätzliche Unterbringungskapazitäten notwendig. Das BAZ in Brugg ist deshalb ausdrücklich als temporäre Lösung für bis zu 230 alleinreisende Männer zu verstehen. Es wird maximal während drei Jahren zur Verfügung stehen. «Je nach Entwicklung kann dieses Zentrum auch schon nach zwei Jahren geschlossen werden», sagte Claudio Cotting am Freitagmorgen auf einem Medienrundgang. Er ist Leiter Partner und Administration der Asylregion Zürich beim SEM und Mitglied der Brugger Begleitgruppe.

Maximal 99 Männer haben tagsüber Ausgangszeiten

Die Unterkunft in den Brugger Motorfahrzeugdienst-Hallen ist in drei Sektoren eingeteilt. Im ersten sind die Verdachtsfälle untergebracht, Männer also, die in Quarantäne sind. Dafür stehen 66 Schlafplätze zur Verfügung. Im mittleren Sektor stehen 99 Betten für «Normale» bereit und im dritten insgesamt 55 Betten für Infizierte. Das BAZ ist so organisiert, dass sich die Leute aus den drei Sektoren nicht mischen sollten. Mit anderen Worten: Jeder Sektor hat über dem Schlaftrakt seinen eigenen Aufenthaltsbereich für Essen und andere Beschäftigungen. Hier gibt es jeweils auch eine Art Stube mit Sofas und grossem Flachbildschirm.

So sieht der Aufenthaltsraum mit Sofa und Fernseher aus.

So sieht der Aufenthaltsraum mit Sofa und Fernseher aus.

Um die Distanzregeln einzuhalten, darf nur jedes zweite Bett benutzt werden. Zudem sind die Kopf- und Fussenden alternierend. Ausser beim Schlafen und Duschen herrscht im BAZ ständig Maskenpflicht. Besteht bei einem Asylbewerber aus dem mittleren Sektor ein Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung, wird er in den ersten Bereich verlegt. Gleichzeitig hat dies zur Folge, dass sich alle anderen vom «normalen» Sektor für zehn Tage in Quarantäne begeben müssen.

Ansonsten dürften die maximal 99 Bewohner des mittleren Sektors während der Ausgangszeiten – täglich von 9 bis 17 Uhr – das BAZ verlassen. Die Männer der beiden anderen Sektoren können nur auf dem eingezäunten Platz vor dem Schlaftrakt frische Luft schnappen. Dusche und WC befinden sich in blauen Containern im hinteren Hallenteil.

Für die Bevölkerung gibt es eine 24-Stunden-Hotline

Das gesamte Gelände ist eingezäunt worden und nicht öffentlich zugänglich, auch nicht für Freiwillige, die den Asylbewerbern beispielsweise Deutsch beibringen möchten. Im Eingangsbereich ist das Sicherheits- und Betreuungspersonal untergebracht. Wer ein- und ausgeht, wird kontrolliert. Vor Ort ist auch Pflegepersonal stationiert.

Die Bevölkerung kann das Bundesasylzentrum rund um die Uhr über eine Hotline-Nummer telefonisch erreichen. Die Nummer wird ab Montag auf der SEM-Website publiziert. Mit der Betreuung der Asylbewerber in Brugg hat das SEM die Firma ORS beauftragt. Claudio Cotting vom SEM betonte: «Es besteht grundsätzlich die Pflicht, dass alle Männer mindestens vier Stunden am Tag beschäftigt werden müssen.» Denkbar sind Reinigungs- oder Haushaltsarbeiten wie die Mithilfe beim Essen verteilen. Auch die kargen Wände warten noch darauf, schön gestrichen zu werden.

SV-Restaurant übernimmt den Caterer-Service

Gekocht wird nicht im BAZ. «Das Essen wird vom SV-Restaurant im Campus Brugg-Windisch geliefert», fuhr Claudio Cotting fort. Wie in allen BAZ üblich gibt es aus Rücksicht auf die verschiedenen Religionen nie Schweinefleisch, sondern relativ häufig Pouletfleisch.

In den BAZ halten sich primär Personen auf, deren Asylverfahren unter das Dublin-Abkommen fällt oder deren Asylgesuch abgelehnt wurde. Das heisst: Die Männer in Brugg werden die entscheidenden Verfahrensschritte bereits hinter haben und sich in «Warte- oder Ausreisefunktion» befinden.

Martin Bucher, Leiter Asylregion Zürich beim SEM, betonte: «Wir sind sehr froh, dass wir mit der Stadt Brugg eine Vereinbarung treffen konnten.» Auch der Kanton ist im Boot. So hat die Kantonsärztin das Schutzkonzept vor Ort abgenommen. Die Begleitgruppe, in der Vertreter der Anwohner dabei sind, trifft sich einmal pro Monat.

Meistgesehen

Artboard 1