Brugg
Beide Stadtammann-Kandidaten setzen zum Schlussspurt an – doch wie gelungen sind die Kampagnen?

Die Ausgangslage ist spannend. Und völlig offen. Wer schafft am übernächsten Wochenende die Wahl als Brugger Stadtammann, Titus Meier (FDP) oder Barbara Horlacher (Grüne)?

Michael Hunziker
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Titus Meier hat für seine Wahlkampagne unterschiedliche Sujets gewählt – wie dieses hier auf dem Neumarktplatz. mhu

Titus Meier hat für seine Wahlkampagne unterschiedliche Sujets gewählt – wie dieses hier auf dem Neumarktplatz. mhu

Michael Hunziker/AZ
Kampagnen Stadtammannwahl Brugg

Kampagnen Stadtammannwahl Brugg

Michael Hunziker/AZ

Schon beim ersten Wahlgang im September lieferten sich die Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit 1348 Stimmen hatte Meier die Nase um nur gerade 29 Stimmen vorne. Das absolute Mehr aber verpassten beide. Chancenlos blieb der parteilose Richard Fischer, der nicht mehr antritt beim entscheidenden zweiten Wahlgang.

Fest steht: Die Kandidaten müssen um jede Stimme kämpfen. Kein Wunder, sind sie derzeit präsent auf Plakaten in der ganzen Stadt sowie auf Zeitungsinseraten. Zudem können sie auf stattliche Unterstützungskomitees zählen, verfügen über aktuelle Websites und sind auf Facebook aktiv.

Keine Kritik an Berufskollegen

Horlacher wählte beim ersten Walgang – in Anspielung an den amtierenden Stadtammann Daniel Moser (FDP) – den kecken Slogan «Barbara ist der neue Dani, nur weiblich und ganz anders». Neu lautet die Botschaft kurz und bündig «2. Wahlgang, 1. Wahl: Barbara». Auf den Plakaten von Titus Meier hiess es beim ersten Wahlgang «Wählen Sie Zukunft. Jetzt.» Diesmal hat er unterschiedliche Sujets und Aussagen gewählt, zu sehen sind beispielsweise ein Rucksack und die Worte «Seine politische Erfahrung.»

Abgesehen vom politischen Inhalt: Wie beurteilen Werbe-Profis die Kampagnen? Die AZ wollte wissen, welcher Auftritt auf einen ersten Blick besonders anspricht, was gelungen ist, wo es Verbesserungspotenzial gibt. Ein paar spontane, knackige Antworten zu erhalten, war dann – stellte sich heraus – kein leichtes Unterfangen. Zwei ortsansässige Büros zeichnen selbst verantwortlich für die Kampagnen, kamen also für eine Beurteilung nicht infrage. Ein weiterer Spezialist fühlte sich zwar geehrt von der AZ-Anfrage. Da es sich allerdings um Gestaltungen von Berufskollegen handle, mit denen man bei einigen Projekten in Konkurrenz stehe, könne man sich nicht anmassen, Kritik zu äussern, hiess es. Sehr wohl habe man sich eine eigene Meinung gebildet, behalte diese aber gerne für sich. Der Inhaber einer weiteren PR-Agentur weilt zurzeit im Ausland und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Grafisch gibts nichts zu rütteln

Zum Glück gibt es André Eisen, Grafiker und Inhaber der Werbewerft in Birrhard. Er hat die Zeitungsinserate und Plakate in der Stadt bereits gesehen, nachträglich nun ebenfalls die Websites angeschaut. Diese machen, stellt er fest, einen professionellen, zeitgemässen und soliden Eindruck.

Auch bei den Plakaten und Inseraten gebe es grafisch nichts zu rütteln, fügt Eisen an. Diese seien okay. Drucktechnisch aber sind diejenigen von Barbara Horlacher nach seinem Geschmack zu dunkel und düster geworden. «Das ist schade.» Ebenso fehlen dem Werbewerft-Inhaber die Auskünfte darüber, welche Standpunkte die Grünen-Kandidatin vertritt. Dagegen rücke die wesentliche Information, warum er einen Kandidaten wählen soll, bei Titus Meier stärker und schneller ins Blickfeld. Kurz: Sogenannte Testimonial-Kampagnen wie beim FDP-Kandidaten sind seiner Meinung nach grundsätzlich gewichtiger als Selbstempfehlungen, fasst Eisen zusammen.