Brugg
Berufsschüler zahlen über 40'000 Franken Bussen – Schule peppt damit Garten auf

Schüler, die am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg zu spät zum Unterricht erscheinen oder ganz fernbleiben, werden mit einer Busse bestraft. An und für sich nichts Neues: So wird es seit über 25 Jahren gehandhabt. Aber so viele Strafzettel wie in den letzten Jahren wurden noch nie verteilt.

Marina Bertoldi und Claudia Meier
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Rektor Heinz Schlegel zeigt, was mit den Einnahmen der Schülerbussen hinter dem BWZ an der Annerstrasse in Brugg entstanden ist: Ein lauschiges Plätzchen mit Feuerring und Sitzbänken, das auch für Aussenstehende zugänglich ist. cm

Rektor Heinz Schlegel zeigt, was mit den Einnahmen der Schülerbussen hinter dem BWZ an der Annerstrasse in Brugg entstanden ist: Ein lauschiges Plätzchen mit Feuerring und Sitzbänken, das auch für Aussenstehende zugänglich ist. cm

Claudia Meier

In der Schule gibt es Regeln. Pünktlich zum Unterricht zu erscheinen gehört genauso dazu, wie brav die Hausaufgaben zu machen. Dass sich nicht immer alle daran halten, ist nichts Neues. Am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg werden Schüler, die sich nicht an die Abmachungen halten, seit Jahrzehnten mit Bussen bestraft. So viele Strafzettel wie in den letzten Jahren mussten die Lernenden aber noch nie bezahlen – und das hat einen Grund.

Über 70 500 Franken hat das BWZ Brugg im Schuljahr 2013/14 mit Bussen eingenommen. Bei knapp 1300 Schülern sind das über 55 Franken pro Person. Jeder Schüler hat also durchschnittlich fünfeinhalb Bussen bezahlt – ein Spitzenwert.

Ganz so hoch waren die Zahlen im Folgejahr nicht. Dennoch hat das BWZ auch im Schuljahr 2014/15 über 43 000 Franken eingenommen, was heruntergebrochen auf einen Schüler mehr als 36 Franken sind. «Die Bussen wurden schon verteilt, als ich vor 26 Jahren hier angefangen habe. Dass wir aber so viel Geld damit einnehmen, ist neu», sagt Schulleiter Heinz Schlegel.

Mehr Absenzen als früher

Die hohen Einnahmen sind vor allem auf Absenzen zurückzuführen. Grund sei aber nicht etwa, dass Jugendliche sich heute weniger an Regeln hielten als früher. Aber man kann die Schüler laut Schulleiter Heinz Schlegel schlicht besser überwachen. Seit die Berufsschule vor rund drei Jahren ein Programm zur Erfassung der Absenzen eingeführt hat, werden alle Abwesenheiten genau erfasst. «Wenn der erste Lehrer am Morgen das Programm hochfährt, kommt automatisch die Klassenliste, in der er eintragen kann, wer fehlt.» So sehe auch der nächste Lehrer, welche Schüler bereits gefehlt haben.

Eingeführt wurde das Absenzenwesen auf Wunsch der Lehrerschaft. «Sie war mit dem Informationsfluss nicht zufrieden», sagt Heinz Schlegel. Jetzt sei das anders. Das neue System erleichtere sowohl den Lehrern als auch den Sekretariatsmitarbeitern die Arbeit. «Wir können den Lehrmeistern über die Schülerpräsenz nun sehr genau Auskunft geben», fährt der Rektor fort.

Das Verhalten der Schüler habe sich aber nicht grossartig geändert. Es gebe immer einen kleinen Teil der Schüler, der sich auch von Strafzetteln nicht dazu bringen lasse, sich an die Regeln zu halten. Ein Grossteil der Lernenden sei aber zuverlässig. «Rund 80 Prozent erhalten fast nie eine Busse», betont Heinz Schlegel.

Pro Verstoss gegen die Regeln wird den Berufsschülern zehn Franken verrechnet. Das damit eingenommene Geld kommt in einen Fond. Eingesetzt wird es unterschiedlich. Es wird damit zum Beispiel ein Teil des Skitags bezahlt, Exkursionen ermöglicht oder die Prämierungsgeschenke für die besten Abschlussarbeiten finanziert. Letztes Jahr wurde ausserdem ein grosser Teil der Bussgelder für die Neugestaltung des Schulgartens eingesetzt. Zwei Schüler und zwei Lehrpersonen haben sich der Umgestaltung angenommen und eine neue Feuerstelle errichtet. Hier sollen die Lernenden künftig ihren Abschluss feiern können. Der mit Kies, Pflastersteinen und Sitzbänken neu gestaltete Platz steht auch Aussenstehenden offen.

An der BFGS gibt es keine Bussen

Wie streng die Lehrer am BWZ Brugg Bussen verteilen, ist individuell. Grundsätzlich kann jede noch so kurze Verspätung abgestraft werden. «Dann muss der Lehrer meiner Meinung nach aber immer, wirklich immer, pünktlich sein», so Heinz Schlegel. Ziel sei es nicht, möglichst viele Bussen zu verteilen, sondern den regelmässig besuchten Unterricht durch die Lernenden sicherzustellen.

Ein Grossteil der Bussen wird in den Abteilungen Technik und Natur des BWZ an der Annerstrasse verteilt. Laut Schulleiter Heinz Schlegel ist der Grund dafür einfach: «Das KV an der Industriestrasse verzichtet auf das elektronische System.»

Gar keine Bussen verteilt indes die kantonale Berufsfachschule Gesundheit und Soziales (BFGS) Brugg. Schulleiter Felix Scheidegger sagt dazu: «Wir können bis dato einen geordneten Schulbetrieb ohne das Verhängen von Bussen sicherstellen.»