Berufsmeisterschaften
«Mit der Medaille habe ich meinen Beitrag zum Teamergebnis geleistet» – dieser Windischer Elektroniker holt an den Euroskills Silber

Mario Liechti hat sich an den Berufsmeisterschaften vom 22. bis 26. September mit der internationalen Konkurrenz gemessen. Wie die grösste Herausforderung zum besten Moment des Wettkampfs führte und was dem 22-Jährigen der zweite Platz bedeutet.

Carla Honold
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Mario Liechti (links) wurde an den Berufsmeisterschaften von Experte Markus Lempen begleitet.

Mario Liechti (links) wurde an den Berufsmeisterschaften von Experte Markus Lempen begleitet.

zvg/Swissskills

«Ich war mit meiner Leistung auch an den Wettkampftagen immer zufrieden», erklärt Mario Liechti. An den Euroskills vom 22. bis 26. September in Graz (Österreich) trat der Elektroniker gegen die europäische Konkurrenz an.

In seiner Kategorie waren die Wettkampftage laut Liechti aussergewöhnlich lange. «Es gab viele Verlängerungen und Wartezeiten», so der 22-Jährige. In Momenten wie diesen sei es wichtig, die Konzentration hochzuhalten. Er berichtet:

«Das habe ich jeweils geschafft, auch weil wir es im Vorfeld trainiert hatten.»

Im Wettbewerbsfeld waren neben Liechti Elektroniker aus Österreich, Russland, Portugal und der Slowakei dabei. «Die Konkurrenz war sehr stark», erzählt Liechti. So sei es am Ende der Wettkampftage schwierig gewesen, die eigene Leistung einzuschätzen.

Die letzten Stunden brachten die grösste Herausforderung

Liechti ist in Villigen beim Paul-Scherrer-Institut angestellt.

Liechti ist in Villigen beim Paul-Scherrer-Institut angestellt.

zvg/Swissskills

Kurz vor Ende des Wettkampfs, am Samstagabend, 25. September, wurde Liechti mit einer schwierigen Situation konfrontiert. In der finalen Aufgabe mussten die Elektroniker Fehler auf einer Leiterplatte finden.

«Ich habe einen Fehler auf dem Sensor neben der Platte entdeckt, was zu einem grossen Zeitverlust führte», erzählt Liechti. «Ich war an diesem Punkt sehr durcheinander.»

Auf den Tiefpunkt folgte ein Highlight

Liechti holte in Österreich eine von 14 Medaillen für die Schweiz.

Liechti holte in Österreich eine von 14 Medaillen für die Schweiz.

zvg/Swissskills

Nach einem mentalen Training mit seinem Teamleiter, der alle Besuchenden aus dem Raum schickte, erhielt er 30 zusätzliche Minuten. In der halben Stunde habe er noch einmal konzentriert arbeiten können. «Nachdem die Zeit abgelaufen war, strömten die Zuschauenden wieder in die Halle.»

Die Teammitglieder der 17-köpfigen Schweizer Delegation sowie die geladenen Gäste, unter ihnen Liechtis Familie, waren nach der herausfordernden Situation ein willkommener Anblick. «Als sie wieder reinkamen, war ich tief berührt», so Liechti. Es sei der beste Moment der Meisterschaft gewesen. «Das hat mir gezeigt, dass wir wirklich ein Team sind.»

Liechti gewinnt an den Euroskills Silber

Nach den anspruchsvollen Wettkampftagen stand am Sonntag, 26. September, die Siegerehrung auf dem Programm. Mit 706 Punkten platzierte sich Liechti zwischen seinem österreichischen (700) und dem russischen (726) Konkurrenten und holte für die Schweizer Delegation eine von drei Silbermedaillen. Das Ranking bedeute ihm sehr viel:

«Die Silbermedaille ist eine Bestätigung für das, was ich erreicht habe.»
Die Euroskills fanden zum siebten Mal statt.

Die Euroskills fanden zum siebten Mal statt.

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Auch am Telefon ist seine Freude spürbar. «Ich habe am Wettkampf alles gegeben und das Beste aus mir rausgeholt.»

Er freut sich nicht nur über das eigene Glanzresultat

Mit Stolz erfülle ihn auch das Ergebnis der Schweizer Delegation. Mit 14 Medaillen, darunter sechs goldene, in 16 Disziplinen holte sie das beste Resultat der Teamgeschichte. «Mit der Medaille habe ich meinen Beitrag dazu geleistet.» Liechti sagt:

«Der grosse Zusammenhalt macht das Team aus.»

Das Schweizer Nationalteam schrieb an den Euroskills Geschichte.

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Gemeinsam mit den Experten und den Gästen feierte die Schweizer Nationalmannschaft den Erfolg am Sonntag nach der Siegerehrung. Am Montag reiste die Delegation nach Wien und am Dienstag zurück in die Schweiz. In Rümlang wurden die Berufsleute am Abend willkommen geheissen.

Liechti blickt nach vorne in Richtung Shanghai

Im nächsten Jahr vertritt Liechti die Schweiz in Shanghai.

Im nächsten Jahr vertritt Liechti die Schweiz in Shanghai.

zvg/Swissskills

Lange ausruhen wird sich Liechti nach seinem Erfolg nicht. «Am Mittwoch bin ich wieder bei der Arbeit», sagt er. Am Paul-Scherrer-Institut in Villigen ist der 22-Jährige seit seiner Lehre tätig.

Ab Mitte Oktober leistet er drei Monate Zivildienst. Darauf folge die Vorbereitung für die Worldskills 2022 in Shanghai. Für die Weltmeisterschaft qualifizierte Liechti sich mit dem Schweizer-Meister-Titel im letzten Jahr. Er weiss:

«Von den Euroskills kann ich unzählige Erfahrungen mitnehmen.»

Er sei nun auf vieles vorbereitet und könne richtig reagieren. Die Auswertung der Europameisterschaftsergebnisse werde ihm im Hinblick auf den weltweiten Wettkampf ebenfalls helfen. «Dann kann ich an den Worldskills abräumen.»

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