Der Campussaal der Stadt Brugg und der Gemeinde Windisch wird als «Raum für grosse Ideen» vermarktet. Gross waren im Oktober 2013 bei der offiziellen Eröffnung auch die Erwartungen der Standortgemeinden, der potenziellen Veranstalter, der Betreiber und der Steuerzahler.

Ein grosser Teil der Bevölkerung kennt den Saal nach wie vor erst vom Hörensagen. Die wenigsten hatten seither Gelegenheit, selber an einer der bisher 100 Veranstaltung teilzunehmen.

Was kostet eigentlich eine Veranstaltung im Campussaal mit allem Drumherum? Die az hat bei der Betriebsleiterin, Kathrin Kalt, nachgefragt.

Frau Kalt, am vergangenen Dienstag hat die Fifa innert weniger Stunden zu einer Medienkonferenz eingeladen. Hätte diese so kurzfristig auch im Campussaal stattfinden können?

Kathrin Kalt: Ja, wir hätten sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt und Sepp Blatter mit seinen Leuten empfangen. Vorausgesetzt natürlich, der Saal wäre noch verfügbar gewesen.

Es wird immer wieder gemunkelt, dass der Campussaal für weniger als 5500 Franken Miete nicht zu haben sei. Stimmt das?

Bei den Mietkosten gibt es verschiedene Abstufungen und diese wiederum sind abhängig von unterschiedlichen Zusatzleistungen, die optional in Anspruch genommen werden können.

Was heisst das konkret?

Die sogenannten Raumbereitstellungskosten sind abgestuft. Gebucht werden kann der ganze Saal, nur der vordere Teil mit der Bühne, respektive der hintere Teil oder das Foyer. Am Samstag und Sonntag ist die Miete 20 Prozent günstiger als an den Werktagen. Eine weitere Preisabstufung erfolgt, wenn der Raum nur am Vormittag beansprucht wird und bis 14 Uhr wieder frei gegeben werden kann.

Und dann fallen noch Kosten für Mobiliar, Catering, Personal und Technik an?

Ja, uns ist es sehr wichtig, auf die individuellen Kundenwünsche einzugehen. Kein Anlass ist wie der andere. Unsere Qualität muss von A bis Z top sein. Unser Image – einen professionellen Service aus einer Hand zu bieten – setzen wir nicht aufs Spiel.

Trotzdem muss es doch irgendwelche Anhaltspunkte geben, damit sich die Kunden etwas unter den Gesamtkosten vorstellen können. Was kostet zum Beispiel ein einfacher Steh-Apéro im Foyer für 200 Personen?

An einem Wochentag beträgt die Miete 1500 Franken, dazu kommen schätzungsweise 800 Franken fürs Mobiliar, je 1000 Franken für Getränke inklusive Wein und für ein einfaches Catering mit Speckzopf, Chips und Nüssli.

Anlassleiterin und Servicepersonal kosten zusammen rund 1200 Franken. Für die Technik mit Mikrofon, Rednerpult und gesichertem WLAN ist mit etwa 900 Franken zu rechnen. Total sprechen wir von etwa 6400 Franken oder 32 Franken pro Person.

Der Kunde kann zwischen fünf Caterern aus der Region auswählen. Die Getränke muss er über Ihren Betrieb beziehen. Ebenso das Servicepersonal und die Technik. Bevormunden Sie Ihre Kunden?

Nein, im Gegenteil. Nur so können wir garantieren, dass wirklich das ganze Paket an Dienstleistungen einwandfrei aufeinander abgestimmt ist. Das geht über die Lichtfarbe, die Schlaufen an den Stehtischen, die Technik, den Blumenschmuck, das Catering, die Garderobe und die Reinigung der Toiletten. Ohne unsere Koordination kann bei einem Anlass viel schiefgehen.

Welche Kosten werden von den Kunden am meisten unterschätzt?

Eindeutig die für die Zusatz-Technik.

Warum?

