Bundesgericht
Beiständin gewürgt: Aargauer (50) muss in psychiatrischer Klinik bleiben

Der Schweizer, der vor drei Jahren seine Beiständin gewürgt hat, ist zu Recht über die Dauer der ausgesprochenen Strafe hinaus in die psychiatrischen Klinik Königsfelden zwecks Vollzugs einer stationären Massnahme eingewiesen worden.

Urs-Peter Inderbitzin
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Die Psychiatrische Klinik Königsfelden: Hier befindet sich der Mann, der im März 2014 seine Beiständin angriff.

Die Psychiatrische Klinik Königsfelden: Hier befindet sich der Mann, der im März 2014 seine Beiständin angriff.

Dominic Kobelt

Im März 2014 griff ein heute 50-jähriger Schweizer in den Räumlichkeiten eines Sozialen Dienstes im Kanton Aargau seine Beiständin an. Der Mann war im Laufe des Gesprächs wütend geworden, worauf die Beiständin das Gespräch beendete und den Mann zum Verlassen des Büros aufforderte.

Der psychisch angeschlagene Mann würgte die Beiständin mit beiden Händen und schlug ihren Kopf mehrmals an die Wand. Die Frau erlitt eine Gehirnerschütterung sowie Verletzungen, Prellungen und Hautunterblutungen am Hals, insbesondere auch am Kehlkopf, am Kopf sowie an der rechten Schulter und am rechten Arm.

Entlassungsgesuch abgewiesen

Das Bezirksgericht Laufenburg verurteilte den Gewalttäter im März 2015 wegen einfacher Körperverletzung sowie wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Den Vollzug der Freiheitsstrafe schob das Gericht zugunsten einer stationären Massnahme auf.

Der Verurteilte wurde daraufhin in die Psychiatrische Klinik Königsfelden versetzt. Ein halbes Jahr später ersuchte er um bedingte Entlassung aus der stationären Massnahme. Das Amt für Justizvollzug des Kantons Aargau wies das Gesuch im Frühjahr 2016 ab, wies jedoch die Psychiatrische Klinik Königsfelden an, umgehend Abklärungen für einen Übertritt des Patienten in ein betreutes Wohnen einzuleiten.

Gefahr schwerer Straftaten

Als das Aargauer Verwaltungsgericht diesen Entscheid bestätigte, rief der Mann das Bundesgericht an. In seiner Beschwerde forderte er, das Urteil des Verwaltungsgerichts sei aufzuheben und er sei sofort aus der stationären Massnahme bedingt zu entlassen. Das Bundesgericht hat die Beschwerde nach eingehender Prüfung abgewiesen. Insbesondere der Vorwurf, die Fortsetzung der stationären Massnahme sei unverhältnismässig, da der mit ihr verbundene Freiheitsentzug inzwischen weit über die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 Monaten hinausgehe, liess das Bundesgericht nicht gelten.

Auch das Argument, bei einer Freilassung bestehe kein Risiko für die Öffentlichkeit, überzeugte das Bundesgericht nicht. Aufgrund eines Berichts der Psychiatrischen Klinik Rheinfelden besteht bei einer sofortigen Entlassung nach wie vor eine Gefahr für schwere Straftaten, denn der Verurteilte könnte bei einer Überforderung in seine rigiden Denk- und Verhaltensmuster zurückfallen, wodurch sich das Risiko für die Begehung ähnlicher Straftaten erhöhe.

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