Brugg
Bei der Partei ist er abgeblitzt: Jetzt will Richard Fischer solo in den Stadtrat

Nach über 40 Jahren Mitgliedschaft bei der FDP – davon 6 Jahre als Vizepräsident – ist Richard Fischer per Ende 2016 aus der Stadtpartei ausgetreten. Jetzt kandidiert er als Parteiloser für den Stadtrat.

Claudia Meier
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Richard Fischer. cm

Richard Fischer. cm

Claudia Meier

Nach über 40 Jahren Mitgliedschaft bei der FDP – davon 6 Jahre als Vizepräsident – ist Richard Fischer per Ende 2016 aus der Stadtpartei ausgetreten. Was er vor einem Jahr mit dem Satz «Ich werde mich Ende 2017 für einen Platz im Brugger Stadthaus bewerben» ankündigte, führt der 66-Jährige nun genauer aus.

Fischer kandidiert bei den Gesamterneuerungswahlen vom 24. September als Parteiloser für einen Sitz im Brugger Stadtrat. Als Stadtrat oder als Stadtammann? «Das hängt vom Kandidatenfeld ab. Ich werde zuerst alle Nominationen abwarten», sagt der Freidenker mit liberalem Gedankengut, wie er sich selber nennt. Und warum kam es zum Parteiaustritt? Als ehemaliger Unternehmer habe er sich bei der FDP schon seit etwa 3 Jahren nicht mehr richtig wohl gefühlt. Die Partei sei – vor allem im Kanton Aargau – stark nach rechts gerutscht. Das stört Fischer, der seine politische Position eher Mittelinks verortet.

Trotzdem meldete er sich auf den Aufruf der FDP-Findungskommission, die den Auftrag hat, der Parteibasis geeignete Kandidaten für den Stadtrat und den Ammann-Sitz zur Nomination vorzuschlagen. Stadtammann Daniel Moser von der FDP tritt bekanntlich nicht zur Wiederwahl an. Die Findungskommission wollte aber von Fischers Kandidatur nichts wissen. Er könne das akzeptieren und sei nicht mit Groll aus der Partei ausgetreten, betont Fischer. «Ich war kein typischer FDPler mehr.»

Er fordert mehr Dialog

Vor Jahren war der in Windisch aufgewachsene, frischgebackene Stadtratskandidat Mit-Initiant des Bürgerforums «Neues Gesicht Brugg». Schon mehrmals hat er in der Vergangenheit die mangelnde Kommunikation und Transparenz der Stadt Brugg gegenüber der Bevölkerung kritisiert. Fischer fordert mehr Dialog. Die Solidarität als Bezirkshauptort und in der Gemeinde zu fördern, bezeichnet er als einen weiteren politischen Schwerpunkt.

Zur Diskussion stellen will er das Finanz-Management und die Liegenschaften-Bewirtschaftung der Stadt hinsichtlich Vermögen und Erträge. Fischer ist der Ansicht, dass Brugg und die Region Zukunftschancen vermehrt wahrnehmen, prüfen und – wenn sinnvoll – umsetzen sollten. Mit dem «Neuen Gesicht Brugg» hatte er unter anderem eine grössere Fusion in der Region Vindonissa zur Debatte gestellt. «Viele meinen nun, ich wolle um jeden Preis fusionieren», stellt Fischer fest. Das sei aber nicht der Fall. «Ich will intensive Studien machen zu unserer Zukunft. Mir geht es auch um die übernächste Generation.» Eine Fusion müsse Sinn machen.

Was hält er von den Fusionsplänen mit Schinznach-Bad? «Ich finde sie grundsätzlich gut, wobei man sich fragen muss, ob Brugg mit anderen Gemeinden nicht mehr Gemeinsamkeiten hätte», antwortet der studierte Bauingenieur mit Handelsdiplom. Und was sagt er zum Umstand, dass es bei einer Fusion im 2019 keine Neuwahlen geben würde? «Davon halte ich nichts. Da habe ich ein anderes Demokratieverständnis.» Auch in Sachen Schulstandorte fordert Fischer eine ganzheitliche Sichtweise. «Junge Menschen haben das Recht, für den Schulbesuch nicht grosse Wege zurücklegen zu müssen.» Ihm gehe es in der Politik nicht primär ums Geld, sondern um die Sache, und das will er in einem aktiven Wahlkampf den Wählern klarmachen.