Schinznach
Bei der ehemaligen Tongrube redet der Kanton ein Wörtchen mit

Die Rekultivierungspflicht für die Tongrube Eriwis wird neuen Grundeigentümern übertragen.

Michael Hunziker
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In der ehemaligen Tongrube Eriwis ist in den letzten Jahren ein Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten entstanden.zvg/Naef

In der ehemaligen Tongrube Eriwis ist in den letzten Jahren ein Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten entstanden.zvg/Naef

zvg / Felix Naef

Auffüllen oder nicht auffüllen lautet die Frage rund um die ehemalige Tongrube Eriwis. Der Gemeinderat Schinznach hat sich in den letzten Monaten intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Der Hintergrund: Die bisherige Besitzerin, die ZZ Wancor AG, hat das Areal unweit der Bözenegg an die Naturwerkstatt Eriwis und an Birdlife Aargau verkauft. Beantragt wurde, die Rekultivierungspflicht aufzuheben. Denn die Naturschutzvereine möchten die Grubenlandschaft in der heutigen Form erhalten.

Die Abteilung für Umwelt des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat jetzt der Übertragung der Abbaubewilligung, die aus dem Jahr 1990 stammt, an die neuen Eigentümer zugestimmt, teilt der Gemeinderat Schinznach mit. Dieser seinerseits hat die Übertragung «nach umfassenden rechtlichen Abklärungen» unter Auflagen und Bedingungen ebenfalls bewilligt. Was bedeutet dieser Schritt für die ehemalige Tongrube? Kann das Areal, wie von den Naturschutzvereinen beabsichtigt, in die Naturschutzzone umgezont werden?

Kein Antrag eingegangen

Der Gemeinderat habe lediglich der Übertragung der Rekultivierungspflicht an die neuen Eigentümer – also Naturwerkstatt Eriwis sowie Birdlife Aargau – zugestimmt, antwortet der Schinznacher Gemeindeammann Urs Leuthard. «Ein Entscheid, wie die bestehende Rekultivierungspflicht umgesetzt wird, ist damit nicht verbunden.» Anders ausgedrückt: Die seit dem Tonabbau deklarierte Rekultivierungspflicht bleibe bestehen. «Es ist Sache der kantonalen Instanzen, Rekultivierungsmassnahmen im Detail zu definieren und über die Ausgestaltung der Rekultivierungspflicht zu befinden.»

Aufgrund der Erfahrungen des Gemeinderats, fügt Leuthard an, werde das BVU die Gemeinde in die Entscheidfindung mit einbeziehen. Eine Umzonung der ehemaligen Tongrube sei nicht vorgesehen, fährt er fort. Denn während des Planungsprozesses im Zusammenhang mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung sei dem Gemeinderat seitens der Grundeigentümerin ZZ Wancor AG kein entsprechender Antrag eingereicht worden.

Abbau bis Ende der Neunziger

Die Zürcher Ziegeleien – heute ZZ Wancor AG – bauten in Schinznach-Dorf von 1932 bis 1998 Opalinuston ab für die Herstellung von Backsteinen und Dachziegeln. Nach der Schliessung des Produktionsbetriebs eroberte sich die Natur das Areal etwas abseits des Siedlungsgebiets zurück. Seit rund 10 Jahren kümmert sich der Verein Naturwerkstatt Eriwis um die fachgerechte Pflege. Entstanden ist ein Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten.

Im November 2015 wurde bekannt, dass die Naturwerkstatt Eriwis sowie Birdlife Aargau die ehemalige Tongrube kaufen und von der Abbau- in die Naturschutzzone umzonen lassen möchten. Der Gemeinderat beschloss Mitte Dezember 2015 allerdings, an der Rekultivierungspflicht für die Etappe 1 festzuhalten. Die Rede ist von einem rund 3,3 Hektaren grossen Gebiet und rund 165 000 Kubikmetern Material. Einverstanden erklärte sich die Behörde damit, die Etappen 2 bis 4 – ein rund 10 Hektaren grosses Areal – als Naturschutzgebiet auszuscheiden.

Die Gemeinde sei über die beantragte Aufhebung der Rekultivierungspflicht zuerst «sozusagen vor vollendete Tatsachen gestellt worden», blickt Gemeindeammann Leuthard zurück. In der Folge habe aber ein offener Austausch unter allen Beteiligten stattgefunden und der Gemeinderat habe die erforderlichen rechtlichen Abklärungen vornehmen können.