Zugegeben, etwas nervös bin ich an diesem Morgen schon, als ich das Areal der Pitch&Putt-Anlage in Schinznach-Bad betrete. Ich konnte zwar auf der «Nintendo Wii»-Konsole schon den einen oder anderen virtuellen Golfabschlag üben, bezweifle jedoch, dass mich das irgendwie weiterbringen wird. Ich treffe heute Marlis Picco, sie ist Leiterin der Anlage und spielt selber Golf. Von ihr bekomme ich eine kurze Instruktion.

«Sie merken schnell, ob Ihnen der Golfsport liegt oder nicht», erklärt mir Marlis Picco. Ich nehme die Aussage zur Kenntnis und bekomme von ihr ein Schlägerset in die Hände gedrückt.

Ein «Putter» fürs Einlochen, ein «Eisen 9» für die Abschläge sowie ein Eisen mit der Markierung S, um die kurzen Distanzen und heiklen Situationen zwischen Abschlag und dem Einlochen auf dem «Green» (fein gemähte Wiese rund um das Loch) zu lösen. «Auf unserer 9-Loch-Golfanlage sind die Distanzen nicht so lang wie auf den grossen 18-Loch-Plätzen, da braucht man nicht mehr als drei Schläger», betont Marlis Picco.

Klingt doch einfach, denke ich und begebe mich zum Probeabschlagplatz. Picco zeigt mir, was bei Schläger- und Körperhaltung zu beachten ist. Ich wage den ersten Versuch. Blick auf den Abschlagpunkt, ausholen und durchziehen . . . Ball nicht getroffen. Nach einem Wiederholungsversuch treffe ich. Mein erster Abschlag ist vollbracht, Tiger Woods kann kommen. Die Instruktion ist abgeschlossen, ich darf mich zu Loch eins begeben. Die Leiterin bleibt bei der Anmeldung.

Nach sieben Schlägen eingelocht

Mein erster Versuch beim ersten Loch geht zünftig in die Hose: Ich hole beim Abschlag kräftig aus, verziehe meinen Oberkörper und knalle das weisse Bällchen irgendwo gegen einen Baum. Der Ball ist out und es gibt einen Strafschlag, ich muss den Abschlag wiederholen. Nach sieben Schlägen habe ich endlich meinen ersten Ball eingelocht. Mehr kann man gar nicht haben, ansonsten wird einfach sieben notiert. Nur nicht den Kopf hängen lassen, sage ich zur Motivation meiner selbst.

Bei Loch zwei kommt der erste Bunker, so werden die mit Sand gefüllten Hindernisse auf dem Fairway im Golfsport bezeichnet. Fairway nennt man übrigens die gemähte Fläche zwischen Abschlag und «Green». Den Bunker überwinde ich, scheitere dann aber beim Einlochen. Ich muss mich mit fünf Schlägen zufriedengeben und gehe weiter zu Loch Nummer drei. Jetzt wird es richtig spannend, der Ball muss über einen kleinen Bach gespielt werden. Distanz, 64 Meter. Nun darf ich richtig durchziehen, denke ich mir, falsch gedacht. Der Ball rasselt mit geschätzten 200 Kilometern pro Stunde direkt in den Wald neben der Golfanlage, irgendwo höre ich noch das Geräusch, wie der Golfball gegen einen Baum prallt. Übung macht den Meister, ich nehme den nächsten Ball und loche nach vier weiteren Schlägen ein.

Die Konzentration lässt nach

Die Leute auf dem Platz sind freundlich und es herrscht eine ruhige, friedliche Atmosphäre. Ich fühle mich als junger Einsteiger akzeptiert. Inzwischen bin ich bei Loch Nummer fünf angelangt. Die mit 104 Metern längste Golfbahn liegt mir erstaunlich gut und ich brauche nur vier Schläge, das ist persönlicher Rekord! Bei den anschliessenden Bahnen treffe ich immer wieder auf knifflige Teich- und Bunkerhindernisse, brauche aber dennoch bei keiner Bahn mehr als fünf Schläge. Mittlerweile steht die letzte Bahn an, noch einmal fokussieren, denke ich mir.

Die Konzentration hat inzwischen abgenommen, ich möchte endlich mit dem ersten Schlag ins «Green» kommen. Nochmals leicht in die Knie gehen, Blick auf den Abschlagpunkt gerichtet, aufziehen und Abschlag! Hätte, wäre, könnte: alles Konjunktivformen. Der Ball fliegt nach rechts und landet in einem Bunker, der nicht einmal zu meiner Bahn gehört. Nach weiteren fünf Schlägen ist meine erste Golfrunde gemeistert.

Kein Dresscode erforderlich

Marlis Picco lobt mein Ergebnis und meint, dass ich mich gut für einen Anfänger geschlagen habe. Ich merke, dass Golf anstrengender ist, als man glaubt. Alleine die Konzentration, die Körperhaltung, das Abschlagen und das Laufen von Bahn zu Bahn ist kräfteraubend. Picco erklärt mir: «Beim Golfspielen kann man gut abschalten, viele Leute kommen nach der Arbeit, um einen guten Ausgleich zu haben. Man muss bei uns nicht Mitglied sein oder einen Dresscode einhalten, um Golf spielen zu können. Sofern man sich an die Platzregeln hält, darf hier jeder ein paar Bälle schlagen. Hier wird ohne Platzreife oder Handicap gespielt.»

Der Pitch&Putt-Kurzgolfplatz eignet sich bestens für Vereine, Firmen oder grössere Gruppen, aber auch Einzelpersonen – ob Anfänger, Gelegenheitsspieler, Kind oder Pensionierte – sind hier willkommen. Viele Abonnenten spielen auch mehrmals pro Woche und dürfen mehrere Runden spielen, sofern es nicht zu viele Spieler auf dem Platz hat. Einige Golfer beginnen hier, um die Platzreife für den grossen Golfplatz zu erhalten, da die Verhältnisse vereinfacht sind.