Argovia-Fäscht

«Bei ‹079› geh ich ab wie eine Rakete»

Für die «Party vom Jahr» auf dem Birrfeld scheut das Publikum keine Mühe, den Abend perfekt zu machen.

«Was ist denn hier los?», fragte sich eine Seniorin am Brugger Bahnhof laut, als eine Gruppe singender, biertrinkender Jugendlicher an ihr vorbeigingen: «Ah, s’esch wohl weder Argovia-Fäscht!», fällt ihr ein. Volltreffer. Aufs Birrfeld kamen am Samstag über 45'000 Leute, die die «Party vom Jahr» zusammen feiern wollten.

14 Uhr, Türöffnung: Über dem Birrfeld strahlt die Sonne, eine leichte Bise weht, es ist nicht allzu heiss. Perfektes Wetter. Das freut auch die Gruppe vom Brugger Bahnhof. Die Jugendlichen sind extra von Zürich ans Argovia-Fäscht angereist, sitzen jetzt im Shuttle-Bus Richtung Birrfeld. Ein Mädchen stimmt «079» von Lo & Leduc an. Sie weiss schon jetzt: «Wenn sie das Lied später spielen, dann sage ich euch: Ich gehe ab wie eine Rakete!» Das denkt nicht nur sie. Auch Regierungsrat Markus Dieth, auf dem Birrfeld VIP-Stammgast erster Stunde, will sich bei «079» unters Festvolk vor der Bühne mischen. Darunter sind so einige, eingefleischte Fans der beiden Berner Musiker. Vereinzelte tragen sogar Lo-&-Leduc-T-Shirts.

Lo & Leduc im Interview vor dem Auftritt

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Rammsteinpulli und Kristalle

Stichwort Mode: Macht man einen Rundgang übers Birrfeld, fällt auf, dass das Argovia-Fäscht-Publikum, modisch gesehen, sehr vielfältig ist: Da sind wallende, luftige Spitzen-Kleider – gross in Mode am angesagten «Coachella»-Festival in Los Angeles. Oder da sind Männer, die ihre tätowierten Oberkörper präsentieren wollen, ältere Pärchen im rockigen Harley-Davidson-Partnerlook, Hip-Hop-Liebhaber mit Gang-Bandanas und aufwendigen Flechtfrisuren. Das ein oder andere Outfit sorgt für Schmunzeln: Zum Beispiel das Turnfest-T-Shirt des Teenagers, der am Argovia-Fäscht wohl noch etwas Werbung für den kommenden Grossanlass machen will, oder der Mann im Rammstein-Pulli, der trotzdem im Takt von Baschis Liedern tanzt.

Party-Stimmung bei den Konzertbesucherinnen und -besuchern.

Party-Stimmung bei den Konzertbesucherinnen und -besuchern.

Und da sind die, die extremen Aufwand fürs perfekte Outfit nicht gescheut haben. Eine Gruppe junger Frauen vom Mutschellen hat Glitzer auf den Backen und bunte Kristalle im Gesicht. «Wir haben uns zwei Stunden geschminkt», sagt eine Jugendliche aus dem Freiamt. Für ihr erstes Mal am Argovia-Fäscht hat sie sich extra Mühe gemacht.

Einige bleiben über Nacht

Späterer Nachmittag: Nach den ersten Auftritten auf der Hauptbühne wirken die Fest-Besucherinnen und -besucher etwas gelöster. So, als ob sie sich zuvor Sorgen gemacht hätten, dass das Argovia-Fäscht dieses Jahr anders wird als sonst. Das Fest hat bei vielen Leuten schon Tradition. Vor allem bei jenen, die aus der Region kommen und ans Argovia-Fäscht gehen, weil sie es einfach schon immer gemacht haben oder lokale Anlässe unterstützen wollen. Und die, die von weither kommen, weil sie von der immer guten Stimmung gehört haben, scheinen ihre Entscheidung nicht zu bereuen. Zum Beispiel die Gruppe Teenager aus Uri, die auf einem Campingplatz in Sulz übernachtet, oder die zwei Freundinnen aus Basel.

«Ich war mit zwei Jahren zum ersten Mal hier»

"Ich war mit zwei Jahren zum ersten Mal hier": ein Rundgang durchs Partyvolk auf dem Birrfeld

   

Gartenfest-Stimmung bei VIPs

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang legt sich langsam Dunkelheit übers Birrfeld. Im VIP-Zelt wirds heimelig: Trotz unmittelbarer Nähe zur dröhnenden Bühne hat man hier das Gefühl, eher an einem Gartenfest zu sein als auf der «Party vom Jahr». Wie die Stimmung bei den Premium-Gästen (ein neues Angebot, das zwischen einem normalem und einem VIP-Ticket liegt) war, blieb leider unklar. Der bebrillte Security-Mann mit verschränkten Armen verweigerte den Medien konsequent den Eintritt auf die neue Bühne.

Weiterer Rundgang kurz vor Mitternacht: Die Abfallberge häufen sich, die Blicke einiger Besucher wirken orientierungslos, einer pustet eine dicke Wolke Marihuana-Rauch aus seinen Lungen. Vermehrt sind Sanitäter auf dem Feld unterwegs. Doch der Stimmung tut das soweit keinen Abbruch. Vor der Bühne und in den Festzelten wird immer noch getanzt, an den Bars wird getrunken, bei den Ständen gespielt oder auf dem Bullen geritten. Argovia-Fäscht-OK-Chef Marco Kugel: «Noch immer kommen Leute an und holen Tickets an der Abendkasse.» Die Party im Birrfeld war also auch nach Mitternacht noch lange, lange nicht vorbei.

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