Spontaner Applaus ertönt in der Aula in Schinznach-Bad. Soeben hat eine Votantin gesagt: «Denken wir doch nicht immer an die Vergangenheit, sondern seien wir etwas zukunftsgerichtet.» Mit dieser Aussage spricht sie sich für eine Fusion von Schinznach-Bad mit Brugg aus, obwohl sie ursprünglich einen Zusammenschluss mit den Schenkenbergergemeinden bevorzugt hatte.

Zuvor wurde bereits diskutiert. Über den Oberstufenstandort im Schenkenbergertal, der noch gefährdeter sein soll, wenn sich Schinznach-Bad abwendet. Über die Gebühren für Abfall und Abwasser. Über die Badi Schinznach und den Vertrag, den die Stadt Brugg vorläufig übernehmen wird. Über die besseren öV-Anbindungen zwischen Brugg und Schinznach-Bad oder auch darüber, was ein Zusammenschluss denn steuertechnisch bewirken dürfte.

In den Infoabend ein führte Vizeammann René Fiechter. Er hat nach dem Rücktritt von Gemeindeammann Oliver Gerlinger Einsitz in die Projektleitung genommen. Er erklärte auch, warum an diesem Abend niemand von der Stadt Brugg anwesend ist: «Wir haben heute die Gelegenheit, unter uns die Diskussion zu führen. Jeder soll sich frei äussern können.» Er mahnte aber: «Bleibt fair und respektvoll.»

Danach informierte Projektleiter Markus Leimbacher über den aktuellen Stand des Projekts. So gab er bekannt, dass die Arbeitsgruppen ihre Schlussberichte verfasst hätten. Einzig jene der Arbeitsgruppen Finanzen und Verwaltung würden noch fehlen. Am nächsten Montag sollen auch diese verabschiedet werden. Leimbacher ging am Mittwochabend auf einzelne Punkte im Fusionsvertrag ein. So erwähnte er, dass die Adressen und die Postleitzahl von Schinznach-Bad bestehen bleiben und dass auch der Ortsteil weiterhin Schinznach-Bad heissen wird. Die Ortsschilder sollen analog zu Umiken beschriftet werden.

Detaillierter ging er noch auf das Thema Schule ein. So gilt der Grundsatz: eine Gemeinde, eine Schule. Heisst: Schon von Gesetzes wegen sei es nicht möglich, dass die Oberstufenschüler von Schinznach-Bad bei einer allfälligen Fusion weiterhin in der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal zur Schule gehen.

Keine Neuwahlen im Jahr 2020

Das brachte eine Mutter dazu zu fragen: «Wie viel kostet es denn, wenn ich weiterhin meine Kinder im Schenkenbergertal zur Schule schicken möchte?» Sie wolle nämlich nicht, dass ihre Kinder gezwungen sind, den Mittag an der Schule in Brugg zu verbringen. Weiter ging Leimbacher auf die Politik ein: «Bei einem Zusammenschluss werden keine Wahlkreise geschaffen. Und per 1. Januar 2020 erfolgen keine Wahlen für den Stadt- und Einwohnerrat.» Das hätten die Exekutiven so entschieden. Yvonne Reichlin, Leiterin Gemeindeabteilung beim Kanton, bestätigte, dass dies rechtlich zulässig sei. Bei allfälligen Vakanzen würden aber selbstverständlich die Wahlen über das gesamte Gemeindegebiet stattfinden, sagte Leimbacher.

Unklar ist noch die Situation bei der Feuerwehr. Auch hier gilt der Grundsatz: eine Gemeinde, eine Feuerwehr. Bereits heute sind nur 12 bis 14 Freiwillige aus Schinznach-Bad in der Feuerwehr, dank dem Verbund Feuerwehr Schenkenber- gertal konnte bis jetzt die Einsatzzeit gewährleistet werden. Der Feuerwehrkommandant in Brugg hat die Aufgabe gefasst, eine Lösung zu finden, wenn Schinznach-Bad aus dem Verband austritt.

Nebst einigen wenigen negativen Voten äusserten sich viele positiv zur geplanten Fusion. Vor allem bezüglich Finanzen und personellen Ressourcen würde ein Zusammenschluss Sinn machen, sind sie überzeugt. Schliesslich locke auch ein Steuerfuss von 100 % (Schinznach-Bad heute: 110 %),

Bereits jetzt ist klar: Der Gemeinderat Schinznach-Bad ist von der Fusion überzeugt. «Brugg ist der richtige Partner», hielt René Fiechter fest. «Es sind keine negativen Auswirkungen ersichtlich. Und emotionale Bindungen, beispielsweise im Bereich Schule, Badi oder Feuerwehr, können überwunden werden.»