Windisch

Berufsjäger David Meier: In Deutschland lebt er seinen Traum

Der 26-Jährige ist in der Nähe von Usedom zuständig für die Bewirtschaftung der Wildbestände. Als gerade mal einer von fünf Schweizern hat er in Deutschland die Ausbildung zum Revierjäger gemacht.

David Meier hat sich einen beruflichen Traum erfüllt. Als einer von nur fünf Schweizern hat der 26-jährige Windischer die Berufsausbildung zum Revierjäger in Deutschland absolviert. Heute ist er in einem Forst- und Landwirtschaftsbetrieb im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, genauer in der Nähe von Usedom, zuständig für die Bewirtschaftung der Wildbestände.

Die AZ konnte mit David Meier telefonieren, als er am Mittag in seinem Büro war. Geht es um seinen Beruf, dann kommt David Meier ins Reden. Die Leidenschaft für seine Tätigkeit ist ihm deutlich anzumerken.

Die Jagd war für ihn schon immer mehr als ein Hobby. Angefangen hatte es, als er noch ein kleiner Knirps war. Mit seinem Vater Hansruedi Meier, der in Windisch die Zentrum Metzg führt, ging er schon als Fünfjähriger mit in den Wald zum Jagen.

Das Beobachten der Tiere, das Naturerlebnis, aber auch der Kreislauf des Lebens haben David Meier gefesselt. Unbehagen hat ihn nie gepackt, wenn ein Tier erlegt wurde. «Ich bin damit aufgewachsen», sagt er. «Meine Eltern haben mich so erzogen und mir gesagt: ‹Wer Fleisch essen will, muss akzeptieren, dass dafür ein Tier sterben muss.›»

In der Theorie sind die Deutschen stärker

Für David Meier war schnell klar, dass er die Jägerausbildung absolvieren möchte. Weil sein Vater in Süddeutschland ein Revier gepachtet hatte, wollte David Meier in Deutschland die Jagdprüfung machen. Mit dieser ist es fast in der ganzen Schweiz erlaubt zu jagen. Hingegen alleine mit der Aargauer Jagdprüfung nicht.

Bevor David Meier aber die Ausbildung absolvieren durfte, musste er seine Lehre als Landschaftsgärtner abschliessen. Das war die Vorgabe seiner Eltern. Mit 19 Jahren nahm er die Ausbildung in Angriff. Er konstatiert: «Die Ausbildung in Deutschland ist theoretischer als im Aargau. Dafür ist die praktische Ausbildung im Aargau besser.» Im Anschluss an den deutschen Jagdschein absolvierte er den Militärdienst und wurde Oberleutnant.

Als zwei seiner besten Kollegen ins Ausland gingen, suchte auch David Meier eine neue Herausforderung. Zuerst machte er die Aargauer Jagdprüfung, dann entschloss er sich zu einem Praktikum als Berufsjäger in Deutschland. Bei Tuttlingen/im Hegau arbeitete er als Praktikant.

Der Betrieb bot ihm daraufhin die Lehrstelle an. Von Juni 2016 bis Juli 2018 absolvierte David Meier die Lehre. Zur Schule ging er beim Bund der bayrischen Berufsjäger, der sich im bayrischen Ruhpolding befindet. Die andere Möglichkeit wäre die Schule des Bundes deutscher Berufsjäger gewesen. Die Ausbildungsschwerpunkte der beiden Schulen sind aber unterschiedlich.

Wer denkt, dass sich Berufsjäger lediglich mit der Jagd auseinandersetzen, der täuscht sich gewaltig. An der Schule lernte David Meier, wie man den Lebensraum für das Wild gestalten kann, wie man den Bestand bejagt, damit die Tiere gesund sind. «Man lernt, wie das Wild richtig gefüttert wird, um den Lebensraum der Tiere zu optimieren und die artenreichen Wildbestände zu erhalten», sagt David Meier.

Dabei gehe es darum, mit dem Füttern zu verhindern, dass die Tiere Schäden an den Pflanzen im Wald verursachen. Dass er vorher Landschaftsgärtner war, kam David Meier in der Ausbildung sehr zugute. Seit Juli 2018 ist der Windischer also Berufsjäger. Er ist überzeugt: «Es braucht Berufsjäger, da wird auch die Schweiz nicht mehr lange darum herumkommen. Die Konflikte zwischen Wildtieren und Zivilisation nehmen zu.»

