Africanus gegen Crixus, Murmillo gegen Thraex, Wendigkeit gegen Panzerung – so heisst am Sonntagvormittag gegen 10.30 Uhr die erste Paarung. Einige Minuten dauern die Kämpfe schon, immer wieder einmal muss der Summarudis, der Schiedsrichter, eingreifen. Aber beide Kämpfer sind sich ebenbürtig.

Für solche Fälle hat sich der Veranstalter, der Editor, einen ganz demokratischen Trick ausgedacht: Soll doch das Publikum entscheiden. Und das applaudiert länger und lautstarker für Africanus. Also geht der als Sieger hervor, nimmt den Palmzweig entgegen und läuft eine Ehrenrunde durch die Arena, die im Falle von Windisch keine richtig ist, weil der Sand fehlt.

Africanus heisst im wirklichen Leben Youl Samare und ist Stuntman von Beruf. «Das Einfache und Ursprüngliche dieses Kampfstils aus der Antike fasziniert mich einfach», sagt das Mitglied der Gladiatorenschule Amor Mortis aus Deutschland, die heute mit ihren Mitkämpfern von der Gruppe Familia Gladiatoria Carnuntina aus Österreich zu Gast ist. Diese treten sonst in der Römerstadt Carnuntum in der Nähe von Wien auf.

Einer der Gladiatorenkämpfe am Römertag 2017 in Windisch

Einer der Gladiatorenkämpfe

Erster Auslandsauftritt

Aus Wien kommt auch Chihab Kraien (Kampfname Astyanax), der sich auch sonst für historische Schwert- und Kampfkunst interessiert und für den der Auftritt im Amphitheater Windisch der erste Auslandsauftritt ist. Seine antike Identität ist die eines Karthagers, der mit 17 Jahren freiwillig Gladiator wurde. Später wird er gegen Taranis kämpfen, einen gallischen Kriegsgefangenen. Und auch hier entscheidet wieder das Publikum über Sieg oder Niederlage. Und es ist Astyanax hold.

Auch die Götter sind dieser Premiere beim 16. Römertag mehr als gewogen, lassen sie doch die Temperaturen hochsommerlich ansteigen. So wird am Nachmittag der Festumzug der 14 Gladiatoren vom Vindonissa Museum zum Kampfplatz in Windisch eine schweisstreibende Angelegenheit. Doch der guten Stimmung im Publikum, wo so manche gebieterisch den Daumen nach unten oder oben strecken und sich bei Brot und Spielen wie Ceasar fühlen, kann die Hitze nichts anhaben.

Die Gladiatoren ziehen in Windisch ein

Die Gladiatoren ziehen in Windisch ein

Guter Dinge ist auch Pirmin Koch von der Gesellschaft Pro Vindonissa, weil das antike Spektakel in Windisch so gut ankommt und das klassische Angebot beim Römertag rund ums Vindonissa Museum Brugg so ideal ergänzt. Und das am Originalschauplatz, wo es in der Antike wohl auch Gladiatorenkämpfe gegeben hat – obwohl das nicht wirklich überliefert ist.