Brugg
Beim Personal gespart - das Kinderheim hat sich finanziell erholt

Kinderheim Brugg schreibt wieder schwarze Zahlen. Der Gürtel bleibt aber eng geschnallt – gleichzeitig stehen grosse Projekte in der Kinderbetreuung an.

Janine Müller
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Ein Blick in die Notfallgruppe des Kinderheims Brugg. Hier variieren die Belegungszahlen stark. AZ Archiv/Chris Iseli

Ein Blick in die Notfallgruppe des Kinderheims Brugg. Hier variieren die Belegungszahlen stark. AZ Archiv/Chris Iseli

Chris Iseli

Das Kinderheim Brugg schreibt wieder schwarze Zahlen, die Sparmassnahmen haben gegriffen. Vor einem Jahr noch mussten Gesamtleiter Rolf von Moos und der damalige Vizepräsident Thomas Wymann einen Betriebsverlust von 457'000 Franken bekannt geben. Gestern Montag präsentierten sie den Medien eine Jahresrechnung 2018 mit einem Betriebsergebnis von 345'100 Franken. Der Betriebsertrag betrug 13,5 Mio. Franken, der Personalaufwand 10,6 Mio. Franken und der Sachaufwand 2,2 Mio. Franken.

Damit ist auch klar, wo letztes Jahr am meisten gespart wurde: Beim Personal, da dies der grösste Ausgabenposten ist. Der Gürtel wurde enger geschnallt, die Mitarbeitenden schreiben im aktuellen Jahresbericht offen darüber. «Dies bedeutete grosse Einschnitte in unserem Berufsalltag. Es galt, in jedem Bereich Geld einzusparen», schreibt eine Bereichsleiterin. Oder: «Erfreulicherweise haben alle Mitarbeitenden, trotz Frustration, bei der Umsetzung von Massnahmen zu Einsparungen mitgeholfen», schreibt eine weitere Bereichsleiterin. Im März musste zudem das Angebot «Betreutes Wohnen» in Windisch aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

Sparmassnahmen beim Personal bedeuten beispielsweise, dass am Wochenende und während Ferien Gruppen zusammengelegt werden oder Aushilfen nur dann angefordert werden, wenn es überhaupt nicht mehr anders geht. Rolf von Moos stellt an der gestrigen Medienkonferenz klar: «Trotz gutem Ergebnis können wir den Gürtel jetzt nicht lockern.» Enger schnallen könne man ihn aber auch nicht. «Weiterführende Sparmassnahmen können wir nicht mehr realisieren und Investitionen nicht länger zurückgestellt werden. Die Qualität unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen würde massiv leiden.»

Olsberg wird ausgebaut

Das Jahr 2018 war für das Personal des Kinderheims kein einfaches, das ist dem Jahresbericht deutlich zu entnehmen. Neben den Sparmassnahmen kamen die Unsicherheiten aufgrund der Übernahme des Stifts Olsberg im Fricktal dazu (die AZ berichtete). Diese hätten sich aber mittlerweile gelegt, Rolf von Moos stellte eine leicht höhere Personalfluktuation fest. «Wir haben uns aneinander gewöhnt», konstatiert der Gesamtleiter.

Im Fricktal kommt es nun im Sommer zu grösseren Veränderungen. In Olsberg werden sechs neue Schulheimplätze sowie sechs zusätzliche Tagessonderschulplätze geschaffen. Um genügend Raum zu haben, mietet sich das Kinderheim Brugg im Alten Pfarrhaus in Kaiseraugst ein, wo die älteren Kinder untergebracht werden und von dort in Olsberg zur Schule gehen werden.

Im Stiftungsrat des Kinderheims Brugg kommt es ebenfalls zu Veränderungen. Zwei zusätzliche Stiftungsräte stossen dazu: Einerseits Stefanie Heimgartner (32) aus Baden, die für die SVP im Einwohner- und im Grossrat Einsitz nimmt und für den Nationalrat kandidiert. Andererseits Alfons P. Kaufmann, CVP-Grossrat aus Wallbach und ebenfalls Nationalratskandidat. Der Stiftungsrat hat bewusst die Nähe zur Politik gesucht, um da künftig etwas mehr Einfluss zu nehmen. Mit elf Mitgliedern hat der Stiftungsrat nun seine maximale Grösse erreicht. An der Spitze kommt es zudem zu einem Wechsel: Hansjörg Burger tritt als Präsident zurück, bleibt aber Stiftungsrat. An seine Stelle rückt Thomas Wymann, der bisher Vizepräsident war. Neuer Vizepräsident wird Stiftungsrat Daniel Engel.

Pflegefamilien sind Thema

Auf den Stiftungsrat des Kinderheims Brugg warten etliche Herausforderungen, insbesondere das neue Betreuungsgesetz verlangt Anpassungen und eine neue Orientierung. Weil auch im Bereich der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen vermehrt auf ambulant statt stationär gesetzt werden soll, machten sich die Verantwortlichen des Kinderheims Brugg mehr Gedanken zum Thema Pflegefamilien. Hintergrund: Die Unterbringung bei Pflegefamilien ist kostengünstiger. «Allerdings gibt es Grenzen», gibt Rolf von Moos zu bedenken. «Es gibt Fälle, für die Pflegefamilien nicht geeignet sind.» Dafür braucht es immer noch die Institution des Kinderheims.

Damit das Kinderheim Brugg dereinst möglicherweise Pflegefamilien ins Angebot aufnehmen kann, «prüfen wir derzeit eine Kooperation mit dem Verein Familynetwork, der in den Bereichen Pflegekinderwesen und Familienhilfe tätig ist», sagt Thomas Wymann. Unter anderem vermittelt der Verein Pflegefamilien. Eine allfällige Zusammenarbeit werde nun von Finanzexperten und Juristen geprüft, hält Thomas Wymann fest. Resultate erwarte man bis Ende Jahr. «Am Ende geht es uns darum, den richtigen Platz für die Kinder und Jugendlichen zu finden», sagt Rolf von Moos. Mit der Platzierung in Pflegefamilien würden entsprechend Kapazitäten im stationären Bereich frei. Diese wiederum könnten gefüllt werden mit jenen Kindern, die zurzeit ausserkantonal untergebracht werden müssen.

Tag der offenen Tür im Kinderheim unter dem Motto «Frühlingszauber» am Samstag, 18. Mai von 10 bis 17 Uhr am Wildenrainweg 8 in Brugg.