Siedlungseentwicklung

Bedenken wegen Hochhäusern: Grosses Interesse an Windischer Veranstaltungsreihe

Das Hochhauskonzept – hier eine unverbindliche Illustration des Konzeptansatzes – ist im Einwohnerrat Windisch zurückgewiesen worden im vergangenen Jahr.

Das Hochhauskonzept – hier eine unverbindliche Illustration des Konzeptansatzes – ist im Einwohnerrat Windisch zurückgewiesen worden im vergangenen Jahr.

Die Veranstaltungsreihe des Windischer Quartiervereins Klosterzelg-Reutenen zur Siedlungsentwicklung stösst auf reges Interesse. Die Campusgalerie war sehr gut besetzt.

«Was wollen wir eigentlich? Eine Schlafstadt mit Hochhäusern? Welche Chancen und Risiken entstehen, wenn grosse Areale – Kabelwerke, SBB – anders genutzt werden sollten?» Mit diesen Fragen umriss Mirjam Aebischer vom Vorstand des Quartiervereins Klosterzelg-Reutenen den Hintergrund der Veranstaltungsreihe zum Thema Siedlungsentwicklung.

Mit der ersatzlosen Streichung des «Hochhausparagraphen» (§ 7 Hochhäuser) aus der neuen Windischer Bau- und Nutzungsordnung (BNO) durch den Einwohnerrat im letzten Jahr dürfte das Schreckgespenst einer dicht gesetzten Hochhausreihe zwar vorerst gebannt sein. Mit der Veranstaltungsreihe, so Mirjam Aebischer, soll aber die Diskussion zur Siedlungsentwicklung und zu den Bedürfnissen geöffnet werden, die entstehen, wenn – als Folge der mit der neuen BNO angestrebten Verdichtung – mehr Menschen im gleichen Raum leben.

Das Interesse an diesen Themen, so viel sei vorausgeschickt, ist offensichtlich vorhanden. Die Campusgalerie jedenfalls war sehr gut besetzt.

Antworten auf relevante Fragen

«Partizipative Planung ist ein Modewort, in das viel hineingepackt werden kann», stellte Sabine Wolf fest, Stadtplanerin, Chefredaktorin der Zeitschrift für Landschaftsarchitektur anthos und Projektleiterin «Plattform Genossenschaften». «Partizipative Planung ist aber vor allem ein Instrument, um zum richtigen Zeitpunkt Antworten auf relevante Fragen zu erhalten.»

Anhand von Beispielen – unter anderem der Wohn- und Gewerbesiedlung Kalkbreite Zürich, wo sie in der Baukommission mitwirkte – ging sie in ihrem Referat «Lebendige Quartiere, vitale Nachbarschaften: Vom Profit partizipativer Planung» auf die Abläufe, die Anforderungen und die Vorteile einer partizipativen Planung ein.

Wie sie erklärte, laufe die partizipative Planung in verschiedenen Phasen ab. Gehe es in einer Vorstufe um Information, Anhörung und Mitsprache würden in der Phase der «echten Partizipation» die Mitbestimmung, der Mitentscheid, die Mitgestaltung und schliesslich die Beteiligung an der Realisierung im Mittelpunkt stehen.

Eine massgebende Rolle komme bei der partizipativen Planung den Kommunen zu, stellte Sabine Wolf fest. «Voraussetzungen sind dabei Offenheit, eine gesamtheitliche Strategie und natürlich das Zulassen eines prozesshaften Vorgehens.» Als unabdingbar für das Gelingen einer partizipativen Planung bezeichnete sie das Vertrauen in partizipative Prozessformen, die gemeinsame Vereinbarung von Spielräumen und Regeln sowie eine offene und transparente Kommunikation.

«Partizipative Planung», so Sabine Wolf, «zeichnet sich dadurch aus, dass das Wissen vieler einfliesst und damit eine inhaltlich bessere Planung erreicht wird. Partizipative Planung erlaubt Dynamik und schafft Raum für Innovation; sie führt zu höherer Akzeptanz für bestimmte Massnahmen. Konflikte lassen sich bereits im Vorfeld lösen. Das Planungsergebnis ist breiter abgestützt und getragen und in einen grösseren gesellschaftlichen Kontext eingebettet.» Partizipative Planung führe zudem zu schlankeren Verfahren, was sich auch finanziell positiv auswirke.

«Eine partizipative Planung gibt eine massgeschneiderte Antwort auf eine spezifische, lokale Situation», so das Fazit von Sabine Wolf.

Flugsand in der Schlafstadt?

In der Diskussionsrunde, die von Mirjam Aebischer geleitet wurde, kam eine gewisse Skepsis darüber zum Ausdruck, wie weit sich die Beispiele der partizipativen Planung auf die «Provinz» übertragen lassen. «Es gibt natürlich grosse Unterschiede zwischen Zürich und dem Aargau», betonte die im Publikum anwesende Rosi Magon, Vizepräsidentin des Gemeinderats Windisch und Verantwortliche für die Raumplanung. «Die Planung erfolgt hier mehrheitlich durch Investoren. Wir verfügen aber über Instrumente für die Mitwirkung. Die Bevölkerung kann sich einbringen.»

Spürbar wurde in der Diskussion aber auch die Befürchtung, dass aufgrund ökonomischer Entwicklungen Schlafquartiere entstehen könnten, die von einer «Flugsand»-Bevölkerung ohne Bezug zur Gemeinde und Region bewohnt würden.

An den nächsten Anlässen der Reihe wird sich Angelus Eisinger (Direktor Regionalplanung Zürich und Umgebung) mit dem Thema «Optionen der Gemeindeentwicklung in Zeiten der Agglomerationsbildung» (7. März) und Christian Schmid (Geograf und Stadtforscher) mit dem Thema «Hochhäuser oder neue Siedlungskonzepte» befassen (12. März).

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