Schinznach-Bad
Bei ihm muss es knistern: Christoph R. Aerni zeigt Akt- und Porträtmalereien in der Massena-Scheune

In der Massena-Scheune gibt es derzeit einen Querschnitt durch das Schaffen von Christoph R. Aerni. «Es darf knistern», titelt eine Schweizer Zeitschrift in einem Bericht zum Werk von Aerni, das vor allem Akt- und Porträtmalereien umfasst. Darauf angesprochen, lacht er und sein voluminöser Schnauz wippt auf und ab: «Es darf nicht nur knistern, es muss! Sonst könnte ich Schaufensterpuppen abmalen.»

Ursula Burgherr
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Sinnliche 'Rückenansicht' - Christoph R Aerni vor einem seiner Exponate in der Massena-Scheune.
7 Bilder
Schinznach-Bad Massena-Scheune
Fast fotorealistisch gemaltes Porträt von Christoph R Aerni.
Selbstporträt des Künstlers Christoph R Aerni.
Altmeister Rubens und Frauen mit Rubensfiguren à la Chistoph R Aerni
Schlangenfrau Nina Burri - gemalt von Christoph R Aerni.
Erotische Rückenansicht: Das Bild von Christoph R. Aerni ist derzeit in derMassena-Scheune zu sehen.

Sinnliche 'Rückenansicht' - Christoph R Aerni vor einem seiner Exponate in der Massena-Scheune.

Ursula Burgherr

Eines wird beim Anblick von Christoph R. Aernis Bildern sofort ersichtlich: Er ist ein klassischer Maler, der sein Metier beherrscht. Auf ihn trifft das geflügelte Wort «Kunst kommt von Können» 100-prozentig zu. Für seine sinnlichen Bilder braucht es keine Erklärungen. Fast schon fotorealistisch wirkt die Serie mit Frauen, die sich in transparenter Plastikfolie räkeln; oder eine Metallkugel balancieren, in der sich ihre Körper spiegeln. Auf einem anderen Exponat steht eine Dame hüllenlos im Atelier, das Aerni in Egerkingen hat, und tippt eine SMS. Neben dem klassischen, bis ins letzte Detail getreu wiedergegebenen Porträt von Rubens wirken die abstrahiert dargestellten Schönheiten mit ihren üppigen Rundungen fast unreal – wie ein Traum.

Auch Vázquez linst auf einem Exponat postum hinter einem Türchen hervor. «Die alten Meister schauen mir halt immer über die Schultern, wenn ich arbeite», scherzt der 62-jährige Solothurner, der in Gunzgen wohnt, und rückt sein blütenweisses Hemd zurecht.

Viele liessen die Hüllen fallen

«Es darf knistern», titelt eine Schweizer Zeitschrift in einem Bericht zum Werk von Aerni, das vor allem Akt- und Porträtmalereien umfasst. Darauf angesprochen, lacht er und sein voluminöser Schnauz wippt auf und ab: «Es darf nicht nur knistern, es muss! Sonst könnte ich Schaufensterpuppen abmalen.» Viele Frauen liessen bei ihm schon ihre Hüllen fallen. Zum Beispiel die Ex-Missen Tanja Gutmann und Melanie Winiger. Oder Schlangenfrau Nina Burri, deren Bild in der Massena-Scheune ausgestellt ist. Gattin Anita half früher noch mit, Modelle zu suchen. Heute geben die sich die Klinke in die Hand.

Aerni wird als der «bekannteste Aktmaler der Schweiz» betitelt. «Aber es gab auch schon Leute, die mich als sexistisch und frauenverachtend beschimpften», erzählt er und schüttelt den Kopf. «Der Frauenakt ist eines der ältesten und faszinierendsten Motive, die es in der Kunst gibt. Die schönsten Bilder, die im Louvre oder der Eremitage hängen, sind Aktbilder», bekundet er. Seine Malerei sei im Gegenteil eine Hommage an das weibliche Geschlecht: «Alle Modelle sind stolz darauf, sich von mir malen zu lassen.»

Das Schönste, was es gibt

Vom menschlichen Körper war Aerni schon als kleiner Bub fasziniert. «Eigentlich wollte ich Chirurg werden», erinnert er sich. Sein erstes Bild malte er mit 9. Es war die Kopie eines Rembrandt-Gemäldes. Während seines Studiums an der Kunstgewerbeschule Basel, besuchte er zusätzlich Anatomiekurse. Das seine Malereien auf Leinwand oft so plastisch wirken, ist aber auf seine erste Lehre als Steinbildhauer zurückzuführen.

Warum malt er nur nackte Frauen und keine nackten Männer? «Weil Frauen das Schönste sind, was es gibt.» Muss jemand attraktiv sein, um für ihn Modell stehen zu können? «Nicht auf die plakative Art. Ich mag keine Barbies, sondern Frauen mit Ausstrahlung. Richtige ‹Weiber› eben – im besten Sinne gemeint.» Was ist das Schwierigste am Aktmalen? «Die Hände. Und dass die Proportionen bis ins letzte Detail perfekt stimmen.»

Unlängst hat Aerni Alt-Bundesrat Ogi für das Cover seines neuen Buches porträtiert. Auch Herzchirurg Thierry Carrel und Astronaut Claude Nicollier wurden von ihm schon in Öl verewigt. Als in ein Journalist zum 60. Geburtstag fragte, wie er sich fühle, sagte Aerni: «Jetzt habe ich mein Praktikum hinter mir und kann endlich anfangen zu arbeiten.» Er schmunzelt und fügt hinzu: «Grosse Maler wie Rembrandt hatten die beste Phase erst in ihren späten Lebensjahren.» Seit seine vier Kinder erwachsen sind, plagen ihn auch keine Existenzängste mehr. «Jetzt geht es erst richtig los», meint Aerni und lacht wieder. Beat Bianchi von der Schloss Wildenstein AG hat die Ausstellung in der Massena-Scheune konzipiert, die noch bis zum 2. April in Schinznach-Bad besichtigt werden kann.

Querschnitt durch das Schaffen von Christoph R. Aerni, Massena-Scheune in Bad Schinznach, Badstrasse 70, Schinznach-Bad; Öffnungszeiten: Mi bis Fr 14 bis 18 Uhr, Sa/So 11 bis 16 Uhr; Finissage So, 2. April, 11 bis 16 Uhr (in Anwesenheit des Künstlers).