An der Dorfstrasse 24 in Windisch wird ein neues Wohnhaus erstellt. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft findet die Kantonsarchäologie im Vorfeld genügend Zeit, archäologische Grabungen vorzunehmen, liegt das Grabungsfeld doch im Zentrum des Legionslagers Vindonissa.

Diese begannen im Februar und dauern voraussichtlich bis Ende Juni. Es handelt sich zwar um eine kleine Grabungsfläche – 12 auf 12 Meter –, aber um einen bedeutenden römischen Standort, wie der Leiter Ausgrabungen Vindonissa, Jürgen Trumm, der AZ bei einem Augenschein schilderte.

Denn im Boden findet sich ein Teilstück der sogenannten Basilica, eines Grossbaus von 100 Meter Länge und 30 Meter Breite. Dieser war ein Herzstück des Lagers.

Verhandlungen und Zeremonien

Die hohe Säulenhalle mit Mittelschiff und zwei Seitenschiffen war ein multifunktionaler Bau, der unter anderem der Durchführung von Zeremonien, Gerichtsverhandlungen und Versammlungen mit Ansprachen des Legionskommandanten diente.

Diesem stand hierfür ein Podest, ein sogenanntes Tribunal, zur Verfügung. Dessen Bodenplatten sind mit grosser Wahrscheinlichkeit nun freigelegt worden. Der Palast des Kommandanten, Praetorium genannt, schloss sich südlich der Basilica an, während unmittelbar nördlich die Lagerhauptstrasse (via principalis) vorbeiführte.

Bereits bei benachbarten Wohnhausbauten und -anbauten 1932 und 1956 waren mächtige römische Mauern zum Vorschein gekommen. Aufgrund fehlender finanzieller und personeller Mittel waren diese Funde aber nur oberflächlich dokumentiert worden, bevor sie der Unterkellerung restlos zum Opfer fielen.

Umso grösser war und ist das Interesse des kompetenten, von Hermann Huber geleiteten Grabungsteams und von Jürgen Trumm, neue Aufschlüsse zu erlangen. «Hier kann das Bild von Vindonissa um eine ausserordentlich wichtige Einzelaufnahme ergänzt werden», so Trumm.

Tatsächlich konnten bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Vorgestossen ist man in zwei Grabungsfeldern auf das markante Fundament aus der Zeit der Steinbauten, also aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts.

Ungestörte Schichten und komplizierte Strukturen sind ebenso aufschlussreich wie die handfesten Funde. Zu diesen zählen unter anderem viele spätrömische Münzen oder Architekturfragmente wie Reste eines Frieses und eines Kapitells.

Imposante Säulenreihen

Apropos Kapitell: Freigelegt wurde inzwischen eine erste, hervorragend erhaltene Säulenbasis, eine zweite steht kurz vor der Freilegung. Die Säulenreihen bestanden aus je 15 Säulen, jede 3,6 Meter hoch. Sie waren in sparsamer, aber effizienter Bauweise aus Ziegelfragmenten zusammengesetzt und verputzt worden.

Verputz findet man auch auf Mauerresten.
In einer weiteren Etappe wird man rund einen Meter tiefer vorstossen und dann, so hofft man, Reste der Holzbau-Zeit mit Fachwerk vorfinden. Nicht ausgeschlossen sind selbst Spuren aus der Keltenzeit.

In späterer Zeit ist die Basilica abgerissen und durch einen fast gleichgrossen Apsidenbau ersetzt worden. Gehörte dieser noch zum Legionslager, wie Trumm vermutet? Oder ins 2. bis 4. Jahrhundert? Auch weitere Fragen harren noch einer Antwort.

Zum Beispiel: Wann wurde der Grossbau errichtet, umgebaut und aufgegeben? Und finden sich gar noch Anhaltspunkte zur Legionslagergründung?