Bezirk Brugg

Beizen braucht das Land: Neue Wirte mischen die Gastro-Szene auf

Myriam Koller (rechts) eröffnet mit ihren Angestellten Zef Perkola und Judit Gerencser heute Samstag das Restaurant Linde in Birr.

Myriam Koller (rechts) eröffnet mit ihren Angestellten Zef Perkola und Judit Gerencser heute Samstag das Restaurant Linde in Birr.

Entgegen dem berüchtigten Beizensterben: Heute Samstag werden gleich zwei Restaurants neu eröffnet: Die Linde in Birr und das «L'Ulivo» in Brugg. Und auch sonst ist die Gastro-Szene in der Region im Umbruch.

In der zentral gelegenen Birrer Dorfbeiz Linde laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Geschäftsführerin Myriam Koller steht hinter dem Tresen und reinigt die Gläser. Der Koch Zef Perkola und die Serviceangestellte Judit Gerencser helfen fleissig mit beim letzten Feinschliff. Schliesslich soll bei der heutigen Eröffnung alles perfekt sein.

Das Restaurant Linde war seit anfangs 2014 geschlossen. Die Veltheimerin Myriam Koller hat sich erst vor fünf Wochen dazu entschlossen, die Lokal zu übernehmen. «Ich habe mir damit einen Wunsch erfüllt. Es war purer Zufall, ein Kollege hat mir von dem Restaurant erzählt. Da brauchte ich gar nicht lange darüber nachdenken, denn ich wollte mich schon lange selbstständig machen», so die 46-jährige Wirtin.

Sie lasse sich nun einfach mal ins kalte Wasser fallen. Erfahrung habe sie bereits, schliesslich arbeite sie seit 26 Jahren im Service und leitete zuletzt ein Team in einem Restaurant in Muri, erwähnt Koller.

In der «Linde» hat sie vieles von ihrem Vorgänger übernommen. Das Flair der Dorfbeiz möchte sie beibehalten. Der grösste Aufwand sei die Reinigung des Lokals gewesen.

Sie will mit ihrem dreiköpfigen Team, zu dem auch ihre Tochter gehört, eine frische und gesunde Schweizer Küche anbieten, bei der ein Fondue-Stübli nicht fehlen darf.
Die Gastro-Szene in der Region Brugg ist im Umbruch. Auch in Rüfenach im Restaurant Heimat hat es im Dezember einen Wirtewechsel gegeben. Gabriela Boutellier führt zusammen mit ihrer Köchin Hanni Weber die Dorfbeiz.

Für sie ist es eine neue Situation, denn sie hat vorher noch kein Restaurant geführt. Mit dem Start ist die Wirtin zufrieden: «Natürlich gab es bessere und schlechtere Tage, aber wir sind ja auch noch in der Startphase und dass über Weihnachten nicht all zu viel los war, versteht sich von selbst. Wir haben inzwischen die Öffnungszeiten angepasst und haben nun dienstags und mittwochs geschlossen, da wir nur zu zweit sind.»

Das Restaurant Heimat hat sich auf Pferdefleisch spezialisiert. Bisher habe es sich schon herum gesprochen, dass das Lokal wieder offen ist. Die meisten Besucher kämen von auswärts, betont Gabriela Boutellier.

In Umiken wurde anfangs Oktober dem Gasthaus Löwen, das seit 2012 geschlossen war, neues Leben eingehaucht. Die gebürtige Thailänderin Pranee Peder hatte das Lokal im letzten Mai übernommen, musste aber wegen Problemen mit dem Wirtenpatent die Eröffnung auf den Oktober verschieben. Seither laufe das Restaurant gut, sagt der Sohn Uthen Bunchalieo, der momentan die Stellvertretung für seine Mutter macht.

Uthen Bunchalieo macht die Stellvertretung im Restaurant Löwen Umiken.

Uthen Bunchalieo macht die Stellvertretung im Restaurant Löwen Umiken.

Thailändisch für jüngere Gäste

«Unsere Mutter beliefert seit längerer Zeit das ‹Dampfschiff› mit unseren thailändischen Gerichten und ist auch durch ihren Party- und Lieferservice in der Region bekannt. Wir haben daher bereits eine Stammkundschaft und ziehen eher jüngere Leute an, die unsere thailändische Küche kennenlernen möchten. Die älteren Menschen sind etwas zurückhaltend», erwähnt der gelernte Metzger.

Er und sein jüngerer Bruder Roman Käppeli helfen ihrer Mutter zurzeit im Restaurant aus und kochen. Sie hoffen, dass sie noch möglichst lange im «Löwen» ihre Gerichte servieren dürfen. Man könne nie wissen, ob sich die Pläne der Liegenschaftsbesitzer ändern, meint Bunchalieo.

In Brugg beginnt heute Samstag im früheren «Santa Lucia» unter dem Namen «L'Ulivo» eine neue Ära. Das italienische Restaurant hat die Fleischauswahl erweitert und ist sieben Tage pro Woche offen.

Zurück zum Restaurant Linde in Birr: Nun geht auf den Schlussspurt zu. Heute werden bereits rund 35 geladene Gäste und Vereinsmitglieder zur Vorpremiere erwartet. Wirtin Koller möchte sich keine Nervosität anmerken lassen, sie hoffe einfach, dass man an alles gedacht habe und falls nicht, so werde dies einfach mit Humor und Charme gelöst. Auch der Koch Zef Perkola ist die Ruhe selbst und meint: «Warum sollte ich nervös sein, ich habe immerhin das Glück mit zwei hübschen Frauen zu arbeiten. Das kann nicht jeder behaupten.»

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