Den Anlass ins richtige Licht zu rücken, Mikrofon und Mischpult korrekt zu bedienen sowie für Doppelprojektionen und pannenfreie Präsentationen zu sorgen, erfordert einiges an Fachkenntnissen und hochwertigem Equipment. Da braucht es Profis. Wir alle wissen doch: Wenn die Technik nicht klappt, ist der ganze Anlass in Gefahr.

Was ist, wenn eine Musik-Band ihre eigenen Techniker mitbringt?

Mindestens ein Techniker muss von uns dabei sein, weil er über die nötigen Saal-Infrastruktur-Kenntnisse verfügt. Er garantiert, dass die Infrastruktur richtig eingesetzt und nichts beschädigt wird. Der Campussaal ist zwar auf Sprachbeschallung ausgerichtet. Technisch lässt er sich aber problemlos für Musikbeschallung umrüsten.

Brugg und Windisch hätten letztes Jahr den Campussaal zehnmal mietfrei nutzen können. Die Gemeinden – respektive einige Bildungsinstitutionen – machten aber nur viermal davon Gebrauch. Was sind die Gründe?

Grundsätzlich würde ich es begrüssen, wenn die beiden Kommunen für die mietfreien Anlässe mehr Eigendynamik entwickeln und selbst als Veranstalter Anlässe organisieren. Etwas Schöneres könnten sie der Bevölkerung kaum bieten. Bei der mietfreien Nutzung fallen trotzdem noch Kosten, für Mobiliar, Catering und Technik an.

Offenbar gibt es Bestrebungen, einen wiederkehrenden, kulturellen Anlass im Campussaal auf die Beine zu stellen. Wie weit sind Sie da?

Ja, dazu laufen Gespräche und wir stehen auch in Kontakt mit den Kulturhäusern Dampfschiff, Odeon und Salzhaus. Wir verstehen uns nicht als Konkurrenten, sondern wollen gemeinsam einen hochwertigen, öffentlichen Anlass organisieren, mit dem sich Brugg-Windisch über die Kantonsgrenze hinaus als attraktiven Veranstaltungsort positionieren kann.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Trafo in Baden und dem Kultur & Kongresshaus in Aarau?

Wir haben einen guten Zusammenhalt unter den Event-Locations. Uns ist es ein Anliegen, gemeinsam als Aargauer Veranstaltungsorte aufzutreten, um uns mit den ausserkantonalen in Luzern, Basel und Zürich zu messen. Das ist uns bis jetzt ganz gut gelungen.

Im Jahresbericht der Campus Betriebs AG steht: «Es zeichnet sich ab, dass die hoch gesteckten Ziele im Jahr 2015 nur schwerlich zu erreichen sind.» Das stimmt nicht gerade optimistisch.

Nach bald zwei Jahren Betrieb wissen wir, dass die Plan-Budgets, die damals auf der grünen Wiese erstellt wurden, mit der Realität nicht ganz übereinstimmen. Doch hier jammern wir auf hohem Niveau. Wir befinden uns noch immer in der Anfangsphase. Bis es zu einem Auftrag kommt, wird unsere erste Offerte im Durchschnitt sechsmal angepasst. Dazu kommen noch mehrere Besichtigungen vor Ort. Diese Arbeit ist nicht zu unterschätzen und wird nicht separat verrechnet.

Wenn der Kunde anbeisst, ist er mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis meistens zufrieden.

Genau, unsere Kundenzufriedenheit ist erfreulicherweise sehr hoch. Wir haben immer mehr wiederkehrende Kunden. Das erleichtert uns die Arbeit. Der Vorleistungsaufwand nimmt ab, weil wir die Bedürfnisse unserer Gäste bereits kennen.

Wäre es eigentlich machbar, jeden Tag eine Veranstaltung im Campussaal durchzuführen?

Theoretisch könnten wir sogar zwei Veranstaltungen pro Tag durchführen an sieben Tagen pro Woche. Im September werden wir während 10 Tagen jeden Tag eine andere Veranstaltung ausrichten dürfen. So macht unsere Arbeit natürlich besonders Spass.