Habsburg
Beim 111. Habsburgschiessen lag viel Wehmut in der Luft

Neben Pulverdampf lag beim 111. Habsburgschiessen am gestrigen Sonntag in Habsburg auch Wehmut in der Luft: Beim vorletzten Mal liess sich noch einmal viel Polit-Prominenz blicken.

Hans Christof Wagner
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Habsburgschiessen 2018
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OK-Chef Adrian Boller (links) begrüsste in Habsburg wieder Ehrengäste, von links Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther, Landammann Alex Hürzeler, Grossratspräsident Bernhard Scholl und Nationalrat Thierry Burkart
Mit dem Sturmgewehr auf den Schultern kamen wieder viele nach Habsburg
Letzte Einweisung vor dem Schiessen – OK-Chef Adrian Boller und Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther2
Letzte Einweisung vor dem Schiessen – OK-Chef Adrian Boller und Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther,
Landammann Alex Hürzeler versuchte sich als Gewehrschütze
Landammann Alex Hürzeler (2. von links) war das dritte Mal beim Habsburgschiessen dabei
Beim 111. Habsburgschiessen waren die älteren Schützenjahrgänge in der Überzahl
Die Pistolenschützen schossen über eine Distanz von 50 Metern
Beim 111. Habsburgschiessen stand auch der Schützennachwuchs bereit
Bei den Gewehrschützen waren die Zielscheiben 300 Meter entfernt
Getroffen oder nicht - die Preisrichter hatten alles im Blick

Habsburgschiessen 2018

Hans Christof Wagner

Vermutlich sind die Erdwälle hinter den Zielscheiben der Freifeld-Schiessanlage Boll bleischwer. Kein Wunder – stecken doch die Pistolen- und Gewehrprojektile aus mehr 100 Jahren Habsburgschiessen darin. 2020 sollen die vorhandenen entfernt werden und keine neuen mehr hinzukommen. Bis in zwei Jahren müsste dann auch die Boll-Anlage mit einem künstlichen Kugelfang versehen sein.

Was das konkret kostet, kann Denise Glarner, Präsidentin der Habsburgschützen-Kommission, nicht beziffern. Doch für sie steht fest: «Es wäre unverhältnismässig viel für eine Anlage, die nur einmal pro Jahr, für das Habsburgschiessen, benutzt wird.» Aber, räumt sie ein, es gab auch noch einen zweiten Grund aufzuhören: Die organisierenden Sektionen hätten mangels Mitglieder immer mehr Probleme, den Grossanlass noch auch die Beine zu stellen.

Viel Polit-Prominenz

«Sehr bedauerlich» findet das FDP-Nationalrat Thierry Burkart, schon mehrere Male Gast beim Habsburgschiessen, dass jetzt 2019, mit der 112. Auflage, Schluss sein soll. «Ich habe Verständnis für die Entscheidung des OK, vor dem Hintergrund der anstehenden Investitionen. Kein Verständnis aber habe ich für die Gesetzgebung, die es zur Aufgabe zwingt», sagt er. «Grosse Skepsis» verspüre er beim Thema Übernahme des EU-Waffenrechts.

Dessen Parteikollege Bernhard Scholl meint: «Das trifft mit den Schützen doch die Falschen.» Scholl ist als Aargauer Grossratspräsident das erste Mal dabei. Schon das zehnte Mal Gast beim Habsburgschiessen, einer «schönen Tradition», wie sie findet, ist FDPNationalrätin Corina Eichenberger, als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats ganz nah dran am Thema EU-Waffenrecht. Sie sagt: «Der mit der Übernahme verbundene Sicherheitsgewinn ist fraglich. Andererseits dafür den Ausstieg aus dem Schengen-Raum riskieren? Da muss man schon sorgsam abwägen.»

Landammann Alex Hürzeler will seine inzwischen dritte Teilnahme am Habsburgschiessen überhaupt nicht als politisches Statement sehen: «Ich bin Sportdirektor des Aargau und ich bin heute hier, weil das Habsburgschiessen in erster Linie ein sportlicher Anlass ist.»

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