Als Berufsjäger könne man diese Konflikte dank dem Know-how entschärfen und Aufklärungsarbeit betreiben. Denn auch in der Schweiz stehe der Wald aufgrund des Klimawandels unter Druck. «Der Aargau verzeichnet viele Wildschäden, die viel kosten. So viel, dass der Lohn für einen Berufsjäger damit bezahlt werden könnte», ist David Meier überzeugt.

Er bezeichnet sich als Landwirt für Wildtiere

In seinem angestammten Lehrbetrieb konnte er nicht bleiben. In ganz Deutschland gibt es ungefähr 1000 Stellen für Berufsjäger. Doch David Meier erhielt ein Angebot von einem Landwirtschafts- und Forstbetrieb im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, im Nordosten Deutschlands.

Er zögerte, die Stelle anzunehmen, weil sie so weit entfernt war von seiner Heimat und jener seiner Freundin, die aus dem Schwarzwald stammt. Zuerst wechselte David Meier auf einen Betrieb in Nürnberg. Weil es mit dem Arbeitgeber aber Meinungsdifferenzen gab, entschloss er sich gemeinsam mit seiner Freundin, die seine Leidenschaft für seinen Beruf unterstützt, die Stelle in Mecklenburg-Vorpommern anzunehmen.

Zum Landwirtschafts- und Forstbetrieb in der Nähe von Usedom – gelegen auf einem Landvorsprung am Peenestrom und etwa 50 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – gehört viel Wald. Auch wenn die Menschen vor Ort manchmal etwas mürrisch seien, gefällt ihm seine Arbeit. 1700 Hektaren sind Jagdfläche. Für dieses Gebiet ist Meier hauptsächlich zuständig.

Es ist ein Hochwild-Revier; Rot-, Dam- und Rehwild sowie Wildschweine leben hier.
David Meier ist zuständig für Biotop-Gestaltungsmassnahmen und für Wildäcker, damit sich das Wild wohlfühlt. Zudem muss er die Reviereinrichtungen wie die Hochsitze instandhalten. Genauso die Pirschwege, damit sich die Jäger lautlos im Wald bewegen können. Auch Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung gehört zu seinen Aufgaben. Meier bezeichnet sich als Landwirt, der zuständig ist für Wildtiere.

Für die Arbeiten erstellt Meier ein Jahreskonzept. In diesem ist festgehalten, wann gejagt werden soll. Dabei setzt er auf Intervalljagd. Innert kürzester Zeit wird die festgelegte Anzahl Tiere gejagt, damit das Wild für den Rest der Zeit seine Ruhe hat.

Vor allem das Rotwild sei stressanfällig. Ist das Wild gestresst, versteckt es sich, sucht die verschiedensten Orte auf, um zu fressen. Das passt dann dem Förster nicht, wenn er Wildverbiss beispielsweise in einem frisch aufgeforsteten Gebiet feststellen muss. Kurz: Geht es dem Wild gut und ist es nicht gestresst, dann sind die Schäden weniger.

Die Drückjagd ist ein gesellschaftliches Ereignis

Im Moment ist David Meier damit beschäftigt, eine grosse Drückjagd zu organisieren. «Innert kurzer Zeit wollen wir möglichst viele Tiere erlegen», sagt er. «Das muss aber gut organisiert sein, auch sicherheitstechnisch.» Dazu müssen die entsprechenden Hunde und das Kartenmaterial besorgt werden. Sorgen bereiten ihm zurzeit die Pilzsammler, die das Wild aufscheuchen.

Die Drückjagd ist auch ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem Freunde und Geschäftspartner von David Meiers Chef eingeladen werden. Auf der Jagd pflegt der Windischer seine eigenen Rituale: «Ich setze mich immer neben das geschossene Tier, streichle über das Fell und halte fünf Minuten eine Totenwache. Aus Respekt vor dem Tier.»

Übrigens: David Meiers liebstes Wildgericht ist ein kurz angebratener Rehrücken oder auch Stücke vom Sikahirsch. Er kenne einen guten Metzger, der ihm das zubereiten könne, scherzt er.

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